Skispringen

Daniel André Tande ist zurück

Vor heimischer Kulisse absolvierte der Norweger zum ersten Mal seit seinem schweren Sturz im März einen Wettkampf.

21.09.2021

Von HENRI GALLBRONNER

Dorthin will er wieder zurück: Daniel André Tande bei einem seiner letzten Auftritte beim Weltcup-Springen im Februar im rumänischen Rasnov. Foto: TAD /Eibner-Pressefoto

Oslo. Daniel André Tande ist zurück. Beim Auftakt des Continental-Cups der Skispringer auf dem Osloer Midtstubakken war er zwar froh, endlich wieder dabei zu sein – hinterher aber genervt wie eh und je. Der Grund für die Unzufriedenheit: Der Skiflug-Weltmeister von 2018 hatte die Ansprüche nicht erfüllt. Seine eigenen wohlgemerkt. Mit Sprüngen auf 99 und 99,5 Meter landete er auf dem neunten Platz.

„Ich erwarte immer, um den Sieg mitzukämpfen, egal was passiert“, sagte er dem norwegischen Nachrichtenportal Nettavisen. Allerdings hatte er sich die Messlatte höher gelegt, aber nicht einmal den Wettkampfanzug herausgeholt. Anfang der Woche, so der 27-Jährige habe er einige „verflucht gute“ Sprünge gemacht: „Da habe ich natürlich erwartet, dass es jetzt auch so geht. Aber das klappt beim Skispringen nicht immer.“

Trainer ist zufrieden

Zufriedener als der Sportler selbst war Nationaltrainer Alexander Stöckl. „Es ist einfach gut, ihn wieder im Wettkampf springen zu sehen“, fasste der Österreicher zusammen, was viele dachten. Auch dass Tande nach seinem zweiten Sprung deutlich angesäuert war, fand sein Coach einfach nur gut: „Das sagt alles.“ Der Ehrgeiz sei ihm jedenfalls nicht abhanden gekommen: „Natürlich geht bei einem Wettkampf immer der Puls hoch. Dann machst du auch mal einen Fehler.“ Was Tande jetzt brauche, sei möglichst viel Wettkampfpraxis: „Ich freue mich jedenfalls auf die Fortsetzung.“

Noch vor einem halben Jahr war es fraglich, ob Daniel André Tande je wieder würde springen können. Am 25. März war er beim Probedurchgang vor dem Skiflug-Weltcup im slowenischen Planica aus großer Höhe mit voller Wucht auf den Vorbau geknallt. Er verlor das Bewusstsein, rutschte den gesamten Hang hinunter. Tande wurde notversorgt, musste beatmet werden und wurde im Krankenhaus ins künstliche Koma versetzt. Die Ärzte berichteten später, dass der Norweger zwei bis drei Minuten ohne Puls gewesen sei. Hirnblutungen, die Lunge verletzt, das gebrochene Schlüsselbein wurde noch in Slowenien mit zehn Schrauben fixiert.

Tande erzählte Monate später im Interview, welches das norwegische Team über Social Media verbreitet hatte, auch von den Ängsten, die seine Familie ausgestanden habe. Sei seien besorgt gewesen, weil eine der Blutungen in dem Bereich des Gehirns gewesen sei, der für die Persönlichkeit verantwortlich ist. „Wäre die Blutung zu stark gewesen, hätte ich als eine andere Person wieder aufwachen können“, so Tande.

Mitte April wurde der 27-Jährige aus dem Krankenhaus entlassen, einen Monat später kehrte er ins Team zurück. Im August stand er wieder auf einer Schanze. Den fatalen Sturz kennt er nur vom Video. Die Tage in Slowenien seien aus seinem Gedächtnis gelöscht. Wahrscheinlich sei das alles deshalb für Freundin, Familie und auch die Teamkollegen sogar traumatischer als für ihn selbst.

Mit ein wenig Abstand zu seinem ersten Wettkampf in Oslo konnte Tande einige Stunden später auch etwas entspannter auf seine Rückkehr blicken. „Ich kann mich nicht beklagen. Es hat Spaß gemacht“, gab er zu Protokoll: „Aber es geht natürlich noch besser.“

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Erstellt:
21. September 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. September 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. September 2021, 06:00 Uhr

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