Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Dandy und zynischer Wolf

Franco Zeffirelli gestorben

Franco Zeffirelli ist mit 96 Jahren gestorben. Er war berühmt für seine opulenten Opern- und Film-Inszenierungen.

17.06.2019

Von dpa

Franco Zeffirelli starb nach langer Krankheit. Foto: Lapresse Andrea Raso/dpa

Florenz. Kaum ein Regisseur hat die italienische Oper so opulent in Szene gesetzt wie Franco Zeffirelli. „Zu viel war ihm noch nie genug“, wurde einst über ihn geschrieben. Einen einfachen Charakter hatte er nicht, er war undiplomatisch und zornig auf alles, was ihm nicht passte. „Ich war immer schon ein zynischer, alter Wolf“, bekannte er. Am Samstag ist Zeffirelli, der sich gern als kettenrauchender Dandy gab, im Alter von 96 Jahren gestorben.

Zeffirelli arbeitete mit den Großen, von Riccardo Muti über Joan Sutherland bis Luciano Pavarotti. Auch im Kino feierte er Erfolge. Obwohl seine ganz großen Würfe Jahrzehnte zurückliegen, gelangen ihm im Alter Projekte wie „Tee mit Mussolini“ (1999) mit Cher und Judi Dench oder „Callas Forever“ (2002).

Den Anstoß für Zeffirellis Laufbahn hatte Luchino Visconti gegeben, der ihn zu seinem Assistenten machte. Zunächst wurde Zeffirelli als Bühnenbildner bekannt, mit Salvador Dalí schuf er die Kulissen für eine Shakespeare-Inszenierung. 1953 führte er an der Scala Regie. „In Italien funktionieren nur drei Institutionen: der Vatikan, die Mafia und die Scala in Mailand“, sagte er. 1959 inszenierte er im Londoner Covent Garden, 1964 an der Met in New York. Immer wieder waren es Shakespeare-Stücke. 1966 verfilmte er „Der Widerspenstigen Zähmung“ mit Elizabeth Taylor und Richard Burton, doch viele Kritiker winkten ab. Ganz anders „Romeo und Julia“. Die Hauptdarsteller waren Unbekannte, der Film konventionell, doch er fesselte.

Religion und Ideologie seien seine Sache nicht, sagte Zeffirelli. Das sollte sich ändern: Nach einem schweren Autounfall 1969, bei dem Gina Lollobrigida am Steuer saß, wurde er fromm und zog gegen die „Sexwelle“ im italienischen Kino zu Felde. 1973 drehte er einen Assisi-Film, 1977 kam sein „Jesus von Nazareth“. 2016 bestätigten Experten: Zeffirelli war ein Nachfahre von Leonardo da Vinci. Er selbst hatte das 2007 bei der Verleihung des „Premio Leonardo“ erklärt, das Publikum glaubte an einen Scherz.

In den Fokus rückte Zeffirelli noch einmal in der #MeToo-Debatte, in der ihn Schauspieler Johnathon Schaech mit schweren Vorwürfen konfrontierte. Die Behauptungen seien nicht wahr, so der Adoptivsohn Giuseppe Corsi. Zeffirelli äußerte sich nicht mehr selbst, der Wolf war alt geworden.

Zum Artikel

Erstellt:
17. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Juni 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+