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Ministerbesuch auf Wasserwegen

Umgestaltung: Die neuen Betten der Bäche

Franz Untersteller schaute sich in Tübingen an, wie die Ammer umgestaltet wurde. Auch in der Weststadt und am Neckar wird demnächst revitalisiert.

31.07.2018

Von Ulrich Janßen

Unterwegs am Ammerzonas: Franz Untersteller (rechts mit Hut) wurde am gestrigen Montag von einer kleinen Delegation begleitet. Bild: Metz

Ammerzonas“ nennen manche Leute schon das luftige kleine Ammertal bei der Freiacker- und Rappstraße in der Tübinger Weststadt. Dort hat die Stadt Tübingen im Jahr 2014 für 360 000 Euro (von denen das Land die Hälfte übernahm) den einst öde und kurvenlos dahineilenden Bach in ein munter plätscherndes Gewässer mit Naherholungscharakter verwandelt. „Renaturierung“ wird so ein Flussumbau immer noch oft genannt, dabei geht es eigentlich um „Revitalisierung“, um eine ökologische, aber auch städtebaulich ansprechende Wiederbelebung der einst als Energielieferanten und Müllschlucker genutzten Gewässer.

Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller schaute sich am gestrigen Montagnachmittag ganz begeistert die aparte Oase an, die in der Weststadt geschaffen wurde. Die Anwohner in den Neubauten sind, von gelegentlichen Beschwerden über Lärm abgesehen, mit dem Bach vor der Tür sehr zufrieden. Und die Natur ist es offenbar auch: Sogar ein Biber wurde dort schon gesichtet.

Auf insgesamt 9,6 Kilometern durchquert die Ammer die Stadt Tübingen. Noch ist ein großer Teil davon ökologisch und optisch wenig attraktiv, teilweise verläuft der Bach sogar unterirdisch. Doch das soll sich, wenn es nach dem Willen von Cord Soehlke geht, nach und nach ändern. Der Erste Bürgermeister begrüßte gestern gemeinsam mit Regierungspräsident Klaus Tappeser und Landrat Joachim Walter den Gast aus Stuttgart, der mit seinem knapp zweistündigen Ammer-Spaziergang eine sommerliche Rundtour startete, die ihn zu etlichen renaturierten Gewässern im Land führt. Denn die „Revitalisierung“ der Gewässer ist dem 61-jährigen Grünen-Politiker ein besonderes Anliegen, wie er gestern betonte.

Nach einer Einführung von Heike Weißer vom Tiefbauamt führte Soehlke dem Gast zunächst stolz sein neues Domizil vor, ehe es nach draußen in den Hinterhof des grundsanierten Technischen Rathauses ging. Dort tritt die alte Ammer jetzt deutlich kurviger in Erscheinung als früher. Soehlke wünscht sich, dass der kleine, momentan noch etwas karge Platz perspektivisch einmal den Alten Botanischen Garten fortsetzt.

Dass für die 493 000 Euro teure „Revitalisierung“ der Ammer an dieser Stelle alte Bäume gefällt werden mussten, hat nicht allen Nachbarn gefallen. Soehlke betonte aber, ebenso wie Franz Untersteller, dass der ökologische Mehrwert den Verlust der Bäume rechtfertige. Sandra Bergmann, Biologin im Regierungspräsidium, erklärte: „Da wimmelt es jetzt von Leben.“

Untersteller weiß, wie heftig im Land jeder gefallene Baum beklagt wird. Er betonte deshalb, dass „wir in Baden-Württemberg keinen Mangel an Bäumen haben“. Der studierte Landschaftsarchitekt sah aber nicht nur die ökologischen Vorzüge der Revitalisierungsaktionen. Er betonte auch den städtebaulichen Zugewinn: „Wir gewinnen Stadtbildqualität und Raum für Naherholung.“ Die revitalisierten Gewässer würden „von der Bevölkerung super angenommen, die sind hochakzeptiert.“

Soehlke möchte deshalb den Umbau der Ammer gern fortsetzen. In Lustnau wurde der Bach schon renaturiert, doch hofft der Erste Bürgermeister jetzt auf einen Grüngürtel, der entlang der Ammer durch die Stadt führt. Potenzial sieht Soehlke vor allem im Westen von Tübingen, wo die Ammer an den einstigen Zanker-Fabrikhallen vorbeifließt.

Eine revitalisierte Ammer und dazu ein bequemer West-Ost-Fahrradweg könnten das Stadtviertel deutlicher attraktiver machen: „Da wird es“, sagte Soehlke an die Adresse des Ministers, „sicher noch zu einigen Förderanträgen kommen.“ Bei Revitalisierungsmaßnahmen übernimmt das Umweltministerium derzeit 85 Prozent der Kosten (was beim Projekt hinter dem Technischen Rathaus immerhin 419 000 Euro ausmacht). Soehlke ließ es deshalb an Dank nicht fehlen. „Wir fühlen uns vom Land außerordentlich gut unterstützt“, versicherte er dem Minister.

Auch der Neckar soll revitalisiert werden

Noch strömt der Neckar nordöstlich des Stauwehrs pfeilgerade durchs Stadtgebiet, doch könnten auch hier bald kleine künstliche Inseln und die eine oder andere sanfte Kurve den Lauf des Flusses bremsen. Einen „Flußpark Neckaraue“ möchte die Stadtverwaltung zwischen Tennisclub und Ruderverein errichten, um vor allem den Bewohnern der neuen Baugebiete (Güterbahnhof, Alte Weberei, Hundskapfklinge) etwas mehr Naherholung zu bieten. Dass dies in der Stadt durchaus umstritten ist, verschwieg Soehlke gestern nicht. Die Gärtnerei des Vereins für Psychiatrie befürchtet ebenso wie der Tennisclub und der Rudervererein, dass sie Gelände und Übungsflächen verlieren. „Ich habe mit allen gesprochen“, erklärte Soehlke dazu, „und bin überzeugt, dass wir gute Lösungen finden.“

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Erstellt:
31. Juli 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
31. Juli 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2018, 01:00 Uhr

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