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Belsen · Nostalgie

„Für manche die einzige Quelle“: D-Mark für die Automaten

Das Tübinger Boxenstop-Museum muss noch heute in Belsen Euro gegen Mark tauschen, um die alten Spielzeuge am Laufen zu halten.

17.05.2020

Von cay

Fritz Jetter, Mitarbeiter vom Tübinger Boxenstop-Museum tauscht in Inge Trautmanns D-Mark-Lädle in Belsen Münzen ein. Bild: Amancay Kappeller

Am vergangenen Mittwoch kam Fritz Jetter, Mitarbeiter vom Tübinger Fahrzeug- und Spielsachen-Museum „Boxenstop“, in D-Mark-Mission nach Belsen. Aber nicht, um alte Währung loszuwerden, sondern um Euro gegen Mark zu tauschen. „Wir haben im Museum verschiedene Attraktionen, die nur mit Mark und Pfennig funktionieren“, erzählt Jetter. Da ist zum Beispiel der französische Fußball-Spielautomat, in den man 50 Pfennig wirft und aus dem dann ein Ball geschossen kommt. Oder eine Kirche, in der eine Trauung stattfindet. Und natürlich die Affenbox aus den 1950ern, die wie eine Musikbox funktioniert.

Das Museum in der Tübinger Brunnenstraße könnte die Automaten auch umrüsten: Der besondere Charme bei den Geräten liegt aber darin, dass die Besucher sie nach wie vor mit der Original-Währung füttern können. „Wir machen das so lange wie möglich mit D-Mark“, sagt Jetter. Er sei heilfroh, im Lädle noch Markstücke und 50-Pfennig-Münzen zu bekommen. Zwei Mal im Jahr wird in Belsen Nachschub geholt. „Ich bin für manche noch die einzige Quelle“, weiß Trautmann. Bei der Landeszentralbank etwa kann Euro nicht mehr gegen Mark getauscht werden – nur noch umgekehrt.

Über rund 50 Mark in Münzgeld freut sich Jetter am Mittwoch. Trautmann hat es extra fürs Boxenstop beiseite gelegt. So ist der Betrieb der beliebten Museums-Automaten wieder für eine Weile gesichert. Denn mit einem „natürlichen Schwund“ des alten Geldes muss das Museum klarkommen. 50 Cent pro D-Mark Münze verlangt das Boxenstop. Manche D-Mark-Enthusiasten nehmen sich dafür Erinnerungsstücke mit.

Corona sorgt für Funde

Zum 100. Jubiläum im Jahr 2011 dachte sich Inge Trautmann, Betreiberin des kleinen Belsener Gemischtwaren-Geschäfts „s´Lädle“, eine besondere Aktion aus: Wer bei ihr einkaufte, konnte dort nun nicht mehr nur mit Euro, sondern auch wieder mit D-Mark bezahlen (für die Jüngeren: Das war die Währung in Deutschland vor Einführung des Euros). Trautmann landete damit einen großen Coup. Die Aktion war der Renner, von weit her kamen Kunden, um die alte Währung, zu Hause in Schublade oder alten Socken aufgestöbert, zu Nudeln, Milch oder Gemüse zu machen.

Noch immer ist keine Erschöpfung der D-Mark-Bestände abzusehen. Nach wie vor wird im „D-Mark-Lädle“ mit Mark und Pfennig eingekauft. „Man hat in letzter Zeit gemerkt, dass die Leute wegen der Corona-Krise viel Zeit hatten, zu Hause aufzuräumen“, berichtet Inge Trautmann. Ein Kunde kam mit Dosen voll mit D-Mark, die er im Kohlenkeller gefunden hatte.

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Erstellt:
17. Mai 2020, 06:30 Uhr
Aktualisiert:
17. Mai 2020, 06:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2020, 06:30 Uhr

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