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Medien

Tübinger Presseclub: Die Autonomie neu erkämpfen

Beim Festakt zu 50 Jahren Tübinger Presseclub focht der CDU-Politiker Günther Oettinger für eine freie Presse als Grundlage der Demokratie.

11.11.2019

Von Mario Beißwenger

Andreas Narr, Presseclub-Vorsitzender und Studioleiter des SWR, gratulierte Franziska Jäger zum 2. Preis für Nachwuchsjournalisten. Neben ihr die erste Preisträgerin Theresa Tröndle, (von links) das Preisgericht mit Rike Uhlenkamp, Prof. Wolfgang Schweiger und Anton Hunger. An der Orgel Presseclub- Vorstandsmitglied Michael Petersen, der mit seiner Band „Lust Like Jazz“ den Vormittag begleitete. Bilder: Ulrich Metz

Die Qualitätspresse ist unter Druck, damit ist die Demokratie in Gefahr.“ Günther Oettinger, früher Ministerpräsident von Baden-Württemberg, dann zehn Jahr EU-Kommissar, sprach Klartext auf dem Jubiläumsfest des Tübinger Presseclubs. Ohne Oettinger wäre es für die rund hundert Gäste fast zu rückbesinnlich geworden beim Festakt in der Alten Aula neben der Tübinger Stiftskirche.

Europa müsse aufpassen, dass es nicht zu einem Open-Air-Museum für die Supermächte China und USA werde, in dem noch ein bisschen liberale Demokratie mit sozialer Marktwirtschaft inszeniert werde. „Im Kampf der Systeme sind wir unterlegen“, hielt Oettinger die aktuelle Lage fest. Es gelte, die wirtschaftliche Innovationskraft zu halten, als Grundlage für die Demokratie.

Ein Teil der Auseinandersetzung sei, dass die klassischen Medien um ihre User kämpfen müssten. Vorraussetzungen dafür sind für Oettinger etwa die Bezahlung von hochgeladenen Online-Inhalten, aber auch faire Bezahlung für Medienbeschäftigte. In Redaktionen wünschte er sich keine Roboter, sondern Typen, unverwechselbare Persönlichkeiten, die ihre Unabhängigkeit nutzen sollten – „wenn der Verleger einen lässt“.

Der CDU-Politiker ging auch auf den Gründungsimpuls des Presseclubs ein, aus dem Schatten der Landeshauptstadt zu treten. Heute gelte es der Gefahr zu begegnen, dass der Großraum Stuttgart unter den Schatten von München falle. Die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) gehöre zur Stuttgarter Zeitungsgruppe. „Da besteht die Gefahr, dass die SZ bald überregionale Berichterstattung für zwei Lokalzeitungen vom Nesenbach liefert, die noch einen guten Sportteil pflegen.“ Das wollte er „den arroganten Bayern“ nicht gönnen.

Andreas Narr, SWR-Studioleiter auf dem Österberg und Vorsitzender des Presseclubs, hielt einen launigen Rückblick, sprach aber auch die aktuelle Lage an. Bedrohlich fand er den Aufstieg der AfD. Die Partei versuche, dem Journalismus seine Legitimation zu entziehen. Außerdem wirkten sich Sparrunden in Tageszeitungen und öffentlichem Rundfunk aus: „Das geht an die Qualität. Das könnte uns weiter schwächen.“

Er blickte selbstkritisch zurück auf die Arbeit des Presseclubs. Dass der liberale CDU-Politiker Andreas Renner 2006 zurücktreten musste, „das hatte sicher auch mit einer zu großen Nähe der Akteure untereinander zu tun“. Dass der SWR-Journalist Martin Born, sein Vorgänger im Amt, ganz entscheidend für den Rücktritt des damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth war, erwähnte er nicht. Das übernahm Oettinger.

Zuletzt nutzte TAGBLATT-Chefredakteur Gernot Stegert, selbst im Vorstand des Presseclubs, das Podium für eine Erklärung. Die Mitglieder verpflichteten sich, weiterhin aktuell und hintergründig als Botschafter der Region zu berichten, ja, zu informieren, um faktenresistenten Meinungen etwas entgegenzusetzen. Den musikalischen Rahmen setzte die Band um das Presseclub-Vorstandsmitglied Michael Petersen.

Laudator Günther Oettinger

2500 Euro für zwei Nachwuchsjournalistinnen

Zum 50-Jahr-Jubiläum finanzierte der

Tübinger Presseclub

aus Mitgliedsbeiträgen zwei Preise.

Theresa Tröndle erhielt den mit 2000 Euro dotierten ersten Preis für ihre zunächst in der „Stuttgarter Zeitung“ erschienene Reportage „Das erste und das letzte Bild“. Sie berichtet über eine Reutlinger Fotografin, die „Sternenkinder“ fotografiert, also Kinder, die tot geboren wurden oder bei der Geburt starben.

Franziska Jäger erhielt 500 Euro für die im Schweizer Magazin „Surprise“ und der Tageszeitung „TAZ“ veröffentlichte Reportage „Zwei die auszogen, das Wohnen zu lernen“. Es ist ein Vergleich der Regelungen, unter denen zwei Obdachlose in Belgien und Esslingen leben. Beide Journalistinnen erarbeiteten die Texte während

ihrer Ausbildung an der „Zeitenspiegel“ Reportageschule in Reutlingen. Zum Wettbewerb gab es 29 Einsendungen von 16 Bewerber/innen.

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Erstellt:
11. November 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
11. November 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. November 2019, 01:00 Uhr

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