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Unglück

Die Zirkusgemeinde trauert

Die fünf Opfer des tragischen Unfalls nahe Nagold gehörten Zirkusfamilien an. Zur Beisetzung am Samstag werden hunderte Gäste erwartet.

17.08.2017

Von MADELEINE WEGNER

Zeichen der Trauer an der Unfallstelle bei Nagold. Foto: dpa

Mötzingen. Mehr als zehntausend Kerzen sind auf der Kondolenz-Seite für die verunglückten jungen Menschen bereits entzündet. Die Anteilnahme am Tod der fünf Opfer des tragischen Unfalls bei Nagold (Kreis Calw) ist groß. Mittlerweile ist zudem gewiss, dass es sich um Mitglieder von internationalen, fahrenden Zirkusfamilien handelt. Am Samstagnachmittag sollen sie in ihrem Wohnort Mötzingen (Kreis Böblingen) beigesetzt werden. Die Familien erwarten viele Trauergäste aus der ganzen Bundesrepublik und aus dem Ausland.

„Die Zirkusfamilien sind gut vernetzt und haben weite verwandtschaftliche Beziehungen. Wir rechnen mit 500 bis 2000 Trauergästen“, sagt der evangelische Pfarrer Johannes Bräuchle, der seit Jahren die Schausteller und Zirkusleute in Süddeutschland betreut. Er wird auch die Trauerfeier am Samstag leiten. Gestern trafen sich Vertreter der Gemeinde Mötzingen, der Hinterbliebenen und der Polizei zu einem Runden Tisch, bei dem es etwa um die Organisation und die Regelung des Verkehrs ging.

Die beiden jungen Frauen – die 25-jährige Fahrerin und ihre 17-jährige Schwester – stammen laut Bräuchle aus „einer der ganz großen Zirkusfamilien“. Zusammen mit dessen Vater war der Pfarrer gestern zum ersten Mal am Unfallort. „Es scheint sich nur um wenige Sekunden gehandelt zu haben, dann wäre das Unglück nicht geschehen. Das ist ganz fürchterlich und macht es umso unbegreiflicher“, sagt Bräuchle. Mit im Auto saßen der 22-jährige Lebensgefährte, der ebenfalls aus einer Zirkusfamilie stammt, sowie deren gemeinsame zweijährige Tochter und ihr wenige Wochen alter Säugling. Am Freitag waren sie in Nagold unterwegs, als ein umkippendes Müllfahrzeug auf ihr Auto stürzte.

Dieser tragische Unfall ist für viele Menschen schwer fassbar. „Einfach weg und es tut so weh. Es gibt keine Worte des Trostes und auf die Frage ,Warum?' wird es keine Antwort geben“, heißt es auf der Kondolenzseite. Ein anderer formuliert: „In diesen schweren Stunden besteht unser Trost oft nur darin, liebevoll zu schweigen und schweigend mitzuleiden.“

An anderer Stelle steht auf der Seite: „Die Familie ist nun vor allem auf finanzielle Unterstützung angewiesen, jede einzelne Spende wird dankbar und von Herzen angenommen. Wir bitten darum, den Familien eine Spende zukommen zu lassen, um in dieser schweren Zeit zumindest die finanziellen Sorgen etwas abzumildern.“

Die Gemeinde Mötzingen hat bereits ein Spendenkonto eingerichtet. Nicht auf Bitten der hinterbliebenen Familien, sondern wegen der vielen Nachfragen und Spendenangebote, hieß es von Seiten der Gemeinde. „Die Anfragen aus der Bevölkerung sind hereingeprasselt bei uns in den vergangenen Tagen. Da wollten wir möglichst schnell reagieren“, sagte eine Sprecherin.

Lautstark beweint

Die Bestattungsfeier am kommenden Samstag wird mit anderen Trauerfeiern nicht vergleichbar sein, sagt Bräuchle. „Das ist eine andere Welt unter Zirkusleuten. Wer da einen Kirchenchor, eine klassische Predigt und große Lebensläufe erwartet, liegt falsch.“ Die Sprache und Bilderwelt der Zirkusleute sei eine andere, daran werde sich auch die Predigt orientieren. Auch werde es nicht schweigend und ruhig zugehen. „Wenn jemand trauert, wird es nicht in sich hineingefressen“, sagt Pfarrer Bräuchle. Die Toten würden lautstark beweint. Bei der Bestattung am Samstag werden Familienangehörige die Särge tragen. Der Säugling soll dabei bei seinem Vater liegen und die Tochter bei der Mutter im Sarg.

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Erstellt:
17. August 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. August 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. August 2017, 06:00 Uhr

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