Bundesbank

Garantiert echtes Geld

Auf nur noch sechs Filialen hat die Behörde ihr Filialnetz in Baden-Württemberg ausgedünnt – Reutlingen ist nach wie vor dabei. Hier werden von der Schulstraße 12 aus die Banken und der Handel in den Landkreisen Tübingen, Reutlingen und Zollernalb mit Bargeld versorgt. Privatleute können bei der Bundesbank zerstörte Scheine umtauschen, D-Mark in Euro wechseln und Gedenkmünzen kaufen. Und Fälschungen haben hier keine Chance: Die Bundesbank entdeckt zuverlässig die Blüten und zieht sie aus dem Verkehr.

17.12.2021

Von TEXT: Thomas de Marco|FOTOs: Horst Haas, Bundesbank

Der schmucke Bau in der Schulstraße 12 ist ohne Frage eines der meistgesicherten Gebäude in ganz Reutlingen: Hier sitzt die Filiale der Deutschen Bundesbank, von hier aus werden die Landkreise Tübingen, Reutlingen und Zollernalb mit Bargeld versorgt. Kameras überwachen den Eingangsbereich, in die Schalterhalle gelangt nur, wer klingelt und sein Anliegen vorträgt. Weiter kommen Privatleute in der Regel nicht.

Fotografieren im Gebäude ist auch für die Medien untersagt, die Beschäftigten der Bundesbank wollen auch nicht auf ein Foto. Wie wird das Geld, das hier lagert, geschützt? Keine Angaben. Nur so viel: „Hier ist alles gut gesichert und wir haben beste Kontakte zur Polizei“, sagt Filialleiterin Martina Wendler. Das Bargeld ist in Reutlingen vor allem in Händen von Frauen: Stellvertretende Filialleiterin ist Karin Mergenthaler, von den 54 Beschäftigten sind 30 weiblich.

Hauptaufgabe der Filialen der Bundesbank ist die Versorgung mit und die Entsorgung von Bargeld, erklärt Mergenthaler. Die weiteren Kernaufgaben der Bundesbank sind insbesondere die Geldpolitik, außerdem Bankenaufsicht, Finanzstabilität sowie der bargeldlose Zahlungsverkehr.

So genannte Wertdienstleister in gesicherten Fahrzeugen holen das Geld bei großen Unternehmen oder Lebensmittelmärkten ab und bringen es in verplombten Behältern in die Schulstraße 12. Dort werden Scheine und Münzen geprüft und dann den Konten der Einzahler gutgeschrieben. Die Banknoten werden mit hochmodernen Maschinen bearbeitet, die die Banknoten zählen und mittels Sensoren auf Umlauffähigkeit und Echtheit prüfen. Geldscheine, die verschmutzt oder beschädigt sind, werden automatisch geschreddert. So wird sichergestellt, dass nur Banknoten in gutem Zustand wieder in den Bargeldumlauf gelangen.

„Die Qualität des Bargelds muss stimmen, daran haben auch der Einzelhandel und die Banken ein Interesse“, betont Wendler. Schon alleine, um die Geldautomaten gut bestücken zu können. Die Bundesbank geht fest davon aus, alle Fälschungen herauszufischen. „Das Geld, das bei uns rausgeht, ist echt!“, erklärt Mergenthaler. „Und erst wenn es bei uns über den Tresen geht, ist es richtiges Geld.“

Dafür garantiert die Bundesbank als Behörde, deren Personal aus Tarifbeschäftigten des öffentlichen Dienstes und Bundesbeamten besteht. Als „Bank der Banken“ versorge die Bundesbank die Geldhäuser und Unternehmen mit Scheinen und Münzen, erklärt die stellvertretende Filialleiterin. Als „Bank des Staates“ verwahrt die Behörde die Gelder von öffentlichen Einrichtungen wie Zoll oder Polizei auf deren Konten. Und als „Bank der Bürger“ erstattet sie beschädigtes Geld, tauscht alte D-Mark-Währung in Euro um oder verkauft Sonder- und Gedenkmünzen. „Wenn diese Münzen rauskommen, stehen die Sammlerinnen und Sammler oft in langen Schlangen an“, sagt Wendler.

Mitunter wird ihre Behörde auch selbst zum ganz legalen „Geldwäscher“: Wenn Scheine bei einem Brand angekokelt wurden, verschmutzt, zerrissen oder sonst wie beschädigt sind, tauscht die Bundesbank diese Noten nach Prüfung gegen neue. Zuletzt wurden auch Scheine ersetzt, die beim Hochwasser im Ahrtal zur formlosen Masse zusammenpappten. „Scheine mit kleineren Werten werden in der Regel ein bis vier Jahre alt. Ab dem 100-Euro-Schein halten die Noten weit über 10 Jahre“, erklärt die Leiterin der Reutlinger Filiale.

Und wie oft halten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Reutlingen gefälschte Scheine in den Händen? Keine Angaben, nur so viel: Im Schnitt muss ein Bundesbürger 1400 Jahre alt werden, um einmal im Leben mit Blüten in Berührung zu kommen. Die Faszination, die von diesen Fälschungen ausgeht, ist aber groß: Wenn sich die Bundesbank auf Messen präsentiert und dabei auch über Falschgeld informiert, stehen dort Trauben von Menschen an.

Die Bargeldexperten der Filiale gehen auch an Berufsschulen und berichten dort über Blüten und wie diese zu erkennen sind. Vor allem an Wirtschaftsgymnasien hält die Bundesbank zudem Vorträge zur Ökonomie. Und kann bei diesen Gelegenheiten gleich mal in eigener Sache für eine Berufsausbildung oder ein Studium bei der Bundesbank werben.

Nach wie vor wird in der Reutlinger Filiale auch D-Mark gegen Euro getauscht, fixer Kurs 1 Euro für 1,95583 Mark. Kleines Rechenspiel: Gut 12,4 Milliarden D-Mark sind noch irgendwo vorhanden, davon wohl rund 8 Milliarden im Bundesgebiet, der Rest im Ausland. Bei rund 80 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern macht das pro Kopf etwa 100 D-Mark in Deutschland. Für die Stadt Reutlingen kommen da über 11 Millionen D-Mark zusammen. Weil bei der Bundesbank in Reutlingen auch junge Leute beschäftigt sind, die noch gar nie mit D-Mark bezahlt haben und deshalb Münzen und Banknoten aus dieser Zeit nicht kennen, liegt eine Mustermappe mit Anschauungsmaterial für sie bereit.

Wer täglich mit solchen Summen umgeht, hat der ein verändertes Verhältnis zum Geld? „Anfänger sind schon beeindruckt von den Geldbeträgen. Aber ich habe mich daran gewöhnt und habe deshalb keine schlaflosen Nächte“, sagt Filialleiterin Wendler und lacht. „Für mich ist das Ware im täglichen Geschäft.“ Und ihre Stellvertreterin Mergenthaler meint: „Im Gegensatz zu meiner Anfangszeit bei der Bank, als alle Gelder ‚offen‘ und somit sichtbar eingezahlt wurden, sieht man im Großkundenbereich heute kein Bargeld mehr, da es meist in verplombten Behältern eingezahlt wird.“ Ihr Verhältnis zum Geld habe sich durch die Arbeit bei der Bundesbank jedenfalls nicht verändert, erklärt die stellvertretende Filialleiterin. Hauptsache, es ist echt.

Reutlingen schon immer mit zentraler Funktion

Seit 1876 ist die Notenbank in Reutlingen vertreten. 1925 bezog diese das Haus in der Schulstraße 12, das 2004 einen Anbau erhalten hat. Bis 1982, als die Bundesbank noch 41 Standorte in Baden-Württemberg hatte, war Reutlingen immer eine Hauptstelle, erklärt Jürgen Hirsch, als Leiter des Stabs der Präsidentin in Stuttgart für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Mittlerweile ist die Zahl der Filialen im Land auf 6 reduziert worden – und Reutlingen ist weiterhin neben Stuttgart, Ulm, Karlsruhe, Freiburg und Villingen-Schwenningen mit dabei. Im gesamten Bundesgebiet gibt es 31 Filialen der Bundesbank.

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Erstellt:
17. Dezember 2021, 07:52 Uhr
Aktualisiert:
17. Dezember 2021, 07:52 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2021, 07:52 Uhr

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