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Lebensmittelkontrolleure legen Jahresbericht vor

Krabbeltiere am Flaschenhals, Schimmel in der Thunfischdose

In Betrieben im Kreis Tübingen wurden 2017 bei 41 Prozent der Kontrollen Verstöße festgestellt. Das zuständige Amt stellt einige Fälle vor.

17.04.2018
  • Moritz Hagemann
Krabbeltiere am Flaschenhals, Schimmel in der Thunfischdose Zu warme Leberkäsweckle, eine verschmutzte Fritteuse, verschimmelter Thunfisch, eklige Pommes und ein Flaschenhals, an dem sich winzige Tierchen versammelt haben. Eine Auswahl dessen, was das Landratsamt im Kreis gefunden hat. Bilder: Landratsamt

Das Tübinger Landratsamt hat am Montag seinen Lebensmittelbericht für das Jahr 2017 veröffentlicht: Bei 3141 Kontrollen in den Betrieben wurden in 41 Prozent der Fälle Verstöße gegen das Lebensmittelrecht festgestellt. „Wir bewegen uns damit im Mittel des Landes“, sagt Herbert Kemmer, Sachgebietsleiter des Tübinger Landratsamtes, auf TAGBLATT-Nachfrage. Etwa 32 Prozent der Betriebe waren von einer Überwachung betroffen. Das, so Kemmer, entspreche dem Auftrag, jeden Betrieb etwa alle drei Jahre zu kontrollieren. Das Ergebnis aus dem Vorjahr: 3 Verwarnungsgelder, 68 Bußgeldverfahren sowie 3 Strafverfahren. Somit zogen 2 Prozent der Kontrollen Konsequenzen nach sich.

Ein Restaurant begrüßte die Kontrolleure mit der Aussage, dass der Zeitpunkt sehr ungelegen käme. Was sie fanden, hatte eine vorübergehende Schließung zur Folge: ein verschimmelter Gyrosspieß auf dem Fußboden, weiterer Schimmel in einer Thunfischdose, in Speckwürfeln, Spätzle oder an der Zapfanlage. Immerhin: Vor der Wiedereröffnung war alles bereinigt. Ein Strafverfahren gab’s trotzdem.

Eine andere Gaststätte offenbarte eine extremst verschmutze Fritteuse und dazu Pommes, die bereits dunkle, glasige Stellen hatten. Auch verdorbene Blutwürste wurden dort gefunden. Für zwei Küchenbeschäftigte hatte dies ein Bußgeld zur Folge. Aber: „Die negativen Beispiele fallen nicht aus dem Rahmen“, urteilt Kemmer.

So musste in einem weiteren Restaurant die Spülmaschine sofort außer Betrieb genommen werden, sie war innen voller Schimmel. In einem asiatischen Lokal war die Schöpfkelle so verunreinigt, dass sie sofort entsorgt werden musste. Für die betroffenen Betriebe gilt, dass sie künftig mit kürzeren Kontrollintervallen rechnen müssen. „Das kann dann sogar mehrmals im Jahr passieren“, sagt Kemmer. In den dargestellten Fällen waren die Beanstandungen bei Nachkontrollen aber behoben.

Spinnennetze in Brotmaschine

In einer Bäckerei sorgte die Brotschneidemaschine für Ärger. Sie war äußerlich, aber nicht von innen gereinigt worden und beherbergte eine massive Verschmutzung durch Spinnennetze, Mehl und Krümelreste. Die Maschine wurde komplett ausgetauscht.

Über eine Verbraucherbeschwerde konnte eine weitere Bäckerei belangt werden, deren Fleischkäse im Laugenbrötchen 14 Grad warm war. „Die Temperatur sollte nie über 7 Grad liegen“, sagt Kemmer. „Höchstens bei Käse, da kann es mal bis zu 10 Grad gehen.“ Auch der Kartoffelsalat aus einer anderen Kühltheke war mit 13,4 Grad nicht gerade optimal temperiert. Die defekten Kühltheken seien der Bezirksleitung des Betriebes bekannt gewesen. Alleine: Sie hatte nichts dagegen unternommen.

Mehrere Fleischstücke, die zur Hackfleischproduktion verwendet werden sollten, befanden sich auf dem Boden einer Metzgerei. Dort seien sie offensichtlich über einen längeren Zeitraum gelegen, weil sie angeschimmelt und stark vertrocknet waren. In zwei Supermärkten wurden Proben einer Walnuss-Salami entnommen, nachdem in einer Salami ein blaues Kunststoffteil entdeckt wurde. Dies sollte jedoch ein Einzelfall bleiben.

Kurios war eine Verbraucherbeschwerde: So hatten sich in Mineralwasserflaschen zwischen dem Schraubverschluss und der Öffnung kleine Fransenflügler angesammelt. „Die Tiere waren so klein und filigran, dass sie kaum mit dem bloßen Augen zu erkennen waren“, heißt es im Bericht. Im Markt, in dem die Flaschen gekauft worden sind, war jede zweite Flasche der Marke des betroffenen Herstellers auffällig. Der Grund: Während der Warenanlieferung war es schwülwarm, was die Tiere in großer Zahl hervorlockt. Die Ware ging zurück, die Mitarbeiter führen künftig selbst Kontrollen durch.

Für Kemmer war 2017 insgesamt „kein besonders auffälliges Jahr“. Die Größenordnung der Vergehen liege auf dem Niveau der Vorjahre. 2016 lagen noch bei 43 Prozent der Kontrollen Verstöße vor. Kemmer sagt: „Wir sind gerne bereit, die Leute auch vor Eröffnung der Betriebe zu beraten.“

Ziegenmilch als Überträger

Hauptsächlich durch einen Zeckenbiss wird die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) auf Menschen übertragen. Im Frühjahr 2017 gab es im Kreis Tübingen 13 Fälle der Gehirn- und Hirnhaut-Erkrankung. Alleine: Keine der Personen hatte einen Zeckenbiss festgestellt. Alle aber Ziegenrohmilch aus demselben Ziegenbestand konsumiert. Blut- und Milchproben der Ziegen und des im Betrieb hergestellten Käses sollten Aufschluss bringen. Zwar konnte aufgrund der zeitlichen Differenz in der Milch kein Nachweis mehr gefunden werden, dafür aber ein Antikörper im Blut einer Milchziege. Das Strafverfahren ist eingestellt worden und „es gibt bei keiner betroffenen Person nachhaltige Schäden“, sagt Herbert Kemmer vom Tübinger Landratsamt. Das rät, das Infektionsrisiko durch den Konsum von roher Milch zu verringern, in dem die Milch vor Verzehr ausreichend erhitzt wird. Kemmer geht davon aus, dass die Menschen von den Ziegen infiziert wurden.

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17.04.2018, 01:00 Uhr
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