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Tübingen

Deutungshoheit

Der Tübinger Amerikanist Prof. Michael Butter beschäftigt sich wissenschaftlich mit Verschwörungstheorien wie etwa zur Mondlandung oder zu den Anschlägen vom 11. September 2001. Über seine Erkenntnisse hat er das erste Buch im deutschsprachigen Raum geschrieben – „Nichts ist, wie es scheint“. Dazu gab es ein Interview in der „Südwestumschau“ im überregionalen TAGBLATT-Teil vom 19. Juni).

25.07.2018
  • Uwe Brauner, Tübingen

Prof. Butter muss sich einiges aufs Brot schmieren lassen. Theorien über große Verschwörungen seien „immer falsch“, sagt er in seinem Buch, weil diese sich nur schwerlich geheim halten ließen. Das Tausende Menschen beteiligende Manhattan-Projekt zur Entwicklung der Atombombe blieb jedoch geheim. Ebenso das Gladio-Programm der Nato, das im Kalten Krieg Hunderte von Aktiven einband. Beim Thema 9/11 lässt ihn sein geschlossenes Weltbild, das gemeinhin Verschwörungstheoretikern attestiert wird, die Expertise von 3000 kritischen Architekten und Baustatikern leichtfertig abtun. Butters Hauptgedanke, in der Politik gäbe es keine langfristigen Geheimplanungen, weil niemand so mächtig sei, sie ohne Abstriche umsetzen zu können, ist unschlüssig und scheint auf der naiven Annahme „unsere Eliten sind nicht böse“ zu beruhen. Bei den Eliten der anderen hingegen sieht er den „sehr wahrscheinlichen Versuch des Kremls“ (Seite 37), die US-Wahlen zu beeinflussen.

Die Deutungshoheit hiesiger Eliten beim Thema Verschwörungstheorien gilt sehr konkret auch im Universitätsbetrieb. Wer sich ihr beugt, darf, wie Butter, gerne europäische Forschungsprojekte leiten. Die Junior-Professur des weniger pflegeleichten Rainer Rothfuß an der Uni Tübingen dagegen wurde 2015 nicht verlängert. Ebenso verweigerte man dem 9/11-Dissidenten Daniele Ganser, den Rothfuß als Gastdozent zu diesem Thema eingeladen hatte, eine angestrebte Professur in der Schweiz. Ihn stempelt Butter mit Segnung von oben als Scharlatan ab.

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25.07.2018, 01:00 Uhr
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