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Olympia Bilanz

Guter Gastgeber mit Hang zum Beschönigen

Südkorea darf auf perfekt organisierte Winterspiele zurückblicken. Die Schattenseiten versuchte Pyeongchang jedoch vergeblich auszublenden.

26.02.2018
  • MANUELA HARANT

Pyeongchang. Olympische Winterspiele nur wenige hundert Meter über dem Meeresspiegel in einem Land, dass außer bei Shorttrack und Curling keinerlei Sport-Traditionen hegt. Geht das? Irgendwie schon, lautet die Bilanz nach 16 Wettkampftagen im südkoreanischen Pyeongchang. Allerdings bleibt ein fader Beigeschmack.

Sportstätten

Südkorea hat keine Kosten und Mühen gescheut, um bestmögliche Bedingungen für alle Athleten herzustellen. Alle Anlagen waren vom Feinsten. Was die Organisatoren allerdings nicht beeinflussen konnten, war das Wetter. Nach einer vom Winde verwehten ersten Woche beruhigte es sich zum Glück zwar, und die Wettbewerbe konnten doch noch alle stattfinden – manches Mal allerdings unter grenzwertigen Bedingungen. Den Vorwurf, den man dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) bei der Vergabe der Spiele machen kann: Das Problem war absehbar, da die Skisprungwettbewerbe und Biathlon-Rennen in unmittelbarer Nähe von Windkraftanlagen ausgetragen wurden.

Atmosphäre

Nein, Korea ist keine Wintersportnation, wenn man Ski-Wettbewerbe betrachtet. Und ja, Korea ist eine Wintersportnation, wenn es um Curling, Shorttrack und mit Abstrichen um Eiskunstlauf geht. So herrschte in den Bergen Besucher-Tristesse, während in den Eishallen die Post abging. Die Zahlen des nationalen Komitees POCOG jedenfalls spiegelten nicht die subjektive Realität wider: Angeblich wurden mehr als 90 Prozent der 1,18 Millionen Tickets verkauft, vor Ort fand sich davon aber meist nur knapp die Hälfte ein. So sahen nur etwas mehr als 4000 Zuschauer das Eishockey-Halbfinale Deutschland gegen Kanada – 10 000 passen ins Gangneung Hockey Centre.

Sicherheit

Wer hätte es noch vor einem halben Jahr gedacht, dass ausgerechnet das Thema Sicherheit der größte Pluspunkt der Spiele wird? Doch dank viel Diplomatie von allen Seiten hielt der olympische Friede mit Nordkorea, und auch sonst konnten die Sicherheitskräfte unauffällig im Hintergrund agieren. Manchmal schienen die Kontrollen an den Eingängen der Wettkampfstätten fast etwas lax. Doch angesichts der niedrigen Kriminalitätsrate auf der Halbinsel und der offenbar geringen Terrorgefahr schien der Umgang mit dem Thema angemessen.

Transparenz

Unangenehme Wahrheiten wie die leeren Zuschauerränge verdrängt das POCOG offenbar lieber. So werden in den „Facts and Figures“ auf 21 Seiten allerhand Rekordzahlen aufgeführt, von den Athleten (2920) über die Anzahl der Medaillen (102) bis zu der Teilnahme Koreas an allen 15 Disziplinen. Klingt sehr transparent. Doch es wird auch geschwiegen: Über die Nachnutzung von drei der vier Eisstadien, die nach wie vor ungeklärt ist. Über die Zukunft von Eiskanal, Skisprungstadion und Freestyle-Snowpark, denen schlichtweg die Sportler fehlen. Und über die sanften, bewaldeten Hügel, in die Skirennstrecken gefräst wurden. Immerhin, der obere Teil des Bergs, auf dem die alpinen Skirennen stattgefunden haben, soll aufgeforstet werden. Was mit dem unteren Teil geschieht, blieb offen. Und auch der Rest ist Schweigen. Propaganda, das können eben nicht nur die Nachbarn im Norden.

Doping

So viel Freundlichkeit und Bemühen für fröhliche Spiele die Koreaner ausgestrahlt haben, so sehr hätte man ihnen zumindest halbwegs saubere Winterspiele gewünscht. Doch daraus wurde mal wieder nichts. Zwei russische Dopingfälle noch während der Wettkämpfe und vermutlich weitere im Nachgang überschatteten erneut das größte Sportfest der Welt. Neben den uneinsichtigen Russen selbst hat dies das IOC-Exekutivkomitee verursacht, das sich im Vorfeld nicht zu einem Komplett-Ausschluss durchringen konnte. Diese Spiele werden jedenfalls wieder nicht als leuchtendes Beispiel im Anti-Doping-Kampf eingehen.

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26.02.2018, 06:00 Uhr
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