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Interview zu sozialen Standards in der Filmproduktion

„Manchmal reichen die Löhne hinten und vorne nicht“

Die Filmförderung im Land will mehr auf die Einhaltung sozialer Standards achten. Wie das geht, erklärt Geschäftsführer Carl Bergengruen.

05.04.2018
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Stuttgart. Filmstars verdienen gutes Geld. Regisseure großer Produktionen ebenso. Aber was ist mit den vielen selbstständig tätigen Menschen in der Filmbranche, die hier und da einen Job haben und damit über die Runden kommen müssen? Tatsächlich sind Produktionen, bei denen Filmschaffende nicht ausreichend bezahlt werden, ein verbreitetes Phänomen. Als erste Filmförderung in Deutschland verlangt nun die MFG Baden-Württemberg, dass Angaben zur sozialen Nachhaltigkeit der geplanten Filmprojekte gemacht werden müssen. Das tut Not, sagt MFG-Geschäftsführer Carl Bergengruen.

Faire Bezahlung ist in der Filmbranche ein prekäres Thema. Wie nehmen Sie die soziale Situation Filmschaffender in Deutschland wahr?

Carl Bergengruen: Ganz unterschiedlich. Es gibt nicht wenige, die sehr gut verdienen, zum Beispiel bei Serien-Produktionen, die ja oft gut ausgestattet sind. Bei anderen Filmprojekten, etwa bei den oft unterfinanzierten Nachwuchsproduktionen, reichen die Löhne manchmal hinten und vorne nicht.

Die MFG hat nun die Einhaltung sozialer Standards in die Richtlinien aufgenommen. Das bedeutet konkret?

Ganz konkret heißt es, dass in den Antragsunterlagen zukünftig auch stehen muss, ob die Mitarbeiter nach Tarif bezahlt werden, oder ob sonstige soziale Standards wie zum Beispiel Arbeitszeiten eingehalten werden.

Wie wird man das kontrollieren?

Wir sind nicht die Polizei und veranstalten keine Razzien. Aber wir sind als Förderer nahe dran an den Produktionen, dadurch bekommen wir viel mit. Da wird, meine ich, niemand so leicht im Antrag große Versprechungen machen, die er später beim Dreh gar nicht einhalten will.

Die Jury kann künftig Filmvorhaben ablehnen, wenn deren Realisierung nur unter prekären Bedingungen für die Beschäftigten möglich ist. Können soziale Standards nur mit Druck durchgesetzt werden?

Ich halte es für wichtig, dass eine Filmförderung eine klare Haltung pro soziale Nachhaltigkeit formuliert und diese sich auch in ihren Förderentscheidungen widerspiegelt. Sie müssen sehen, dass bei Filmproduktionen ein kontinuierlicher interner Verteilungskampf herrscht, weil die Etats fast immer kleiner sind als die Ambitionen. Wenn bei Filmproduktionen Geld im Überfluss da wäre, wäre es auch mit den sozialen Standards leichter.

Gerade im Low-Budget-Bereich ist Selbstausbeutung von Kreativen die Regel. Was bedeuten die neuen Richtlinien für Produzenten, die eh wenig Geld zur Verfügung haben?

Dass vielleicht der ein oder andere unterfinanzierte Film, wo die Löhne kaum zum Leben reichen, nicht gemacht werden kann. Unsere Jury hat aber auch die Möglichkeit, Nachwuchsfilme, die mit großem Engagement aller Beteiligten zustande kommen, selbst dann zu fördern, wenn Teile der Crew auf ihre Gage verzichten. Wir gehen da einen Mittelweg.

Besteht nicht die Gefahr, dass Produzenten sich nach anderen Fördertöpfen umschauen, die nicht auf soziale Standards achten?

Wenn überhaupt, dann dürfte das höchstens in Einzelfällen vorkommen. Denn die Entscheidung, bei welcher Förderung sie Fördergelder beantragen, hängt in allererster Linie davon ab, in welchem Bundesland sie drehen wollen. Denn nur dort können Sie als Produzent Geld bekommen.

Könnte es ein Modellversuch für andere Filmförderungen werden?

Dazu ist es viel zu früh. Wir können frühestens in ein, zwei Jahren eine erste Zwischenbilanz ziehen. Dann werden wir genau und selbstkritisch analysieren, was wir mit unserem neuen Kriterium tatsächlich bewirkt haben.

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05.04.2018, 06:00 Uhr
„Manchmal reichen die Löhne hinten und vorne nicht“





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