Infektion

Corona-Tests: Sicher oder schnell?

Schulträger haben die Wahl zwischen Antigen-Schnelltests oder PCR-Pooltests. Was für Schüler in der Anwendung angenehm ist, stellt die Schulen mitunter vor Probleme.

14.10.2021

Von ELISABETH ZOLL

Einmal kräftig am Teststäbchen nuckeln und beißen und schon ist der PCR-Test fertig. Doch für Schulen beginnt nach der Speichelprobe die logistische Herausforderung. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Die Stimmung ist mitunter gereizt bei Elternabenden in den Schulen. Wie sollen Schüler auf das Coronavirus getestet werden? Mit Antigen-Tests, die schnell, aber nicht immer zuverlässig sind? Oder mit PCR-Pooltests, die mehr Verlässlichkeit bieten, aber von manchen Schulen als zu aufwändig abgelehnt werden?

„PCR-Pooltests sind eine feine Sache“, sagt Michael Mittelstaedt, Vorsitzender des Landeselternbeirates auf Anfrage. Denn während Antigen-Schnelltests gerade in Zeiten niedriger Inzidenzen relativ häufig falsche positive Ergebnisse zu Tage bringen, gelten die PCR-Pooltests als verlässlich. Das Verfahren hat die Uniklinik Freiburg zusammen mit dem dortigen Gesundheitsamt entwickelt. Die Versuchsphase hat so ermutigende Ergebnisse hervorgebracht, dass das Sozialministerium Pool- oder Lollitests flächendeckend in Grundschulen, aber auch in Kindertagesstätten zum Standard machen will.

Bei diesen Verfahren werden ganze Klassen gemeinsam getestet. Kinder nuckeln 30 Sekunden lang auf Teststäbchen. Eines wird mit den Stäbchen der Mitschüler als Sammelprobe eingereicht, ein zweites separat aufbewahrt für den Fall, dass ein Pool positiv getestet wird. Nur in diesem Fall müssen auch die Einzelproben ausgewertet werden, um herauszufinden, welcher Schüler mit dem Virus infiziert ist. Weil alle im Pool gesammelten Speichelproben mit nur einem PCR-Test überprüft werden können, sind die Kosten für die Tests und der Aufwand für die Labore überschaubar. Diese können mit der PCR-Diagnostik nicht nur zuverlässig Infektionen ermitteln, sondern auch herausfinden, mit welcher Virusvariante sich eine Testperson angesteckt hat.

Nachteil dieses Verfahrens: Schüler und Lehrer müssen auf das Ergebnis warten. Während bei Schnelltests ein Resultat nach wenigen Minuten vorliegt, teilen die Labore den Schulen das Ergebnis der morgendlichen Überprüfung erst im Laufe des Tages mit. „Je nachdem wie weit ein Labor vom Schulort entfernt ist und wie schnell es arbeitet, kann das dauern“, verdeutlicht Mittelstaedt. Das Problem ist der Standort und vielleicht auch die Ausstattung der Labore, eine Kapazitätsfrage ist es nicht. „Kapazität ist ausreichend vorhanden“, sagt Pascal Murmann, Sprecher des Sozialministeriums in Stuttgart.

Doch die lange Wartezeit ist nicht der einzige Grund, warum manche Schulträger zögern, PCR-Tests einzusetzen. „Das Problem ist die Logistik“, sagt Mittelstaedt. Konkret: Wer transportiert die Sammelbehälter zwei Mal die Woche von der Schule zum Labor? Aufgabe der Schule sei das nicht, meint Mittelstaedt. „Der organisatorische Aufwand ist bei PCR-Tests sicherlich höher“, bestätigt Pascal Murmann. Das hänge auch mit der langen Informationskette zusammen, die aktiviert werden müsse, wenn ein Pool-Ergebnis positiv ausfällt. Dann müssen die betroffenen Schüler, die Eltern und die Lehrer verständigt werden.

„Jede Test-Methode hat Vor- und Nachteile“, fasst Pascal Murmann zusammen. Vorgaben macht das Ministerium den Schulträgern nicht. Nur die Zusage, dass die Kosten übernommen werden, unabhängig von der Testart. 73 Millionen Euro stellt es den Kommunen dafür zur Verfügung.

Derzeit sind an 17 von 802 betroffenen Schulen insgesamt 17 Klassen aufgrund einer Infektion oder eines Verdachts vorübergehend aus dem Präsenzbetrieb genommen. Das teilt das Kultusministerium mit. In den übrigen betroffenen Schulen sind lediglich einzelne Schüler oder Lehrer infiziert oder in Quarantäne. Gemessen an der Gesamtzahl von etwa 4500 Schulen im Land mit rund 67 500 Klassen ist das eine überschaubare Zahl. Keine einzige Schule ist derzeit wegen Corona komplett geschlossen.

Und noch eine Bilanz: Die Schulen haben augenblicklich 86 auf Covid-19 positiv getestete Lehrer gemeldet, das sind 0,06 Prozent aller Lehrkräfte im Land. 64 Lehrer befinden sich nach Angaben des Kultusministeriums in Quarantäne. Unter den Schülerinnen und Schülern wurden 1739 positiv getestet. Das entspricht einem Anteil von 0,12 Prozent. 1580 befinden sich derzeit in Quarantäne.

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Erstellt:
14. Oktober 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Oktober 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2021, 06:00 Uhr

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