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Weiber-Wirtschaft

Gold wert

Irmgard Freidler ist geschäftsführende Gesellschafterin von Alb-Gold. 430 Mitarbeiter stehen hinter dem Unternehmen, das seinen Stammsitz in Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb hat. Täglich werden dort zwischen 150000 und 200000 Eier für die Teigwaren-Produktion aufgeschlagen.

13.12.2019

Von TEXT: Simone Maier|FOTOs: Unternehmen

Nach drei Söhnen war Irmgard Freidler 1959 endlich das langersehnte Mädchen für ihre Eltern. Diese bewirtschafteten eine Mühle und eine Gastwirtschaft auf der Alb; dort gab es von Anfang viel zu tun für das junge Mädchen und ihre Geschwister. Dass Irmgard Freidler schon früh wusste, was sie will, wurde klar, als sie aus freiem Entschluss ins Mädcheninternat gehen wollte. „Ich wollte eine gute Schülerin werden“, sagt sie. Das Internat war die richtige Entscheidung. Klar war, dass am Wochenende wieder kräftig daheim angepackt werden musste, „da saßen die Herren vom Stammtisch gerne mal bis ein Uhr morgens“, schmunzelt sie heute.

Mathe lag ihr schon immer gut und deshalb machte sie auch mit großer Begeisterung eine Ausbildung zur Bauzeichnerin. In diesem Beruf arbeitete sie bis der Ruf ihres Vaters kam, der sie bat, ihn im Haushalt und im Geschäft zu unterstützen, was sie natürlich tat. Ob im kaufmännischen Bereich für die Mühle oder zur Erntezeit bei der Getreideerfassung mitzuhelfen oder aber bis spät nachts in der Gastwirtschaft mitanzupacken – für die Anfang Zwanzigjährige war dies selbstverständlich. Als sie ihren Mann Klaus Freidler heiratete zog sie nach Trochtelfingen, wo die beiden das gemeinsame Haus bauten. Dort hatte Schwiegervater Freidler eine große Hühnerfarm mit rund 50 000 Hühnern und drei Ställen. „Auch wenn ich gelernte Bauzeichnerin war und mein Mann Elektriker, haben wir beide an die gemeinsame Sache geglaubt“, erzählt Freidler und haben sich dem großen Hühnerhof gewidmet. Sie habe sich schnell mit der neuen Aufgabe identifiziert. Schließlich sei es ja so, dass es ihr bis heute etwas bringe, Bauzeichnerin zu sein. „Die Pläne für unsere neue Produktionshalle zum Beispiel konnte ich gut lesen“, schmunzelt sie. Klaus Freidler führte das väterliche Unternehmen damals von der landwirtschaftlichen Prägung in die industrielle Prägung und begann bereits 1977 mit der Teigwarenproduktion.

Klare Rollenverteilung

Die beiden Söhne Oliver und André kamen 1986 und 1987 auf die Welt. Zur klassischen Rollenverteilung gab es im Hause Freidler keinen Diskussionsbedarf. Ihr Part waren die Kinder und der Haushalt, aber dazu kam eben auch das Homeoffice, denn sie erledigte denselben Job in der Firma weiter wie vor den Kindern. Immerhin hatte das Unternehmen damals rund 50 Mitarbeiter und ihr Mann war oft auf Geschäftsreisen. „Es war ein Leben mit viel Verzicht“, überlegt sie. „Es kamen Zweifel auf, ob wir das richtig machen. Irgendwie hatten die anderen Eltern mit ihren kleinen Kindern mehr Zeit für ihre Kinder als wir“, überlegt sie. Immer wieder plagten sie auch die klagenden Kommentare ihrer Söhne. Aber dass das in Familienunternehmen wohl doch zur Normalität gehört, bewiesen Oliver und André dann selbst. Als Irmgard Freidler nämlich mal wieder am Sonntag im Unternehmen war und am Büro der beiden vorbeilief, saßen sie auch am Schreibtisch. „Na die Herren, arbeiten wir heute?“ schmunzelte sie im Vorbeilaufen.

Als 2010 die Welt plötzlich eine andere war, mussten die Entscheidungen quasi über Nacht gefällt werden. Klaus Freidler verstarb völlig unerwartet und Irmgard Freidler übernahm die Geschäfte. „Mir war von Anfang an klar, dass ich den Betrieb weiterführen werde. Doch waren am Anfang viele Fragen: Was muss ich als Erstes machen? Wie mache ich es?“, beschreibt sie die Ängste nach dem Tod ihres Mannes. Sie wusste viel über die geschäftlichen Vorgänge im Unternehmen, aber halt doch nicht alles. Schon immer war klar, dass die beiden Söhne ins Unternehmen kommen würden, aber dass es so schnell und so anders als geplant passierte, mussten sie auch erst einmal begreifen. „Die Familien-Rollenverteilung mussten wir klären“, so Freidler. Gemeinsam ist es ihnen gelungen, das „Vermächtnis“ ihres Mannes und Vaters so weiterzuführen, wie der Firmengründer und Visionär Klaus Freidler es sich wohl gewünscht hätte. Denn in den letzten Jahren hat sich in der Firma viel getan. Mittlerweile gehören drei Betriebe zum Unternehmen – 80 Millionen Umsatz im Jahr, 430 Mitarbeiter an drei Standorten und eine hochmoderne neue Produktionshalle, die gerade erst im Sommer dieses Jahres eingeweiht wurde und in die einige Millionen investiert wurden – damit ist Alb-Gold auf einem geradlinigen Erfolgskurs. Den Deutschen Verpackungspreis 2019 in der Kategorie Nachhaltigkeit und darüber hinaus den Gold-Award für „Trend-Setting“ in der Tasche, ist einmal mehr ein Beweis für das Innovationspotential des Unternehmens.

Weibliche Führungsqualitäten

„Es freut mich bis heute, dass unsere Mitarbeiter mir ihr Vertrauen geschenkt haben“, so Freidler. Im achtköpfigen Führungsgremium von Alb-Gold sind neben ihr noch zwei weitere Frauen mit von der Partie. Gefragt, was sie denn anders mache als ihr Mann, überlegt sie. „Bestimmt war mein Mann impulsiver, energischer und schneller in Entscheidungen“, sagt sie. Allerdings spüre sie, dass man oftmals mit Dynamik schneller zum Ziel kommt und dass nicht immer noch eine Besprechung des Rätsels Lösung sei. „Manchmal ertappe ich mich, wie ich zu meinem Mann in mich hinein sage, ‚jetzt verstehe ich dich‘“, so die besonnene Unternehmerin. Trotz alledem ist es ihr wichtig, auch Persönliches preiszugeben. Spontan Dinge zu erzählen, „man soll mich als Mensch wahrnehmen“, sagt sie.

Sehr glücklich ist sie darüber, dass ihre Söhne mit im Unternehmen sind und sich darüber hinaus sehr gut verstehen. Alle drei haben ihre Rolle im Unternehmen gefunden, „das haben wir Zug um Zug gut aufgeteilt.“

Und wo kann sie denn nach langen Arbeitstagen am besten entspannen? „Die wirkliche Entspannung finde ich tatsächlich daheim. Es kam mir auch noch nie – außer vielleicht kurz nach dem Tod meines Mannes – der Gedanke, von hier wegzuziehen“, so Freidler. Allerdings geht sie auch genauso gerne mal in die Stadt. Ob das Stuttgart oder London ist. „Manchmal muss ich in eine andere Welt eintauchen und den Alb-Kosmos mal kurz hinter mir lassen“, lacht sie. Erst kürzlich bekam Irmgard Freidler im Neuen Schloss in Stuttgart die Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen. Als sie diesen Dank einen Tag später an ihre beiden Söhne und die gesamte Belegschaft weitergab, überreichten diese ihr einen Blumenstrauß mit den Worten: „Wir hoffen alle sehr, dass Sie uns noch lange erhalten bleiben und nicht aufhören, wenn’s am Schönsten ist.“

Irmgard Freidler mit ihren Söhnen Oliver (re.) und André (li.), mit denen sie das Unternehmen leitet.

Die neue Produktionshalle, die mit der bisher größten Investition in der Firmengeschichte die Zukunft des Betriebs und der Arbeitsplätze sichert.

Die Alb-Gold Pasta-Papierpackung ist nicht nur ein Gewinn für die Umwelt, sondern hat 2019 auch den Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Nachhaltigkeit gewonnen.

Vom Ei zu Spätzle und Nudeln

Alb-Gold steht für Qualität, größte Sortenvielfalt und Transparenz vom Saatgut bis auf den Teller. Der schwäbische Familienbetrieb hat sich in Trochtelfingen auf der Schwäbischen Alb, seit seiner Gründung innerhalb von knapp 50 Jahren zu einem Vorzeigeunternehmen der Lebensmittelindustrie entwickelt. Franz Freidler baute das Unternehmen 1968 als direkt vermarktenden Geflügelhof auf. Sein Sohn Klaus, der 1977 mit der Teigwarenproduktion startete, hat bis zu seinem plötzlichen Tod 2010 die Alb-Gold Gruppe zu einem der bedeutendsten Nudelhersteller Deutschlands gemacht. Heute ist mit Oliver und André, gemeinsam mit ihrer Mutter Irmgard Freidler, die dritte Generation am Werk, die sich der Lebensmittelherstellung verschrieben hat.

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Erstellt:
13. Dezember 2019, 07:54 Uhr
Aktualisiert:
13. Dezember 2019, 07:54 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2019, 07:54 Uhr

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