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Rökona hat sich vor allem auf technische Textilien für die Automobilbranche spezialisiert

Der richtige Stoff für den Himmel

Textilien finden sich nicht nur im Kleiderschrank, sondern auch im Auto: Für die Automobilbranche produziert die Firma Rökona aus Tübingen technische Textilien zur Innenausstattung der Fahrzeuge.

05.02.2016
  • LEONIE L. MASCHKE

Tübingen. Riesige Maschinen ziehen bis zu fünf Meter breite Stoffbahnen ein, in zwei anderen werden die Textilien in unterschiedlichen Verfahren eingefärbt. Steht man in der mehrere tausend Quadratmeter großen Produktionshalle des Rökona Textilwerks wird schnell klar, dass hier nicht nur Kleidungstextilien produziert werden. "Wir liefern technische Produkte, weit weg von Stöffchen ", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Arnd-Gerrit Rösch, der das Familienunternehmen in dritter Generation führt.

Gegründet wurde Rökona 1962 als Tochterunternehmen des Textilwerkes Rösch und diente zunächst als Stoff- und Entwicklungslieferant für den Mutterkonzern. Wenige Jahre später expandierte das Unternehmen. Seine ersten technischen Textilien lieferte Rökona an den französischen Automobilhersteller Simca. Heute produziert die Firma zu 90 Prozent Textilien für den Automobil-Bereich, so gut wie alle großen Autohersteller haben zumindest Teile von Rökona in ihrer Innenausstattung. "Bei der letzten Automobilausstellung in Shanghai konnten wir bei jedem Auto sagen: Ah, das ist von Rökona und das ist eine schlechte Nachahmung", sagt Rösch und lacht.

Die Textilherstellung für den automotiven Bereich betrifft vier Gebiete, erklärt der Geschäftsführer Arved Westerkamp: Einer umfasst das Trim, das sind Teile für die Inneneinrichtung, die eher von ästhetischem Nutzen sind, wie die Säulenbekleidung oder der Dachhimmel. Ein weiterer ist die Beschattung, beispielsweise bei Glasdächern. Außerdem werden noch Cabrio-Innenhimmel produziert, sowie Windschutz-Vorrichtungen.

Die Teile werden nach der Produktion von so genannten Systemlieferanten an die Automobilhersteller geliefert, mit denen das Unternehmen schon während der Konzeption in engem Kontakt steht. "Für ein neues Projekt haben wir in der Regel ein dreiviertel bis ein Jahr Zeit", sagt Westerkamp.

Wie der Mutterkonzern Rösch, der unter anderem Unterwäsche herstellt, ist auch Rökona bei seinen Produkten Wandlungen im Design und der Mode unterworfen. "In den 90er Jahren waren zum Beispiel Velour-Dachhimmel in den Autos in Frankreich Standard", sagt Rösch. Heute würde der Trend mehr zu Bicolor-Ansätzen gehen, die einen 3D-Effekt erzeugen.

"Die Originalhersteller wollen auch zunehmend keine Einzelstoffe mehr, sondern solche, die möglichst in alle Modelle hineinpassen", sagt Rösch. Außerdem seien die Anforderungen an die technischen Leistungen der Textilien gestiegen. Beispielsweise sollten sie abriebfest sein. "Das Gesamtkonzept von Qualität und Designkompetenz muss stimmen." Das Unternehmen möchte jedoch von seinen Kunden nicht als reiner Stofflieferant wahrgenommen werden, sondern "als Automobilzulieferer", wie Westerkamp betont.

Die Firma produziert vollstufig, das sei ein Vorteil gegenüber Mitbewerbern, lediglich Garne und Materialien zum Färben würden eingekauft. "Das alles hilft uns, bei Produkten immer einen Ticken voraus zu sein."

Dennoch würden auch sie nicht jeden Auftrag erhalten, aber Westerkamp sieht das gelassen. "Wir wollen uns nicht allen Anforderungen der Automobil-Industrie beugen. Es gibt Preisgrenzen, die wir nicht unterschreiten. Wenn dies ein Mitbewerber aber macht und deshalb den Zuschlag erhält, dann ist das eben so."

Ein weiterer Fokus liege auf der Internationalisierung. Ein Werk in Ungarn und das Joint-Venture in China beliefern den Weltmarkt. Die Herausforderung sei hierbei, die Produkte in gleicher Qualität wie in Tübingen zu produzieren. Die Kunden schätzten den lokalen Anteil, den die Produkte dadurch haben.

Auch wenn fast die gesamte Textilproduktion von Rökona im automotiven Bereich angesiedelt ist, stellt das Unternehmen noch andere Textilien hier. Zum Beispiel für Schutzbekleidung oder im medizinischen Bereich OP-Bekleidung und textile Medizinprodukte.

Im industriellen Bereich werden die Produkte noch genäht, zugeschnitten und verpackt. "Diesen multiple Market wollen wir noch stärker wachsen lassen und ausbauen", sagt Westerkamp. Vor kurzem erhielt Rökona einen Preis für einen besonders widerstandsfähigen und gleichzeitig leichten Schneideschutz für Arbeitskleidung.

Wie sich das Unternehmen idealerweise weiterentwickeln sollte, haben Rösch und Westerkamp klar vor Augen: "Das Werk in Tübingen ist voll ausgelastet, das Werk in China ist voll ausgelastet und das Werk in Amerika - das es bis jetzt noch nicht gibt - ist ebenfalls voll ausgelastet."

Mehrere Jahrzehnte Textil

Geschichte Nach dem 2. Weltkrieg gründete Gerhard Rösch 1949 die Rösch GmbH in Bühl, nahe Tübingen. Das Unternehmen beginnt mit der Produktion von Nachtwäsche, später erfolgt der Umzug nach Tübingen. 1962 wird das Rökona Textilwerk gegründet, das über die Jahre expandiert und sich zu einem eigenständigen Geschäftszweig entwickelt. 1992 wird der Firmenstandort Rösch Kft in Ungarn eröffnet, 2004 das Joint-Venture in Ningbo, China. Seit 2006 ist Arnd-Gerrit Rösch, der Enkel von Gerhard Rösch, der geschäftsführende Gesellschafter von Rökona. Inzwischen beliefert das Unternehmen bis zu 27 Länder.

Umsatz Der gesamte Konzern, ohne das Joint-Venture in China, macht einen jährlichen Umsatz von etwa 60 Millionen Euro. Im Bereich der Trim und Beschattung seien sie wahrscheinlich "Marktführer in Europa", sagt Rösch.

Mitarbeiter 600 Menschen arbeiten weltweit im Konzern. Bei Rökona selbst arbeiten 283, zusammen mit Rösch sind es 380. Anfang der 1970er Jahre wurde für die Kinder der Mitarbeiter ein Betriebskindergarten eröffnet. lema

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05.02.2016, 08:30 Uhr
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