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Für einen TV-Film beschäftigte sich die Mehrgenerationen-Familie Baur mit dem Alter
Berlin lag der Tübinger Familie Baur zu Füßen, als sie sich den Reichstag samt Kuppel ansahen. Nach den Dreharbeiten für die ZDF-Sendung „Der Pflege-Check“ nahmen sich (hinten von links) Katrin und Stephan und seine Eltern Gisela und Walter Baur, (vorne von links) Nina und Florian Zeit für die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt. Privatbild
So lang es geht im eigenen Haus

Für einen TV-Film beschäftigte sich die Mehrgenerationen-Familie Baur mit dem Alter

Über das Leben im Alter hat die Tübinger Familie Baur nicht extra gesprochen. Ihr Modell hat sich einfach ergeben. Unter einem Dach wohnen drei Generationen – bis zum Tod des Tübinger Ehrenbürgers Erwin Geist im Sommer 2012 waren es sogar vier. Dafür interessierten sich die Produzenten eines TV-Films.

05.03.2016
  • Ute Kaiser

Tübingen. Das Internet brachte die Berliner Produktions-Firma „Februar Film“ und die Tübinger Familie zusammen. Im Netz fanden die Berliner Rechercheure einen TAGBLATT-Artikel vom 28. Dezember 2010 über das Viergenerationenhaus in der Südstadt. Als die Anfrage von „Februar Film“ für die ZDF-Sendung zum Thema Pflege-Check kam, hatte Gisela Baur (66), die Tochter Erwin Geists, zunächst Bedenken. Doch ihre Enkel Nina (9) und Florian (11) „fanden es cool“. Der Elfjährige interessiert sich seit einem Feriencamp im Werkstatthaus fürs Filmen, sagt seine Mutter Katrin Baur (37).

Florian moderierte denn auch den kleinen Film, in dem sich die Familie kurz vorstellte – ungekünstelt. „Wir waren so, wie wir immer sind“, sagt Katrin Baur über die gesamten Dreharbeiten. „Es war überraschend einfach“, findet Walter Baur (66). Niemand musste einen Text aufsagen. Die Antworten auf Fragen waren allesamt spontan. „Es war gut, dass der Regisseur im Vorfeld mit uns geredet hat“, sagt Gisela Baur. Yousif al-Chalabi kam Ende vergangenen Jahres nach Tübingen, um die Familie kennenzulernen.

Zum ersten Dreh am 9. Januar flogen die sechs Baurs nach Berlin. Für die Enkel war es der erste Flug. Im Studio trafen sie auch die anderen Akteure – eine Mutter mit Sohn aus Berlin und eine Patchworkfamilie aus Mönchengladbach sowie Sophie Rosentreter (siehe Info). Gesprächsthema war, wie sie sich ihr Leben im Alter vorstellen. Die Runde wurde auch mit einem Film konfrontiert. Er zeigte ein Pflegeheim mit 1:1-Betreuung in Thailand. Das schließen die Baurs für sich aus.

In Einzelinterviews wurden die Gesprächsteilnehmer gefragt, ob sie von ihren Kindern erwarten, dass die sie pflegen. Gisela und Walter Baur tun es nicht. Sie könnten Zimmer im ersten Stock des Mehrgenerationenhauses für eine Pflegekraft freimachen. Die würde „nicht zum Billigtarif“ angestellt, sagt Walter Baur. Ordentliche Entlohnung gehört zum Selbstverständnis der sozialdemokratisch geprägten Familie. Der Rentner selbst würde sich seiner Frau und den Kindern „nicht mehr zumuten wollen“, sollte er einmal dement werden.

Im Januar war das Drehteam mit drei Mann nochmal in Tübingen. Sie wollten die Reaktion der Familie auf die Pflegestation im Pauline-Krone-Heim sehen. Katrin und Gisela Baur loben die Super-Betreuung und die liebevolle Atmosphäre. „Das Personal hat mich absolut überzeugt“, sagt Walter Baur. Nur aus Sicht von Sohn Stephan (42) sei die Pflegestation „die absolut letzte Möglichkeit“ für seine Eltern. Nach dem Besuch auf der Pflegestation waren die Enkel „sehr ruhig und wollten nicht mehr weiter drehen“, sagt ihre Oma. Sie hätten sich ein Altersheim bunt und lustig vorgestellt.

Die ganze Familie ist gespannt, was die Berliner Filmcrew aus dem Material macht. Sie sei „nicht abgehoben“ gewesen. Alle Mitwirkenden waren per Du. Selbst Florian Hartung, der das Buch geschrieben hat und auch Regie führte, habe mit Nina Karten gespielt, erzählt Gisela Baur. Womöglich werden sie und ihre Enkelin bei ihrem Hobby Handarbeiten gezeigt und Walter Baur beim Brotbacken mit dem Holzbackofen. Zwei Tage hat das Team den Alltag der Baurs gefilmt – zu Hause und bei Erbe Elektromedizin, wo Stephan Baur arbeitet. Womöglich taucht auch eine Szene aus Berlin auf. Eine Drohne hat die Baurs bei einem Spaziergang entlang der Spree verfolgt.

Ohne die Beteiligung an der Produktion „hätten wir uns die Gedanken über das Alter in diesem Ausmaß nicht gemacht“, ist sich die ehemalige Sportlehrerin Gisela Baur sicher. Alt würde sich Walter Baur, der Controlling-Abteilungsleiter bei den Tübinger Stadtwerken war, erst fühlen, wenn er nicht mehr walken, Ski fahren, mit dem Enkel in den Bergen wandern, Beeren und Pilze suchen, im Weingärtner Liederkranz singen oder Holz machen könnte.

Regisseur korrigierte sein Bild von Schwaben

Dass die Baurs in einem Mehrgenerationenhaus leben, war aus Walter Baurs Sicht keine bewusste Entscheidung. Das sei über die Jahre hinweg „so geworden“. Sein Rezept für harmonisches Zusammenleben? „Wir respektieren den Bereich von jedem, mischen uns nicht ein und hängen uns nicht auf der Pelle“ – auch nicht beim gemeinsamen Campingurlaub in Österreich.

Baden-Württemberg müsste den Baurs danken. Sie waren Botschafter fürs Ländle. Beim zweiten Dreh in Berlin hat Regisseur Yousif al-Chalabi dem Tübinger Sextett ein Riesenkompliment gemacht: „Wir hätten sein Bild von Schwaben korrigiert“, erzählt Walter Baur und lacht.

In Würde alt werden: ZDF zeigt unterschiedliche Wege

Die Bevölkerung wird immer älter. Damit steigt die Zahl der Pflegebedürftigen. „ZDFzeit“ fragt in der Sendung „Der Pflege-Check“ nach, wie sich verschiedene Menschen das Leben im Alter vorstellen. Im Familienkreis? Im Pflegeheim? Oder mit individueller Betreuung in Thailand? Eine Rolle spielte auch, wie sich eine bezahlbare und gute Lösung finden lässt. Diese Fragen stellten sich auch im Gespräch mit Sophie Rosentreter. Die Ex-MTV-Moderatorin und Schauspielerin weiß, worum es geht. Sie hat mehrere Jahre lang ihre Großmutter gepflegt und setzt sich öffentlich für Pflegebedürftige ein. Die Sendung mit der Tübinger Familie Baur läuft am Dienstag, 8. März, von 20.15 bis 21 Uhr im ZDF.

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05.03.2016, 01:00 Uhr
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