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Schwere Beine ab der vierten Hürde

Jackie Baumann ist enttäuscht über ihr Olympia-Debüt / Trotzdem die Zeit in Rio genossen

Isabelle Baumann wusste es schon vorher: „Das Halbfinale in Rio ist illusorisch.“ Dass ihre Tochter im zweiten Vorlauf über 400 Meter Hürden mit 59,03 fast drei Sekunden hinter ihrer Bestzeit ins Ziel einlaufen würde, damit hatte auch die Mutter und Trainerin nicht gerechnet. Die Tübingerin Jackie Baumann hatte nach dem Rennen noch keine Erklärung fürs schwache Resultat: „Eigentlich habe ich mich vor dem Rennen richtig gut gefühlt.“

16.08.2016
  • bernhard schmidt

Rio de Janeiro / Tübingen. Zuerst rang Jackie Baumann nach dem zweiten Vorlauf in der Mixed Zone nach Luft, dann nach den richtigen Worten. In der ihr eigenen offenen Art kam ihr auch gleich zwei Mal locker das höchst gebräuchliche Wort aus der Fäkalsprache über die Lippen. „Das lief wieder so scheiße wie schon in Amsterdam, deshalb nervt es umso mehr“, schimpfte sie, Bezug nehmend auf ihr Ausscheiden bei der Europameisterschaft. „Der Wettkampf war scheiße“, gab sie wenig später zum Besten, relativierte aber umgehend: „Sonst aber war alles cool hier.“

Fünf Konkurrentinnen zogen im Vorlauf vorbei

Vor den vier Vorläufen ging über dem Maracanã-Stadion ein Platzregen nieder, der die Starts verzögerte. Sie glaube jedoch nicht, sagte Baumann nach dem Zieldurchlauf, dass die nasse Bahn oder die Startverzögerung ihre Leistung beeinflusst habe. Früh im Rennen habe sie erkennen müssen, dass es nicht so laufen würde, wie sie sich das im Vorfeld immer wieder ausgemalt hatte: „Ich hätte eigentlich an der vierten Hürde schon stehen bleiben können.“

Auch in Bestform wäre Baumann gegen die starken Vorlauf-Konkurrentinnen wohl chancenlos gewesen. Zwar kam keine Läuferin unter 56 Sekunden, doch um die drei Ersten, die sich fürs Semi-Finlae qualifizierten, zu unterbieten – die Polin Joana Linkewicz (56,07) die Jamaikanerin Janieve Russell (56,13) oder die Puerto-Ricanerin Grace Claxton (56,40 Sekunden) – hätte die Tübinger Lehramtskandidatin schon nahe an ihre persönliche Bestzeit von 56,19 Sekunden ranlaufen müssen. Auf der bezüglich Radius und Übersicht günstigen Bahn vier gestartet, musste die LAV-Top-Athletin fünf Konkurrentinnen ziehen lassen, nur die beiden Außenseiterinnen Drita Islami (Mazedonien) und Chanise Chase (Kanada) konnte sie distanzieren. Am Start waren fast durchweg Läuferinnen, die, so hatte die Mutter und Trainerin Isabelle Baumann schon im Vorfeld gesagt, „einfach eine Entwicklungsstufe weiter sind als Jackie“.

Viel mitgenommen trotz des schwachen Auftritts

Die Tochter räumte nach dem Rennen auch gleich selbstkritisch ein: „Ich habe eigentlich ein anderes Niveau als das, was ich heute gezeigt habe.“ Ansonsten aber hatte sich die junge Tübingerin weitgehend an das gehalten, was ihr die Eltern mit auf den Weg nach Rio gegeben hatten: „Lass dich nicht verrückt machen, genieß es einfach!“ So habe sie trotz des vorzeitigen Ausscheidens viel mitgenommen. „Es war ein Hammer-Erlebnis“, gab Baumann in der Mixed Zone zum Besten. Und sie widerspricht der öffentlich diskutierten Meinung von den angeblich untragbaren Zuständen in Rio. „Hier im olympischen Dorf ist alles so cool. Und wer Hunger hat, kriegt immer was zu essen. Was will man mehr als Athlet? Es war ja klar, dass man 13 000 Athleten nicht in ein Vier-Sterne-Hotel packen kann.“

Der Tübingerin, die unmittelbar nach der Heimreise ihren 21. Geburtstag feiern wird, stehen noch genug sportliche Highlights bevor. Es bleibt ihr außerdem der Trost, dass sie sich in dieser sich dem Ende zuneigenden Saison gewaltig gesteigert hat. „Immerhin habe ich die Norm für Rio gepackt“, ruft sie in Erinnerung.

Klar ist ihr allerdings auch, dass sie nach einer starken ersten und einer schwächeren zweiten Saisonhälfte etwas ändern muss, vor allem bei internationalen Auftritten. „Damit es nicht immer so rauf und runter geht, müssen wir an der Konstanz arbeiten.“ Trotzdem habe sie die Zeit in Rio genossen. Papa Dieter Baumann, 1992 Olympiasieger über 5000 Meter in Barcelona, habe zugeben, ganz schön neidisch auf seine Tochter zu sein.

Trost von der Mutter und Trainerin

Klar, Mutter und Vater ließen sich die ZDF-Liveübertragung um 3.30 Uhr in der Nacht von Montag auf Dienstag natürlich nicht entgehen. Jackie Baumanns Mutter und Trainerin Isabelle Baumann litt mit, war ähnlich enttäuscht, verschickte umgehend tröstende Whats-App-Worte. „Sie war eigentlich vor dem Start glücklich und zufrieden. Doch man hat’s gleich gesehen: Sie hat das Rennen schon ganz früh abgegeben, die Beine waren offensichtlich bleischwer“, erzählt die einstige Bundestrainerin. EM und Olympia, die beiden schwachen Auftritte bei internationalen Wettkämpfen legen es nahe: „Sie hat noch keine Herangehensweise gefunden, auf solchen Veranstaltungen zu zeigen, was sie eigentlich drauf hat.“ Zu berücksichtigen seien außerdem die hohen Belastungen in dieser Saison mit gleich zwei internationalen Höhepunkten. Normalerweise ist für die junge Hürden-Langsprinterin die Saison schon Mitte Juli vorbei. Auch im Trainingsalltag werde man daraus Schlüsse ziehen müssen. „Da müssen wir vielleicht die Weichen ein bisschen anders stellen, das eine oder andere überdenken“, sagt Isabelle Baumann. In Erinnerung halten müsse man aber auch: „Jackie hat eine Hammer-Saison hinter sich gebracht.“

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16.08.2016, 17:30 Uhr
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