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Tübingen

Der 25. Umbrisch-provenzalische Markt ist eröffnet

Ein Hauch von Mittelmeer ist wieder in der Stadt: Ein Rundgang zur Eröffnung des 25. Umbrisch-provenzalischen Marktes in Tübingen.

12.09.2019

Von Moritz Hagemann

Die Glocke hat am Mittwoch noch nicht 13 Uhr geschlagen, da greifen Hungrige in der Neckargasse schon eifrig auf das Tablett und schnappen sich den Ziegen-Camembert von Luca Di Castraberte zum Probieren. „Wir haben Kunden, die jedes Jahr wieder kommen“, sagt der Italiener, der zum achten Mal dabei ist. Ein paar Meter weiter schlürfen die Ersten bereits einen Gin Tonic in der Mittagssonne, während sich ein Lavendel-Duft über die Tübinger Altstadt legt. Bis Sonntag ist in den Gassen wieder Umbrisch-provenzalischer Markt (UPM).

Mit den Fahnenschwingern aus Gubbio und einigen Reden (siehe Infobox) wird der UPM dann offiziell auf dem Marktplatz eröffnet. OB Boris Palmer spricht von „der fünften Jahreszeit“, die mit dem UPM in Tübingen eingeläutet wird – die närrischen Freunde mögen es ihm verzeihen. Palmer wendet sich direkt an die Marktbesucher: „Genießen Sie!“, sagt er. Aber auch, dass die Gäste im Geldbeutel doch den ein oder anderen Euro für die Tübinger Händler in zweiter Reihe, in den Ladengeschäften übrig lassen sollen. Gar nicht so einfach, weil der UPM teils hochpreisig ist. Palmer trägt ein Polohemd aus Perugia – ein Gastgeschenk. Ein solches gibt es auch aus Frankreich: sechs Liter Wein.

Als Palmer spricht, gehen bei Stephane Ribon am Stand neben dem Sprecherpodest schon viele Becher mit der beliebten Fischsuppe über den Tresen. Generell bleibt kulinarisch kein Wunsch offen: In der Neuen Straße ist das Interesse am Porchetta der Familie Granieri um die Mittagszeit riesig. Ihr Spanferkel im Holzofen basiert auf einem Familienrezept aus dem Jahr 1916. Auch die Nudeln mit Trüffelsoße sind wieder auf vielen Tellern zu sehen. Viele nutzen den Markt, um während ihrer Mittagspause den Appetit zu stillen.

Sergio Castellani hat aus Perugia eine Maschine mitgebracht, die sein Bier in der Neuen Straße direkt in Dosen packt. Bild: Erich Sommer

Direkt neben dem Porchetta-Stand verkauft Vincenzo Aliani Weine. Zuhause in Perugia betreibt seine Familie das „Castello Di Ramazzano“, ein außergewöhnliches Hotel mit urigem Weinkeller, das sich bester Online-Bewertungen erfreut. „Es gibt viele Tübinger, die bei uns Urlaub machen“, erzählt er. Zum achten Mal hat er seine Zelte in Tübingen aufgeschlagen. „Immer wieder kann ich hier einheimische Menschen grüßen, das ist eine besondere Atmosphäre.“

Nicht auf Wein, sondern auf Bier setzt Sergio Castellani. Genauer gesagt: umbrisches Craft Beer. „Wir packen sehr viel Fantasie in unsere Biere“, sagt er. Und ordentlich Alkohol. Sein stärkstes Bier hat 10 Prozent. Von ungefähr kommt das nicht: „Normalerweise brauen wir in englischem Stil, aber wir haben auch mal die finnische Art probiert.“ Zum vierten Mal ist er dabei. Beliebt seien Manigolda, ein Sommerbier, sowie der Hopinator: Da läuft das Bier durch frische Früchte ins Glas. Castellani schmunzelt: „Die Deutschen haben gutes Bier, aber sie können ein Wochenende auch mal ein anderes trinken.“ Abgefahren ist die Maschine, die auf dem Tresen steht und zum ersten Mal beim UPM dabei ist: Frischgezapftes Bier füllt er zum Mitnehmen in klassische Dosen ab und verschließt diese. Der Nachteil: Es sind Plastikdosen.

Wer dann von der Neuen Straße in Richtung Holzmarkt abbiegt, entdeckt vor der Mauer der Stiftskirche nicht nur Straußen-Salami, sondern auch Dulcinea Perugia, deren Schokolade unter den Probier-Freudigen gern gesehen ist. Besonders zu empfehlen sei die Sorte Gulamerah – eine Zartbitter-Schokolade mit hohem Kakao-Anteil, die ohne Zuckerzusatz auch für Diabetiker geeignet sei, erzählt Noemi Raponi. Während ihre Familie bereits zum 15. Mal den UPM bereichert, ist sie zum ersten Mal hier: „Die Menschen wollen viel wissen“, sagt sie. „Der Markt hat einen besonderen Charme, das merkt man schnell.“ Schnell weg gehen die Tourtons von Michéle und Gilbert Manzo, eine Spezialität aus dem französischen Champsaur, am Stand gegenüber des Neptunbrunnens am Holzmarkt. Die Blätterteigtaschen sollen das Kissen abbilden, auf das Jesus in der Krippe gebettet wurde. Geschmacksrichtungen: Kartoffelgratin, Ratatouille, Spinat, Ziegenkäse. Aber auch Süßes ist drin.

Doch nicht nur für den Gaumen, auch für die Seele hat der Markt etwas zu bieten. Ob Seifen, Gemaltes, Schmuck oder Skulpturen – wie beispielsweise von Boris Bessière neben dem Crêpes-Stand am Marktplatz. Seine provenzalischen Olivenholz-Objekte kämen in der Regel gut an, erzählt er. Ein bisschen fühle es sich in Tübingen „wie im Urlaub an, obwohl ich arbeiten muss“. Ihm gefalle es, dass viele Menschen seine Sprache sprechen und er so in Kontakt mit den Kunden komme.

Dass der 25. UPM in diesem Jahr „seine Silberhochzeit“ (Palmer) feiert, ist nicht nur eine Zahl, sondern zeigt sich im gegenseitigen Miteinander. Luca Di Castraberte – der Mann mit dem Ziegenkäse aus der Neckargasse – sei beispielsweise beim Inhaber des Tübinger Restaurants Stern (Lange Gasse) untergekommen. Doch nicht nur das, erzählt Di Castraberte: „Wir sind gute Freunde geworden, zum Schokomarkt an Weihnachten werden wir auch immer eingeladen.“

Kein Shuttlebus

Als der Markt bereits eröffnet war, trudelte am Mittwoch um 14.34 Uhr eine Pressemitteilung der Stadt ein: Der Shuttle, der die Besucher vom Festplatz zum Busbahnhof bringen sollte, entfällt dieses Jahr. „Der Bus wurde im vergangenen Jahr nur von wenigen Personen in Anspruch genommen“, heißt es darin. Wer dennoch auf dem Festplatz parken möchte, komme mit den regulären Tübus-Linien auch in die Stadt. Unter
www.tuebingen.de/mobil gibt es eine Online-Übersicht, wo und wie viele freie Parkplätze es in der Stadt gibt.

Ein Zeichen der Freundschaft

Europa kriselt. Nicht aber die Freundschaft zwischen Tübingen, Perugia und Aix-en-Provence. „Wir halten die Fahne der europäischen Freundschaft hoch“, sagte Tübingens OB Boris Palmer. Im Hinblick auf Großbritannien und Premierminister Boris Johnson (Palmer: „Der andere Boris, manche können das nicht unterscheiden“), der aus der EU raus möchte, verzichtete Tübingens Stadtoberhaupt auf eine Markteröffnung in englischer Sprache. Stattdessen: Latein. „Vivat, crescat, floreat!“, sagte Palmer – er lebe, blühe und gedeihe. Das gelte für den Markt, aber auch für den Zusammenhalt. Auch der HGV-Vorsitzende Jörg Romanowski, Helmut Doppelgatz vom Aixer Partnerschaftsverein sowie Clara Pastorelli, Wirtschaftsministerin aus Perugia, redeten auf dem Marktplatz. Doppelgatz betonte, dass sein Verein mit Austauschen möglichst junge Menschen erreichen wolle. Denn: „Oft ist es heute so, dass Europa sie entweder nicht interessiert oder so selbstverständlich ist, dass nicht darüber gesprochen wird“, sagte Doppelgatz. Pastorelli sprach von „einem perfekten Dreieck zwischen diesen drei Städten“, das beim UPM gefeiert werde.

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Erstellt:
12. September 2019, 06:30 Uhr
Aktualisiert:
12. September 2019, 06:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. September 2019, 06:30 Uhr

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