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Ironischer Imagefilm mit Palmer

Das ist Satire, du Blödmann!

Helge Thun hat als Dozent mit Studierenden der Medienwissenschaften einen Film gedreht. Er würde seiner Comedystube alle Ehre machen. Denn der Film ist eine Parodie.

28.07.2016
  • Peter Ertle

Er tut so, als sei er einer dieser Imagefilme, die Konzerne, Touristikverbände, Parteien, Städte oder Universitäten anfertigen lassen. Ewig lächelnde Menschen, die ihren Betrieb, ihre Stadt, ihre Partei, kurz: das Produkt, das sie verkaufen wollen, in höchsten Tönen anpreisen. In diesem Fall ist das die Universität, angepriesen von hübschen Studentinnen, die allerlei Phrasen von sich geben wie: „Als Studentin der Universität Tübingen lebe ich meinen Traum“, oder „Das Miteinander steht bei uns im Mittelpunkt.“

Nun ist das Filmchen auf Facebook gelangt. Unter anderem hat es der Oberbürgermeister, der ebenfalls einen Kurzauftritt hat, dort hin gestellt, und zwar mit den Worten „Der offizielle Imagefilm unserer Eliteuniversität. Hoch professionell. Glückwunsch an Rektor Engler.“ Schön mitgespielt, Herr Palmer!

Was folgte, kann einen Journalisten nicht überraschen. „Ironie nie!“ lautet ein Motto unserer Zunft, an das wir uns bloß selbst nicht immer halten, weil wir uns ungern eines nützlichen Stilmittels berauben. Tatsächlich aber wird Ironie (sogar wenn zwischendrin mit Zaunpfählen gewunken wird) erschreckend oft überhaupt nicht verstanden – sobald sie außerhalb von Satirezeitschriften oder Comedyabenden eingesetzt wird. Also zum Beispiel auf Facebook, wo der Film reihenweise für echt gehalten und in allen Abstufungen zwischen „nicht so gelungen“ und „fassungslos schlecht“ abgekanzelt wird. Man könnte glatt auf die Idee kommen, auch die Kommentare seien inszeniert, um den Kritikern um so triumphierender zurufen zu können: DAS IST SATIRE, DU BLÖDMANN! Die so zurecht Gewiesenen werden übrigens erst recht bockig und grummeln einfach weiter: Das sei auch als Parodie schlecht. Das könne man viel besser machen!

Kann man? Ja sicher, wenn besser subtiler, raffinierter, nicht sooo dick aufgetragen bedeutet.

Augenblick mal, müssen wir vielleicht Abbitte leisten? Bedeutet das Verwechseln von Parodie und Realität eventuell gar nicht, dass alle, die auf den Film reinfielen, nicht so helle sind? Und auch nicht, dass der Film so großartig ist? Sondern vielmehr, dass manche dieser Imagefilme tatsächlich elend platt sind und genau deshalb eine Verwechslung möglich ist? Was dann, ähäm, doch wieder hieße, dass der Film gelungen ist? Ein Vorschlag zur Güte.

Doch so gütig sind wir nicht. Wer das mit dem Film nicht kapiert hat, hat entweder nicht richtig hingeschaut oder kein Unterscheidungsvermögen mehr, wirklich. Aber so ist das heute: Alles wird geglaubt. Und gleichzeitig nichts mehr. Wir von der Lügenpresse wissen das.

Ach so. Ja. Also das war jetzt zum Beispiel Ironie.

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28.07.2016, 21:07 Uhr
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