Zahlsysteme

Girocard im Ausland bald nutzlos?

Nachdem der US-Konzern Mastercard seine Maestro-Funktion tilgt, stellt sich die Frage nach Alternativen. Welche es gibt und welche Folgen die Entscheidung für Verbraucher hat.

23.10.2021

Von Rolf Obertreis

Das Logo „Maestro“ wird auf nach dem Stichtag ausgegebenen Karten fehlen. Foto: Fabian Sommer/dpa

Bei Millionen von Verbraucherinnen und Verbrauchern in Deutschland steckt eine Girocard in der Brieftasche. Schließlich haben Banken und Sparkassen rund 100 Millionen davon ausgegeben. Auf den allermeisten prangt auf der Vorderseite ein Logo aus einem roten und einem blauen ineinander übergehenden Kreis: Das Maestro-Zeichen. Es garantiert, dass auch im Ausland mit der Karte Geld abgehoben und an der Ladenkasse bezahlt werden kann, sofern an den Automaten und Zahlungsterminals ebenfalls das Maestro-Zeichen zu sehen ist.

Damit soll am 1. Juli 2023 in Europa Schluss sein. Das hat der Zahlungsdienstleister und Kreditkarten-Anbieter Mastercard unlängst mitgeteilt. Er stellt die Maestro-Zahlungsfunktion zur Verfügung. Grund nach Angaben des US-Unternehmens: Das Geschäft lohnt nicht mehr, der Zahlungsverkehr werde immer digitaler, weshalb sich auch das Verbraucher-Verhalten ändere.

Welche Folgen hat das für Verbraucher? Bei deutschen Banken, Sparkassen und Volksbanken versichert man, die Girocard könne auch nach dem Maestro-Aus im Ausland genutzt werden. „Banken und Sparkassen können auch nach dem von Mastercard angekündigten Wegfall des Produktes ‚Maestro’ gewährleisten, dass ihre Kundinnen und Kunden die Girocard auch im Ausland weiterhin nutzen können“, sagt Wiebke Schwarze, Pressesprecherin des Sparkassen-Verbandes DSGV.

Generell ist sowieso noch Zeit. Der Stichtag für das Aus von Maestro zum 1. Juli 2023 ist nur bedingt relevant. Nach Informationen aus der Kreditwirtschaft können alle Karten bis zum Ende der aufgedruckten Laufzeit verwendet werden, im besten Fall bis Ende 2027, also noch sechs Jahre, sofern sie bis Juni 2023 neu ausgegeben werden. Experten befürchten aber, dass das Maestro-Zeichen von Geldautomaten und Kassenterminals in Europa schon vorher nach und nach verschwinden wird. Verbraucher, die nach Ablauf des Gültigkeitsdatums turnusgemäß eine neue Karte erhielten, sehen darauf wohl lediglich ein anderes Akzeptanzsymbol anstelle von Maestro.

Bei Debitkarten wie der Girocard mit oder ohne Maestro-Zeichen wird das das dazu gehörige Konto sofort mit dem Betrag belastet, der abgehoben und der an einer Kasse bezahlt wurde. Im Unterschied dazu wird das Geld bei einer Kreditkarte erst später dem Konto belastet, meist durch eine monatliche Abrechnung. Mit einer reinen Girocard kann im Übrigen nur in Deutschland bezahlt werden. Nachteil der Girocard mit oder ohne Maestro-Zeichen: Einkäufe im Internet oder das Bezahlen per Smartphone sind nicht möglich. Mastercard bietet neben der bekannten Kreditkarte, die viele Geldhäuser in Kooperation mit dem US-Unternehmen herausgeben, eine eigene, weltweit nutzbare und Internetfähige Debitcard. Das gilt auch für den Konkurrenten Visa.

Welche internationalen Kartenzahlprodukte in Zukunft genutzt würden, liegt in der Hand des jeweiligen Instituts, das Girocards ausgebe. Die Sparkassen-Gruppe hat mit Mastercard die Debit Mastercard (DMC) kreiert. Damit könne im Ausland wie auch im Internet und per Smartphone bezahlt werden. Unter anderem bietet die Stadtsparkasse Düsseldorf bei einem Kontomodell die DMC-Karte kostenlos an. Insgesamt gilt das laut Finanzszene nur für 19 der 376 Sparkassen. Grund: Die angeblich komplizierte Prozessabwicklung. Von Privatbanken und Volks- und Raiffeisenbanken gibt es vergleichbare Angebote (noch) nicht.

Eine Option ist auch eine Kooperation mit dem Mastercard-Konkurrenten Visa, der mit V-Pay ebenfalls ein weltweit nutzbares Debit-System anbietet. V-Pay soll laut Visa vorerst nicht verschwinden. Experten vermuten allerdings, dass auch Visa durch die Ansage von Mastercard unter Druck geraten könnte.

Gegen Abhängigkeit von US-Anbietern

Deutsche und europäische Geldhäuser sehen die Abhängigkeit im Zahlungsverkehr von den beiden US-Konzernen Mastercard und Visa kritisch. Deshalb arbeiten 31 Institute aus sieben Ländern in der European Payment Initiative (EPI) an einem eigenen Zahlungssystem für Handel, Online-Geschäfte, Geldautomaten und auch direkte Zahlungswege zwischen Verbrauchern. Der Aufbau kostet angeblich rund 1,5 Milliarden Euro. Bis 2026 soll es soweit sein. Allerdings gibt es laut Finanzszene Probleme bei der Finanzierung, weil sich Institute aus Spanien und Niederlanden zurückhalten, während die deutschen Sparkassen 150 Millionen Euro beisteuern.

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Erstellt:
23. Oktober 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Oktober 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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