Findlinge

Monolithen allerorten

Zuerst steht eine silbrig-metallische Stele in der Wüste des US-Bundesstaates Utah. Und dann tauchen weltweit welche auf, jetzt auch in Deutschland.

10.12.2020

Von DPA

Damit hat die Monolithitis begonen: das Metallgebilde in der Wüste von Utah. Foto: Handout/Utah Department of Public Safety/afp

New York. Die mysteriösen Metall-Monolithen nehmen überhand. Nachdem einer in einer Wüste im US-Bundesstaat Utah aufgetaucht und wieder verschwunden ist, erscheinen sie an mehreren Orten der Erde, jetzt auch in Sulzbach in Hessen, auf der britischen Isle of Wight, in den Niederlanden, Spanien, Belgien und den USA.

Der Monolith von Sulzbach stand am Rande eines Ackers in der Nähe eines großen Einkaufszentrums, wie Fotos zeigten. Die mehr als drei Meter große Säule war am Samstag von Spaziergängern entdeckt worden, „die Herkunft können wir uns nicht erklären“, sagte ein Sprecher der Gemeinde. Der Landwirt, dem der Acker gehört, habe versichert, er habe damit nichts zu tun.

Seit Dienstagabend ist dieser Monolith allerdings schon wieder Geschichte; Unbekannte zerstörten ihn, wie ein Sprecher der Gemeinde am Mittwoch berichtete. „Die Mitarbeiter des Bauhofs haben die Trümmer abgeholt, sodass keine Gefahr für Fußgänger ausgeht.“ Er habe den Eindruck, dass es sich nicht um hochwertiges Material handelt.

Ohnehin sollte die Säule nicht stehen bleiben, wie die Gemeinde schon zuvor angekündigt hatte. Der Monolith war von Unbekannten schon einmal wieder aufgerichtet worden, nachdem er umgestürzt war. Es gebe nun Hinweise, dass am Dienstagabend womöglich eine Person gehandelt habe, um eine mögliche Gefahr abzuwenden, so der Sprecher.

Nur ein PR-Gag

Bewohner der Isle of Wight haben das schlanke, verspiegelte Gebilde beim Strandspaziergang auf der Westseite der Insel entdeckt, berichten britische Medien. Unter anderem von Alexia Fishwick. Sie sagte der Nachrichtenagentur PA, Bekannte hätten ihre Fotos des „wirklich ziemlich magischen“ Monolithen erst für eine Photoshop-Collage gehalten. Der Inselbewohner DJ Rob da Bank schrieb auf Twitter: „Ich bin mir nicht sicher, ob es sich um Aliens, einen Coldplay-PR-Gag oder einen lokalen Spiegelhändler handelt, der seine Geschäfte ankurbeln will. Aber es hat uns alle zum Strand gelockt.“

Die Auflösung: Es war ein PR-Gag. Zu dem Monolithen auf der Isle of Wight hat sich ein 29-jähriger lokaler Designer bekannt, der von dem internationalen Echo überwältigt worden war. „Wenn die Aliens auf die Erde kommen würden“, sagte er der BBC, „würden sie sicher an den sichersten Ort kommen das ist die Isle of Wight mit der niedrigsten Corona-Warnstufe“.

Im Naturgebiet De Kiekenberg bei Oudehorne in der nördlichen niederländischen Provinz Friesland haben Spaziergänger am Sonntagmorgen einen Monolithen entdeckt. Am Abend war er wieder weg. Wer ihn hingestellt und wieder abgeholt hat? Anwohner und Behörden sind überfragt.

Im spanischen Örtchen Ayllón, etwa 90 Kilometer nordwestlich von Madrid, haben Anwohner ebenfalls eine Metallsäule entdeckt. Bürgermeisterin María Jesús Sanz vermutet jedoch den Scherz eines Nachbarn dahinter. Das in den Ruinen einer Kirche aufgestellte Blechgebilde sei recht dürftig und schon mehrmals vom Wind umgeweht worden. Auch eine angeblich von der Gemeinde stammende Mitteilung, es seien bereits „hunderte Schaulustige“ gekommen und man solle der Säule wegen ihres „mysteriösen Ursprungs“ besser fernbleiben, sei gefälscht, hieß es. Bisher seien nur fünf Nachbarn vorbeigekommen und in Gelächter ausgebrochen.

Auch auf einem Kartoffelacker im belgischen Dendermonde in Ostflandern ist Medienberichten zufolge eine Metallsäule gesehen worden.

Beobachter vermuten, einige der jüngsten Monolithen seien Installationen von Künstlern oder eine Hommage an den Science-Fiction-Film „2001: Odyssee im Weltraum“. So waren in einen Monolithen, der in auf dem Hügel Batca Doamnei bei Piatra Neamt stand, kreisförmige Zeichen eingraviert. Dann verschwand das Objekt in der Nacht zum 1. Dezember. Die Nacht gilt im rumänischen Volksglauben als magisch.

Für den ursprünglichen Monolithen in Utah und den in Kalifornien will ein Künstlerkollektiv namens „The Most Famous Artist“ verantwortlich sein. Die anderen könnten Nachahmer-Stücke sein.

Der Ursprung einer Stele in Pittsburgh ist geklärt: Die Betreiber eines Süßwarenladens hatten sie vor ihrem Geschäft aufgestellt, um in der Corona-Pandemie für die Unterstützung kleiner Läden zu werben. dpa

Ein PR-Gag eines Designers, wie sich rasch herausstellte: der Monolith am Compton Beach auf der Isle of Wight. Foto: David Lowe/PA Media/dpa

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Erstellt:
10. Dezember 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
10. Dezember 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2020, 06:00 Uhr

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