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Der Neurocampus ist komplett

Johanna Wanka eröffnete gestern das neue DZNE-Hirnforschungszentrum

Ein markanter Neubau wurde gestern Nachmittag auf dem Schnarrenberg eröffnet. Er ist der Schlussstein des „Neurocampus“. Im neuen Gebäude werden Erkrankungen des Nervensystems, wie Alzheimer und Parkinson, erforscht. Wie groß die Hoffnung auf die Entwicklung von Therapien ist und wie bereitwillig die Forschung gefördert wurde, das bekräftigte gestern ein stattliches Aufgebot an Gästen aus Politik und Forschung.

28.01.2016

Von Ulla Steuernagel

Das neue achtstöckige Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) auf dem Schnarrenberg fällt durch seine Blechlamellen mit fröhlich eingefärbten Kanten auf. Es überragt die Nachbarinstitute, als hätte man einen der langgestreckten Riegel hochkant gestellt. Den inneren und dunklen Kern der verschiedenen Stockwerke bilden Service- und Technikräume. Drumherum, entlang der großen Glasfenster, verteilen sich die Labor-, Büroräume und diverse Treffs. Auf der zweiten Ebene gibt es auch eine großzügigere Begegnungszone, in der Mitarbeiter/innen der drei Forschungseinrichtungen zusammenkommen können. Bilder: Sommer

Tübingen. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka und auch ihre baden-württembergische Kollegin Theresia Bauer waren eigens zur Eröffnung des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) nach Tübingen gekommen. Viele der rund hundert Eröffnungsgäste wurden namentlich begrüßt. Noch länger als diese Liste war das Loblied auf den Wissenschaftsstandort Tübingen, der insbesondere auf dem Gebiet der Neurowissenschaft einen der internationalen Spitzenplätze belegt. Peter Hofelich, Staatssekretär im baden-württembergischen Finanzministerium pries die „nahezu einzigartige Bündelung“, die hier am östlichen Rand des Schnarrenbergs die Hirnforscher des Hertie-Instituts, des CIN (Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften) und des DZNE zusammenführt.

Tübingen sei mit seinen vier Gesundheitsforschungszentren einzigartig und privilegiert, damit hob Ministerin Wanka die lokale Besonderheit auch als Folge einer konsequenten Förderpolitik des Bundes hervor. Den Anfang der vom Bund geförderten Zentren machte 2009 das DZNE. Mittlerweile hat es bundesweit neun Standorte. In Forschungsnetzwerken und -zentren könne man „Volkskrankheiten wie den neurodegenerativen Erkrankungen“ besser begegnen, so die Ministerin. „Es gibt wenige Bereiche in den Wissenschaft, auf denen so viele Erwartungen ruhen“, sagte die habilitierte Mathematikerin. Die Politik habe die Aufgabe, die Rahmenbedingungen für die Spitzenforschung zu schaffen. In dieser Hinsicht sei man in Deutschland den USA weit überlegen, so die CDU-Politikerin. Dort nämlich durchkreuze die Konkurrenz der Forscher ihre Kooperation und Interdisziplinarität. Der Vorsitzende des DZNE, Pierluigi Nicotera, bestätigte ebenfalls die Bedeutung dieser Kooperation und nannte sie „weltweit einzigartig“.

Mit dem Eisbär

die Herzen erreichen

Wie viel die Exzellenzinitiative des Bundes den deutschen Universitäten gebracht hat, darüber wird am morgigen Freitag eine Gutachter-Kommission ihre Bilanz ziehen. Wanka prognostizierte: „Es geht auf jeden Fall weiter!“ Unirektor Bernd Engler zeigte sich in seiner Begrüßungsrede sehr einig damit: „Die Exzellenzinitiative war ein Segen für die deutsche Forschungslandschaft!“ Die Tübinger Niederlage im Wettbewerb um den Prädikatstitel im Jahr 2006 bezeichnete er als segensreichen „Weckruf“.

Wie wichtig es sei, mit Forschung „auch die Herzen der Menschen“ zu erreichen, darauf machte die baden-würtembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) am Beispiel des Eisbärs Knut aufmerksam. Das DZNE habe herausgefunden, dass Knut aufgrund einer Autoimmunkrankheit im Bassin des Berliner Zoos ertrank. Nicht die wichtigste Erkenntnis der Forscher, aber eine die ihrer Popularität diente.

Tübingen biete der Forschung ein „hervorragendes Umfeld“, so Bauer. Mittlerweile habe man die Vorteile eines Campus begriffen. „Man braucht den direkten Augenkontakt, man muss sich in der Cafeteria über die Füße laufen.“ Bauer selber zeigte sich auch zum Plaudern bereit. Sie tat das offizielle Okay für die neuen Studienangebote im Bereich Pflege kund: In der Geburtshilfe und in der Pflege kann Tübingen ab 2017 eine akademische Ausbildung anbieten.

Als einen „Leuchtturm“ hatten seine Vorredner/innen das DZNE bezeichnet. Dieser Begriff missfiel Oberbürgermeister Boris Palmer. Als Schwabe sei ihm der Gedanke suspekt, hier müssten Schiffe gewarnt werden. Die Stadt zeige „Willkommenskultur“ und begrüße die internationalen Spitzenforscher sehr. Unterstützt, so der OB weiter, habe man das Institut, indem man über das Bauverbot, mit dem das Terrain belegt war, hinweggesehen und indem man „auf die 120 000 Euro Baugebühren verzichtet“ habe. Dazu, so gab er jedoch grinsend zu, sei die Stadt ohnehin gesetzlich verpflichtet.

Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (links) und die Bundesforschungsministerin Johanna Wanka waren beide zur Eröffnung des neuen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) gekommen.

Rund 16 Millionen Euro kostete der Bau

Im November 2012 war Baubeginn des Deutschen Zentrums für Degenerative Erkrankungen (DZNE). Seit März 2015 ist das achtstöckige Gebäude bezugsfertig, das vom Münchner Architekturbüro Nickl & Partner entworfen und geplant wurde. Knapp 16 Millionen Euro kostete der Bau, in dem, wenn alle Labore und Arbeitsplätze bezogen sind, 150 Mitarbeiter/innen beschäftigt sind. Die Baukosten werden vom DZNE, der Medizinischen Fakultät der Universität und vom Universitätsklinikum Tübingen geteilt, Bauherr ist das Land Baden-Württemberg. Das DZNE hat ein Dauernutzungsrecht. Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg stellte für die Planungskosten und die Erstausstattung insgesamt 3,25 Millionen Euro zur Verfügung.

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Erstellt:
28. Januar 2016, 07:03 Uhr
Aktualisiert:
28. Januar 2016, 07:03 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2016, 07:03 Uhr

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