Tübingen

Evangelischer Theologe Eberhard Jüngel ist tot

Eberhard Jüngel, der als einer der bedeutendsten evangelischen Theologen der Gegenwart galt, ist im Alter von 86 Jahren gestorben.

29.09.2021

Von ST

Eberhard Jüngel im Jahr 2004. Archivbild: Ulrich Metz

Bis 2003 lehrte Jüngel Systematische Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Tübingen und leitete außerdem das hiesige Institut für Hermeneutik, er war 1969 aus Zürich nach Tübingen gekommen. Gleich zweimal war Jüngel Dekan der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Tübingen. Darüber hinaus war der gebürtige Magdeburger Gastprofessor an mehreren deutschen Universitäten. Bis 2013 war er Kanzler des Ordens „Pour le Mérite“ für Wissenschaften und Künste. 18 Jahre lang zudem Vorsteher des Evangelischen Stifts (1987 bis 2005).

Der Theologe war darüber hinaus Ehrendomprediger in Berlin. Fast 30 Jahre war Jüngel Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und beteiligte sich in Zeitungsartikeln und Vorträgen immer wieder an politischen Diskussionen. Seine Bücher zur Rechtfertigungslehre und zum Tod wurden zu Standardwerken der Systematischen Theologie. Als Jüngels wichtigstes Buch gilt „Gott als Geheimnis der Welt“ aus dem Jahr 1977.

Zuletzt lebte Jüngel durch eine Krankheit, die ihm etwa das Lesen unmöglich machte, zurückgezogen. Am gestrigen Dienstag starb er mit 86 Jahren in Tübingen.

Die Evangelische Landeskirche zum Tod Jüngels

Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July hebt in seiner Würdigung die Bedeutung Eberhard Jüngels für die Evangelische Landeskirche in Württemberg hervor: „Kaum ein Theologe des 20. Jahrhunderts hat Theologinnen und Theologen in ihrem Denken und Glauben so stark herausgefordert und zugleich so nachhaltig geprägt und beglückt wie Eberhard Jüngel. Das gilt besonders für die Pfarrerinnen und Pfarrer in Württemberg. Mir persönlich bleibt neben dem Tübinger Lehrer besonders der Prediger in Erinnerung. Eberhard Jüngels Theologie, die Gott als Geheimnis der Welt denken konnte, kann uns auch in Zukunft im Glauben und im Nachdenken über den Glauben stärken und ermutigen. Unsere Landeskirche hat ihm viel zu verdanken.“

„Eberhard Jüngel wird uns in Erinnerung bleiben als Exeget und Hermeneut, dem nichts wichtiger war, als das Evangelium zum Leuchten zu bringen“, ergänzt Gabriele Wulz, die Eberhard Jüngel seit ihrer Arbeit als Studieninspektorin eng verbunden war. „In seiner Wortverkündigung hat er weit über die akademische Welt hinaus Menschen berührt und einen neuen Zugang zum Glauben eröffnet. Sein Vortrag vor der EKD-Synode in Leipzig zum Thema „Mission“ hat maßgeblich dazu beigetragen, diese Dimension kirchlichen Handelns in ein neues Licht zu stellen. Unvergessen bleibt sein Einsatz für die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre. In diesem Sinne war Eberhard Jüngel ein wahrhaft ökumenischer Theologe.“

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Erstellt:
29. September 2021, 12:01 Uhr
Aktualisiert:
29. September 2021, 12:01 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. September 2021, 12:01 Uhr

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