Stuttgart/Tübingen

Intensivstationen am Limit, OPs abgesagt: So ist die Lage in den Kliniken im Land

Immer mehr Menschen müssen auf die Intensivstation. Das hat auch Auswirkungen auf andere Patienten.

05.11.2021

Von David Nau

Ein Covid-Patient liegt auf der Intensivstation des Klinikum Stuttgart: In ganz Baden-Württemberg müssen die Intensivstationen wieder mehr Covid-Patienten versorgen und kommen damit zunehmend ans Limit der Leistungsfähigkeit. Bild: Marijan Murat/dpa

Ein Covid-Patient liegt auf der Intensivstation des Klinikum Stuttgart: In ganz Baden-Württemberg müssen die Intensivstationen wieder mehr Covid-Patienten versorgen und kommen damit zunehmend ans Limit der Leistungsfähigkeit. Bild: Marijan Murat/dpa

Stuttgart/Tübingen. Die Intensivstationen in Baden-Württemberg geraten wegen immer mehr Corona-Patienten unter Druck. „Wir sind am Limit und können im Augenblick keine weiteren Patienten aufnehmen“, sagt Helene Häberle, leitende Oberärztin der Corona-Intensivstation am Uniklinikum Tübingen. Von 28 Patienten würden aktuell 10 wegen Covid-19 künstlich beatmet. „Wenn noch mehr Patienten kommen, können wir die übliche Personalbesetzung nicht mehr garantieren.“ Normalerweise betreut auf der Tübinger Station eine Pflegekraft zwei Patienten, bei weiter steigenden Patientenzahlen wird der Schlüssel abgesenkt.

Weil das Personal dazu bereit sei, habe man das OP-Programm noch nicht herunterfahren müssen, sagt Häberle – man bereite sich aber darauf vor und rechne mit weiter steigenden Patientenzahlen, auch durch Verlegungen aus anderen Krankenhäusern. „Wir bekommen regelmäßig Anfragen, ob wir Patienten übernehmen können, selbst von anderen Unikliniken“, sagt Häberle. Diejenigen Patienten, die dringend eine ECMO-Behandlung, eine Art künstliche Lunge, benötigen, würden aufgenommen. Diese Behandlungsmethode bieten nur große Krankenhäuser an.

Planbare OP verschoben

Aber auch anderswo ist die Lage nicht besser. Nach Angaben des Divi-Intensivregisters konnten im Südwesten nur noch 27 Intensivstationen den regulären Betrieb aufrechterhalten, 67 Stationen meldeten eingeschränkten Betrieb. Am Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart können wegen der hohen Zahl an Covid-Patienten auf der Intensivstation nicht mehr alle Operationen nach Plan vorgenommen werden. „Wir schauen uns jeden Morgen die Kapazitäten an und diskutieren, was wir noch machen können“, sagt Mark Dominik Alscher, der medizinische Geschäftsführer.

Hinzu komme, dass das Personal inzwischen erschöpft und dadurch die Leistungsfähigkeit der Intensivbereiche reduziert sei. „Und bei all dem haben wir keine Maßnahmen, die uns glaubhaft niedrigere Patientenzahlen bringen könnten“, sagt Alscher.

Auch Helene Häberle vom Uniklinikum in Tübingen ist wegen der Stimmung unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern besorgt: „Es überlegen sich immer mehr, ob sie noch in diesem Beruf bleiben wollen.“ Zwar werde immer von Corona-Wellen gesprochen – in den Krankenhäusern sei die Belastung aber nicht so stark gesunken wie die Infektionszahlen. „Zum einen liegen die Patienten bei uns um die drei Wochen, zum anderen wurden im Sommer dann ja die verschobenen Operationen nachgeholt“, erklärt die Oberärztin.

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Erstellt:
05.11.2021, 06:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 04sec
zuletzt aktualisiert: 05.11.2021, 06:00 Uhr

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