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Öffentlicher Nahverkehr

Der Tarif-Dschungel bleibt vorerst

Naldo will das Fördergeld des Landes nicht annehmen, plant aber ein Angebot für unter 25-Jährige.

14.09.2018
  • sg

Stuttgart hat es gerade vorgemacht: Der Verkehrsverbund verschlankt seine Tarifzonen zum 1. April 2019 drastisch von 52 auf 5. So wird das Fahren mit Bussen und Bahnen einfacher und günstiger. Die Landesregierung fördert das mit 42 Millionen Euro über sechs Jahre und will auch andere Regionen unterstützen. Die Kunden von Naldo, dem Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau, werden aber vorerst nicht davon profitieren.

Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Baden-Württemberg müsse für die Bürger attraktiver werden, sagte Landesverkehrsminister Winfried Hermann gestern in Stuttgart. Das heißt für ihn: „Die ÖPNV-Tickets müssen einfacher und preiswerter werden.“ Das Land will dafür tief in die Tasche greifen, fordert aber auch viel. In der Pressemitteilung des Ministeriums heißt es: „Entsprechend sollen nur diejenigen Maßnahmen gefördert werden, die mit einem tiefgreifenden Eingriff in die bestehenden Tarife verbunden sind und allen Fahrgästen zu Gute kommen. Kleinere Einzelmaßnahmen, die sich nur auf einzelne Tarifangebote oder bestimmte Fahrgastgruppen beschränken, wirken bezüglich des gesetzten Ziels nicht und sollen daher nicht gefördert werden.“ Das heißt: Reduziert werden muss die Anzahl der Tarifzonen/-waben um mindestens 50 Prozent oder die Zahl der Tarifangebote um 30 bis 50 Prozent oder die der Preisstufen um 30 bis 50 Prozent. Möglich sind auch Zusammenschlüsse von Verbünden.

Naldo gehen diese Kriterien zu weit. Geschäftsführer Dieter Pfeffer begrüßte auf TAGBLATT-Nachfrage zwar das Förderprogramm als „generell sinnvoll“. Doch es sei „auf Naldo nicht gerade zugeschnitten“. Naldo sei räumlich größer als der VVS und habe bisher nur 5 Preisstufen. Das Zusammenlegen von Waben würde die Probleme nur auf die neuen Grenzen verlagern, so Pfeffer. Und bei den Angeboten wolle Naldo nicht reduzieren, sondern plane gerade ein neues attraktives Ticket für unter 25-Jährige.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer findet: „Wir sollten da zugreifen. Zum Beispiel bekommt man für eine Halbierung der Wabenzahl die Kosten eines ganzen Jahres vom Land als Zuschuss. Zwei Waben zwischen Tübingen und Rottenburg machen die kurze Fahrt zu teuer. Eine gemeinsame Wabe wäre richtiger. Auch nach Ammerbuch, Dußlingen und K‘furt ist es wegen der Wabengrenzen für die kurze Fahrt zu teuer. Eine Großwabe für Tübingen und eine für Reutlingen wäre richtig. Besser verständlich würde es auch.“

Was Naldo ist

Der Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau, kurz Naldo, ist ein Zusammenschluss der Landkreise Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und des Zollernalbkreises sowie der Verkehrsunternehmen der Region für den Öffentlichen Personennahverkehr. Seit 2002 gibt es einen einheitlichen Fahrschein. Auf 13 Eisenbahn- und 275 Buslinien sind pro Jahr 74 Millionen Fahrgäste unterwegs.

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14.09.2018, 01:00 Uhr
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