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Kein fleckendeckendes Netz

In Tübingens kleinstem Ortsteil Bebenhausen ist das Mobilfunknetz schlecht

Daran stören sich Touristen, aber auch Bewohner. Jetzt könnte sich etwas ändern.

06.04.2018
  • Lorenzo Zimmer

Ein Besuch des geschichtsträchtigen Klosters mit Schloss. Ein deftiges Mittagessen – dazu süßes oder saures Radler –, eine Wanderung am Schönbuchrand. Die Gründe, dem Tübinger Stadtteil Bebenhausen einen Besuch abzustatten, sind vielfältig. Neben den rund 300 Bewohnern des Fleckens kommen deshalb Jahr für Jahr Zehntausende Besucher nach Bebenhausen. Klassische Touristen – von weit her – aber auch Bewohner der Region, die im Naherholungsgebiet des kleinen Orts und um ihn herum nach Zerstreuung suchen.

Laut Janna Almeida, Leiterin der Bebenhäuser Schlossverwaltung, dürften es jedes Jahr über 100000 solcher Besucher sein: „Wir zählen jährlich rund 60000 zahlende Gäste in unserem Museum“, sagt sie auf TAGBLATT-Nachfrage. „Wir gehen davon aus, dass mindestens nochmal so viele kommen, um einfach nur zu flanieren oder spazieren zu gehen.“

Viele dieser Besucher haben ein gemeinsames Problem: Das Mobilfunknetz in Bebenhausen ist seit jeher schlecht. Kunden einiger Handy-Anbieter haben in dem Ortsteil überhaupt kein Netz, bei anderen bricht die Verbindung spätestens dann ab, wenn sie sich tiefer in den Ort hinein begeben. „Es gibt zahlreiche Kunden, die sich zum großen Teil auch sehr regelmäßig bei uns beklagen, dass ihr Handynetz hier nicht funktioniert“, beklagt Almeida. Tagungsgäste, Veranstaltungsbesucher, Tagestouristen: „Sie alle ärgern sich sehr regelmäßig und wir wünschen uns eine Verbesserung“, so Almeida.

Warum die Lage so ist, wie sie ist, lässt sich nicht genau klären. „Bisher war das Argument der Anbieter immer, dass es in Bebenhausen zu wenig Nutzer gibt“, sagt Ortsvorsteher Hansjörg Kurz dem TAGBLATT. Außerdem galt in ganz Tübingen bis Februar eine städtische Satzung, die so genannte elektromagnetische Emissionen minimieren sollte. Sie könnte ein Grund gewesen sein, warum das Signal vom Funkturm auf dem Kirnberg nicht überall ankommt. Der Tübinger Gemeinderat hob diese Satzung inzwischen auf. „Fortan gelten für alle Mobilfunksendeeinrichtungen im Stadtgebiet Tübingen die bundeseinheitlichen gültigen Grenzwerte der Bundesimmisionsschutz-Verordnung“, schrieb die Verwaltung im Beschlussantrag, der bei vier Enthaltungen von Grünen und Linken durchging.

Ist der Weg für besseres Mobilfunknetz in Bebenhausen also frei? „Entscheidend wird sein, ob die Provider das Interesse haben, uns besser zu versorgen“, sagt Kurz. Dies hänge aus seiner Sicht an wirtschaftlichen Überlegungen der Netzbetreiber. Ein Mechanismus, den er nachvollziehen kann: „Da steht die Ökonomie bei denen im Vordergrund – das kann man ihnen ja auch nicht verdenken.“

Und doch wäre flächendeckendes Mobilfunknetz wünschenswert – geht es doch nicht nur um die Bebenhäuser und die Klosterbesucher: „Es kommt noch eine große Zahl an Wanderern hinzu. Da sind auch viele Ältere dabei, die im Ernstfall keinen Notruf absetzen können“, beklagt Kurz.

Er hat bereits mit der Tübinger Stadtverwaltung gesprochen und will jetzt persönlich den Kontakt zu den Mobilfunkanbietern aufnehmen. Die Provider O2 und E-Plus sollen in Bebenhausen bereits eine annehmbare Abdeckung anbieten – anders sei es bei T-Mobile (ehemals D1) und Vodafone (ehemals D2). Das bestätigen auch die Bebenhäuser Bewohner Anke Brucklacher und Klaus Wörner. Wörner ist nach eigener Aussage „zwischen 70 und 80 Jahre alt“ und mit einem alten Nokia-Handy Kunde bei Vodafone: „Da hab‘ ich nicht überall Netz. Selbst zu Hause muss ich oft an die Tür gehen, um welches zu kriegen.“ Brucklacher ist O2-Kundin: „Ich hab überall Netz“, sagt sie.

Für sie ist der Ausbau des Mobilfunknetzes ein zweischneidiges Schwert, wie sie sagt: „Muss denn jeder sein Mittagessen sofort posten können?“, fragt sie. Für sie als Selbstständige könne es auch heilsam sein, mal nicht erreichbar zu sein. Und trotzdem sieht sie die berechtigten Einwände der Touristen. „Einen Notruf absetzen sollte natürlich möglich sein.“ Aus ihrer Sicht sind die Touristen in Bebenhausen auch herzlich willkommen. „Zumindest wenn sie draußen parken“, fügt sie lachend hinzu.

Auch Ortschaftsratsmitglied Wolfgang Wettach würde eine bessere Handy-Abdeckung in seinem Flecken begrüßen. „Es hat sich über die Jahre bereits verändert und ist schon etwas besser geworden.“ Er beobachtet dennoch regelmäßig Spieler des Handy-Games „Pokemon Go“, die mit langen Gesichtern durch den Ort laufen. „Es gibt drei Bebenhäuser Arenen. Die werden selten bespielt, weil viele keinen Empfang haben.“ Wettach würde einen Netzausbau aber aus anderen Gründen begrüßen: „Für die Touristen absolut wünschenswert.“ Er gehöre „auch nicht zu denen, die in Angst vor dem Elektrosmog erzittern.“

Im Kloster und dem zugehörigen Schloss Bebenhausen behilft man sich derweil anderweitig. „Für unseren täglichen Betrieb bedeutet das Funkloch, dass unsere Hausmeister ständig mit kleinen Funkgeräten unterwegs sein müssen, falls ein Lieferant kommt.“ Das bedeutet für die Klosterverwaltung zusätzliche Kosten. Almeida findet: „100000 Besucher im Jahr sollten doch für die Mobilfunkanbieter ein starkes Argument sein.“

Was sagen die Mobilfunkanbieter?

Das TAGBLATTfragte bei Vodafone und T-Mobile an, nach welchen Kriterien die Provider eine bessere Netzanbindung beschließen und ermöglichen. Von T-Mobile erhielten wir bis Redaktionsschluss keine Antwort, die Pressestelle von Vodafone teilte mit: „Eine derart spezielle Anfrage zu einer 300-Einwohner-Gemeinde mit touristischen Attraktionen lässt sich mit Sicherheit nicht innerhalb weniger Stunden fundiert beantworten.“ In einer standardisierten, allgemeinen Antwort heißt es: „Die Größe eines Ortes (und seine Einwohnerzahl) ist nur ein Kriterium von mehreren. Oftmals sind es topografische Gegebenheiten, die einen Aufbau eines Funkmasten mit der geeigneten Anbindung schwierig und teuer machen.“

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06.04.2018, 01:00 Uhr
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