Bott Hydraulik Mössingen

Mit feinem Gespür

Bott Hydraulikgibt es in diesem Jahr seit 50 Jahren. Der Mössinger Spezialist für passgenaue und sehr individuelle Hydrauliklösungen ist fest in Familienhand. Mit lokaler Produktion versorgt das Unternehmen viele unterschiedliche Branchen und freut sich besonders über knifflige Aufgabenstellungen.

20.12.2022

Von Simone Maier

Fotos: Unternehmen

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Alles begann in einer Garage. Es war zwar nicht die weltweit bekannte in Los Altos, Kalifornien, nein, es war vier Jahre früher, nämlich 1972 in Mössingen. Der damals 25-jährige Industriemechanikermeister Wolfgang Bott wollte sich ursprünglich lediglich der Konstruktion von Teilen widmen. Doch merkte er bald, dass ihm alles nicht schnell genug ging und fertigte kurzerhand auch selbst. Auf dem Weg in die Selbstständigkeit griff dem jungen Wolfgang Bott damals ein Mössinger Werkzeugfabrikant unter die Arme. Als dieser 1994 aufhörte, übernahm Bott dessen Betrieb. Mit „null Mark Eigenkapital“ habe er damals das letzte verfügbare, städtische Gewerbegrundstück in der Maybachstraße erworben und sich für einen Neubau entschieden. Als Letzte hätten sie gekauft, als Erste seien sie eingezogen, erinnert sich der Senior. Und schon damals war er findig: Als Büro auf der Baustelle diente eine gebrauchte Baracke, die er kurzerhand in Einzelteile zerlegte und diese dann in einem ausgeliehenen Opel Blitz von Stuttgart nach Mössingen chauffierte.

Kaum zu glauben, wenn man heute durch die Bott‘schen Firmenhallen geht. Seit 2001 ist der Sohn des Firmengründers, Nico D. Bott, in der Firma. Ebenso wie sein Schwager Steffen Zürger, von Haus aus Jurist. Beide sind geschäftsführende Gesellschafter. Bott hat an der Fachhochschule in Esslingen Maschinenbau studiert und anschließend seine Diplomarbeit in Paris geschrieben bevor er direkt nach dem Studium in den väterlichen Betrieb eingestiegen ist. „Es gab damals einfach Bedarf und so fing ich direkt nach dem Studium im Vertrieb an“, erinnert sich der heute 46-Jährige. In der Schule träumte er noch davon, einmal Politiker zu werden. Heute ist er ziemlich froh, dass er sich für einen anderen Weg entschieden hat.

Eine tragende Säule im Betrieb war von Anfang an auch Mutter Margitta Bott. „Sie hat den Laden eigentlich geschmissen“, lacht Bott. „Und hat so manchen Mann in die Tasche gesteckt.“ Rückblickend ist der Junior-Chef schwer beeindruckt, wie sie damals den Spagat zwischen Unternehmen und Familie schaffte.

Als Spezialist für Hydraulik hat das Unternehmen sich in den letzten 50 Jahren einen Namen gemacht. „Unsere Ingenieure liefern die Idee, das Design, den Prototypen und letztlich die vom Kunden gewünschte hydraulische Sonderkonstruktion bis zur Serienreife“, so Bott. Das alles entsteht in der Maybachstraße in Mössingen. 70 Mitarbeiter sind hier anzutreffen, inklusive zehn Azubis. Ein fester Bestandteil ist auch immer ein Studierender von der DHBW in Horb.

So seien schließlich alle Ingenieurinnen und Ingenieure der Konstruktionsabteilung zur Firma gekommen, erzählt Bott. Weitere 20 Mitarbeiter arbeiten im zweiten Firmensitz in Rosenheim. 2006 konnte der dortige Zulieferer für Vorkammergasventile erworben werden und ist heute fester Bestandteil des Unternehmens. Die Rosenheimer seien auch schon im idyllischen Tübingen gewesen und hätten eine Stadtführung samt schwäbischem Essen genossen, so Bott.

Treue Kunden sind der Schlüssel zum Erfolg der Firma. Für diese fertigen sie maßgeschneiderte Hydraulikaggregate für riesige Raupenbagger, Schwerkraftventile, die helfen, Felder zu pflügen, oder hydropneumatische Partikelfiltersysteme, die dafür sorgen, dass Ozeanriesen auf Kurs bleiben – das sind nur Auszüge aus den meist einzigartigen Produkten, die Bott für den Maschinen und Fahrzeugbau entwickelt.

„Immer wieder wird mir klar, wie wichtig es ist, dem Kunden gut zuzuhören“, so Bott. Man müsse sich einfach Zeit nehmen. Zeit, sich das Problem zeigen zu lassen. Dann Zeit, sich in Ruhe was Neues zu überlegen. So entstünden dann die Prototypen, die es meistens bis zur Serienreife schafften.

Es ging nicht immer steil bergauf bei Bott. Corona hat auch ihnen zugesetzt – die Lieferketten kamen ins Stocken. Schreckmomente gab es auch im Laufe der letzten Jahre immer mal wieder. So war der beste Kunde in einem Jahr einfach mal weg. Sie wurden quasi rausgeschmissen als Lieferant. Nach einem Jahr aber wieder geholt und dann haben sie kurz darauf sogar vom gleichen Kunden einen Preis in einer der Kategorien für den besten Lieferanten erhalten. „Komplett unverhofft erklang plötzlich unser Name bei diesem Lieferantentag in der Messehalle in Innsbruck“, lacht Bott. „Alles war in Englisch und ich hab ehrlich gesagt eh nur die Hälfte verstanden, als plötzlich unser Name genannt wurde.“ Gefeiert wurde trotzdem oder gerade deshalb im Anschluss in der Dependence in Rosenheim.

„Wir brennen für neue Entwicklungen“, sagt Bott. Er selbst ist mit viel Leidenschaft dabei. Das merkt man spätestens beim Gang durch die Hallen, wenn er wahrlich jedes kleinste Gewinde und die dazugehörende Maschine bis ins Detail erklären kann. Die „Werker“, wie er sie nennt, kennen ihn zum Teil noch als kleinen Bub, wie er damals mit dem Vater durch die Hallen lief. Im Zweischicht-Betrieb wird in Mössingen gearbeitet. Viele der Mitarbeitenden sind schon sehr lange im Betrieb. Von einigen ist es bereits die zweite Generation der Familie, die bei Bott arbeitet. „Wir haben flache Hierarchien und immer ein offenes Ohr für die Belange der Mitarbeiter“, so Bott. Er habe nie ein Akzeptanzproblem in der Firma gehabt. Glaubt man ihm aufs Wort. Das feine Gespür für seine Belegschaft spürt man. Und es ist ihm auch sehr wichtig. Er sieht es als eine seiner Hauptaufgaben, seine Leute zu beruhigen, wenn sie ihm von ihren Zukunftsängsten erzählen, denn er weiß, dass sie „hochmotiviert“ sind. Und: Er kennt jeden einzelnen mit Namen. Das macht halt den kleinen feinen Unterschied.

Mit feinem Gespür

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Erstellt:
20.12.2022, 13:25 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 45sec
zuletzt aktualisiert: 20.12.2022, 13:25 Uhr

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