Tübingen/Konstanz

Kiloweise Drogen: Geknackte Chats führen zu Anklage gegen Trio

Wegen Drogenhandels im größeren Stil in Tübingen sollen zwei Männer und eine Frau vor Gericht.

01.12.2021

Von job

Zwei der Angeschuldigten sitzen in Untersuchungshaft. Bild: Lisa Fischer

Kokain, Marihuana, Haschisch und Amphetamin kiloweise – zwei Männer und eine Frau sollen im größeren Stil in der Region Tübingen und im Raum Konstanz mit Drogen gehandelt haben. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft Tübingen Anklage wegen bandenmäßigen unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge beim Tübinger Landgericht erhoben.

Kiloweise Drogen aller Art

Wie sie nun mitteilt, erging die bereits am 15. November. Das Trio soll spätestens im Frühjahr 2020 mit weiteren Beteiligten beschlossen haben, den Drogenhandel professionell aufzuziehen. Von Anfang April bis Mitte Oktober 2020 sollen die drei mit einer weiteren Person in acht Fällen mit insgesamt etwa 75 Kilogramm Marihuana, 10 Kilogramm Haschisch, 14 Kilogramm Amphetaminen und 750 Gramm Kokain Handel getrieben haben. Damit handelt es sich von den Mengen her um eines der größten Rauschgiftermittlungsverfahren in der Region der letzten Jahre.

Die Betäubungsmittel sollen die Angeschuldigten überwiegend bei Freiburg erworben und in und um Tübingen und Konstanz an andere Dealer weiterverkauft haben. Dabei sollen sie ordentlich Gewinn gemacht haben. Im Umfeld der Beschuldigten waren kaum Drogen, aber eine größere Summe Bargeld gefunden worden. Es könnte nach Ansicht der Ermittler in Teilen aus dem Drogenhandel stammen. Deshalb hat die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage auch die Einziehung von Taterträgen in einer Höhe von 346 750 Euro beantragt.

Die Spur kam über Europol

Auf die Spur waren die Ermittler den mutmaßlichen Dealern über die genutzten Krypto-Handys gekommen. Die Firma „EncroChat“ hatte abhörsichere Ende-zu-Ende verschlüsselte Kommunikationsnetzwerke und Endgeräte verkauft. Da vor allem Mitglieder der organisierten Kriminalität das Angebot nutzten, leitete Europol zwischen März und Juni 2020 Ermittlungsverfahren gegen das Netzwerk ein. Dies führt letztlich dazu, dass EncroChat den Geschäftsbetrieb einstellen musste – und Tausende verschlüsselte Chats nicht mehr geheim, sondern Anlass für Ermittlungsverfahren waren. „Im Zusammenhang mit diesem Verfahren ermitteln wir in weiteren Fällen“, sagt Staatsanwaltschafts-Sprecher Nicolaus Wegele.

Die angeklagte Frau hat die Taten laut Staatsanwaltschaft im Wesentlichen eingeräumt. Die beiden angeklagten Männer haben sich bisher nicht zu den Tatvorwürfen eingelassen. Während der Haftbefehl gegen die Frau außer Vollzug gesetzt wurde, befinden sich die beiden Männer nach wie vor in Untersuchungshaft. Einer stammt wie die Frau aus der Bodenseegegend, der andere aus Tübingen. Die Ermittlungen gegen weitere Tatbeteiligte dauern an.

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Erstellt:
1. Dezember 2021, 11:34 Uhr
Aktualisiert:
1. Dezember 2021, 11:34 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. Dezember 2021, 11:34 Uhr

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