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Neues vom Bau der B 28 neu

Die „ideale Straße“ nimmt Gestalt an

Noch 2019 soll die B 28 neu von Tübingen bis Bühl befahrbar sein, das Projekt wird viel teurer als erwartet. Ein Baustellenbesuch mit Regierungspräsident Klaus Tappeser.

18.05.2019

Von Moritz Hagemann

Projektleiter Johannes Fleig (rechts) erklärt, wie es auf der B 28-Baustelle weitergeht. Mit ihm zu sehen sind (von links): Baureferatsleiter Gunther Junginger, RP-Pressesprecher Dirk Abel, Regierungspräsident Klaus Tappeser und Jeanine Großkloß (Mitarbeiterin aus der Presse- und Koordinierungsstelle). Bild: Anne Faden

Es ist eine komfortable Situation derzeit: Bis 2030 stehen dem hiesigen Regierungspräsidium 1,8 Milliarden Euro für den Straßenbau zur Verfügung. „Wir kommen vielfach gar nicht hinterher, das Geld zu verbauen“, sagte Baureferatsleiter Gunther Junginger gestern.

Deshalb sei es auch „von der Finanzierung her kein Problem“, dass sich die Kosten für den Streckenabschnitt Tübingen - Rottenburg seit dem Planungsbeginn vor 20 Jahren von 34 auf nun insgesamt rund 60 Millionen Euro erhöht haben. Das liege unter anderem an der konjunkturellen Situation und der Inflation. Auf Zauneidechsen und Schlingnattern musste Rücksicht genommen werden. Und an der Kreuzung der Bahnlinie, deren Baukosten nicht gedrittelt (Bund, Bahn, Gemeinde), sondern vom Bund nach neuer Rechtslage alleine getragen werden müssen.

Am Freitagmorgen wurde im Beisein von Regierungspräsident Klaus Tappeser an der Anschlussstelle Bühl-Bonlanden über den Baufortschritt gesprochen. Just an jener Stelle, bis zu der der Verkehr schon ab Ende 2019 von Tübingen aus über die neue Trasse laufen soll. Dann muss über die neue Brücke (vorbei am Bühler Netto-Markt) wieder auf die L 370 gefahren werden. Inzwischen ist die Straße deutlich im Landschaftsbild zu erkennen.

Der Streckenabschnitt der neuen B 28 von Bühl bis zum Knoten Rottenburg Ost soll noch in diesem Sommer europaweit ausgeschrieben werden. Der Baubeginn ist für August 2020 geplant. Insgesamt erstreckt sich der Bauabschnitt über 6,7 Kilometer vom Anschlussknoten Weilheim bis zur Rottenburger Osttangente. 2021 soll alles fertig sein. 2022 folgt dann noch der Knotenpunkt Rottenburg Ost (die Einmündung der L 370 in die L 375), rund um den „wir noch einige Aufgaben haben, damit der Verkehr dort nicht stecken bleibt“, so Tappeser. Rottenburgs Tiefbauamtsleiter Jürgen Klein sprach davon, die Leistungsfähigkeit durch mehrere Fahrspuren um 50 Prozent steigern zu können. Am Weilheimer Knoten sollen zwei Kreisverkehre für den Fluss sorgen.

Was sind nun die nächsten Schritte? Im August ist Baubeginn für eine Lärmschutzwand in Kilchberg. Im Herbst müssen zwei Brücken auf Kiebinger und Bühler Gemarkung gebaut werden. Mit Wirtschaftswegeunterführungen wurde in Bühl und Kilchberg bereits begonnen, im Mai 2020 sollen diese fertig sein. Besonders die Arbeiten an den Schienen sind dabei eine Herausforderung, weil sie in einem Zeitfenster von 72 Stunden vollzogen werden müssen.

L 370 in Weilheim lange gesperrt

Und dann wäre da noch die Kreuzung der L 370 mit der Bahntrasse in Weilheim. Da soll ab Mitte 2020 in etwa anderthalb Jahren eine Überführung gebaut werden, die eine Straßenvollsperrung notwendig macht. Weilheim ist dann entweder über Bühl oder über Derendingen zu erreichen. „Der Bau entlang von Schienen ist immer mit extremen Sicherheitsbedingungen verbunden“ – so erklärt Projektleiter Johannes Fleig die Dauer dieser Arbeiten. Das führe etwa dazu, dass stets ein Sicherungsposten vor Ort sein und vieles bei Nacht geschehen muss.

Tappeser nannte die B 28 „die ideale Straße“, weil sie Ortsdurchfahrten entlaste und die Zerschneidung der Natur ohnehin durch die parallel verlaufende Bahnlinie gegeben sei. Und weil im Tübinger Regierungsbezirk Autobahnen nur in den Randregionen zu finden sind, „haben für uns Bundesstraßen die Funktion von leistungsfähigen Fernstraßen“. Die müssen auch so konzipiert werden, dass sie immer mehr und immer schwerer werdende Lkw tragen können. „Die Amazons und Googles feiern fröhliche Urstände, deshalb brauchen wir die Straßen“, spielte Tappeser auf den zunehmenden Lieferverkehr an.

Die Beteiligten haben seit Beginn des Bauabschnittes von Weilheim nach Rottenburg im Jahr 2016 einige Aufgaben erledigt und Überraschungen erlebt. Etwa 300 entschärfte Stabbrandbomben, 150 Kilo Munitionsteile und eine Handgranate als Kriegsüberbleibsel im Baufeld (wir berichteten). Und: „Die Kampfmittelsondierungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagte Fleig. Archäologische Grabungen gab es in zwei Feldern. Im Bereich des Queck-Baggersees musste eine Kleingartensiedlung abgebaut, Kies aufgeschüttet und auf die Tierpopulation geachtet werden. Fleig fasste zusammen: „Es tut sich immer was, auch wenn man es nicht auf Anhieb sieht.“

Die anderen Projekte

Auch die anderen Straßenbauprojekte des Tübinger RP sind „auf einem guten Weg“, sagte Regierungspräsident Klaus Tappeser. Für den Ausbau der B 27 zwischen Nehren und Bodelshausen sollen die Planungen Anfang 2020 öffentlich ausgelegt werden. „Da gehen wir neue Wege“, so Tappeser. Erstmals will das RP dazu eine eigene Bürgersprechstunde mit Fachleuten anbieten. Beim Schindhaubasistunnel werden die Entwurfspläne Mitte 2019 fertig und können dann den Ministerien zur Freigabe vorgelegt werden.

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Erstellt:
18. Mai 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
18. Mai 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 18. Mai 2019, 01:00 Uhr

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