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Wandern auf der neuen B28-Trasse

Immer an der Bahnlinie entlang: Ziemlich viel Grün und ein paar Überraschungen

Auch in Rottenburg hat der Bau der neuen B28 begonnen. Auf der Osttangente, zwischen L370 und Neckar, wird der Verkehr umgeleitet, um den neuen Anschlussknotenpunkt Rottenburg-Ost zu bauen. Bald wird die Landschaft entlang der Bahnlinie Tübingen-Rottenburg ihr Gesicht verändern. Wir haben die Strecke noch einmal abgeschritten, um den jetzigen Zustand zu dokumentieren.

12.08.2016
  • Ulrich Eisele

Kilometerweit dehnt sich das Ackerland zwischen dem Bahnübergang Weilheim und Kilchberg. Nördlich der Bahnlinie, auf Höhe der Orangerie, lasse ich den Blick schweifen: rechts die Fahnen des Weilheimer Real-Supermarkts, in der Mitte begrenzt der Österberg den Horizont, links von mir liegen das Tübinger Schloss und der Spitzberg. Der exakte Trassenverlauf der neuen B28 zwischen dem Ende der Ausbaustrecke und meinem Standpunkt lässt sich nur erahnen. Die öffentlichen Pläne sind ungenau, und alle, die Auskunft geben könnten, sind derzeit im Urlaub. Irgendwie wird sich die Trasse ums alte Diener-Gebäude herumwinden, in dem derzeit noch Asylbewerber untergebracht sind. Sie wird sich der Bahnlinie nähern und von dort 5,5 Kilometer, immer entlang der Gleise, nach Westen führen, bis sie in Rottenburg-Siebenlinden auf die Osttangente stößt.

Nach dem Bahnübergang Kilchberg zieht sich ein unasphaltierter Feldweg an der Bahn entlang. Rechts steht ein alter Heustadel – ob der wohl abgerissen wird? Danach Mais- und Weizenfelder, der Weizen ist bereits abgeerntet. Hinterm Bahndamm tauchen Fabrikhallen auf, Siemens Geared Motors, vormals hieß es Flender und davor Himmelwerk. Von fern grüßt zur Rechten die Wurmlinger Kapelle. Industriekultur und Romantik – zwei Seiten eines (Landschafts-)Bildes.

Gegensatz von Gewerbe und Natur

Der Weg wird holperiger. Die Bahntrasse verläuft in einem tiefen Geländeeinschnitt. Und die neue Fahrbahn? Wird sie tiefer gelegt? Am Bühler Ortseingang wiederholt sich das Gegensatzpaar von Gewerbe und Natur: links das kleine Mischgebiet „Bonlanden“, rechts (nördlich der Bahnlinie) ein ländliches Idyll: ein wenig genutzer landwirtschaftlicher Weg. Viel Grün. Bald wird sich hier ein elf Meter breites, grauschwarzes Band mit meterhohen Lärm- und Sichtschutzwällen durchziehen.

Ich bin auf der Höhe des Bühler Kirchturms angelangt. Wenn die neue Straße in diesem Abschnitt direkt neben der Bahnlinie gebaut wird, müssten die dort stehenden Schuppen abgerissen werden. Eine Spaziergängerin, die ich treffe, erzählt mir, dass sie hier jeden Tag mit ihrem Hund spazieren geht. Sie wisse noch nicht, wie sie künftig über die Bundesstraße auf die andere Seite gelange.

Hinter dem Bühler Ortsende versperrt ein Gitter den Weg. „Naturschutzgebiet Oberes Steinach“ steht auf einem Schild. Hinter urwaldartigem Gebüsch glitzert Wasser. Für Wanderer geht es an dieser Stelle nicht weiter. Sie müssen sich an der Bahnlinie entlang auf einem schmalen Trampelpfad am Sperrgebiet vorbeidrängen. Schwer vorstellbar, wie sich an dieser Stelle einmal eine Bundesstraße einfügen wird.

Hinter diesem Urwald stoße ich auf mehrere malerisch zusammengezimmerte Gartenhäuser. Niemand zu sehen an diesem Montagmorgen, trotz schönen Wetters. Auch das Schrebergarten-Idyll wird wohl dem Verkehr weichen müssen. Gleich dahinter erlaubt eine Wiese einen Durchblick aufs Queck-Gelände, auf dem alte Silos vor sich hin rosten. Die Aussicht verschließt sich sogleich wieder durch einen dichten – Urwald könnte man fast sagen. Alte Haselnuss- und Weißdornsträucher sowie krüppelige Bäume verbauen die Sicht aufs Neckartal.

Danach kommt eine freie Fläche. Rechts wächst auf einem Feld Mais, links verbirgt sich die Bahnlinie, die hier in einem tiefen Geländeeinschnitt verläuft, hinter einem mit Büschen bewachsenen Damm.

Hinter dem Maisfeld ragen die abbruchreif wirkenden Hallen der Schwäbischen Agglomarmorwerke der Gebrüder Queck auf. Ich nähere mich einem breiten Graben, dem Rohrhaldenbach, der sich vom Rammert durch Kiebingen hindurch – größtenteils unterirdich – zum Neckar hinunter zieht. Wo er die Bahntrasse unterquert, ist ein kleines Brückenbauwerk, schon ziemlich eingewachsen, darunter steht ein alter, verrosteter Kreiselheuer.

Über den Rohrhaldenbach schnurgerade zum Ort

Elf Brückenbauwerke sind in den Plänen der Straßenbauer vorgesehen – eines davon an dieser Stelle. Von dort verläuft die neue B28-Trasse schnurgerade zwischen dem Kiebinger Bahnhof und dem Werksgelände des Elektroinstallations- und Wartungsbetriebs Geiger & Haas durch; führt am Festplatzgelände vorbei und nimmt Kurs auf die Zielgerade, Richtung Siebenlinden.

Über die Problematik, wie die Kiebinger künftig zu ihrem Festplatz gelangen, Spaziergänger an den Neckar und Radfahrer Richtung Rottenburg, ist schon viel geschrieben worden: Eine Brücke mit langen Rampen soll dies ermöglichen. Weniger im öffentlichen Bewusstsein ist, dass es am Ortsende von Kiebingen, Richtung Rottenburg, eine weitere Eisenbahnunterführung gibt, die aufs freie Feld hinausführt. Auch dort treffe eine Frau, die ihren Hund spazieren führt. Diese Unterführung soll mit dem Neubau der B28 geschlossen werden.

Von dort sieht man auch schon die Aufschüttungen für den neuen Anschlussknotenpunkt Rottenburg-Ost, über den der Verkehr künftig in die Osttangente eingeschleift wird. Das Stück Weg bis dorthin ist staubig, denn einige Lastwagen nutzen den Feldweg nach Kiebingen offenbar schon als Ausweichstrecke.

Neubau der B28 – Zahlen und Fakten

Auf der Internetseite des Regierungspräsidiums Tübingen (https://rp.baden-wuerttemberg.de/rpt/Seiten/default.aspx) ist unterm Stichwort „Straßenbaumaßnahmen“ der Bau der B 28 Rottenburg - Tübingen im Bauabschnitt 2 beschrieben. Dort findet sich auch eine Karte, die jedoch zu ungenau ist, um sie hier wiederzugeben.

Demnach beträgt die komplette Baulänge rund 7 Kilometer. Davon verlaufen 5,5 Kilometer parallel zur Bahnlinie. Der Ausbau zwischen dem Knoten Weilheim und der Osttangente Rottenburg erfolgt zweispurig. Auf der gesamten Länge sind elf Brückenbauwerke vorgesehen.

Um die Anwohner vor Lärm zu schützen, wird ein Wall mit aufgesetzter Wand und Sichtschutzwall gebaut. Die Gesamtkosten belaufen sich nach derzeitiger Schätzung auf 29,3 Millionen Euro.

Der Flächenbedarf für das Gesamtvorhaben beträgt rund 12,1 Hektar (versiegelte Fläche). Als Ausgleich soll eine zirka 3,1 Hektar große Fläche rekultiviert werden. Das Regierungspräsidium kalkuliert mit einer Verkehrsstärke von 21000 bis 22000 Fahrzeugen pro Tag auf der neuen Straße.

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12.08.2016, 01:00 Uhr
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