Reutlingen · Konjunkturumfrage

Corona-Pandemie bremst das Handwerk aus

40 Prozent der Unternehmen verzeichneten Auftragsrückgänge. Nur die Baubranche boomt.

08.07.2020

Von ST

Corona macht dem regionalen Handwerk zu schaffen. Nach einer Umfrage der Reutlinger Handwerkskammer verzeichneten rund 40 Prozent der Betriebe in den vergangenen Wochen Auftragsrückgänge, vor allem Gesundheitshandwerker, Kfz-Branche und gewerbliche Zulieferer.

Nur noch knapp die Hälfte der Betriebe in den fünf Landkreisen des Kammerbezirks war mit der Geschäftslage im zweiten Quartal zufrieden (Vorjahresquartal: 74,1 Prozent). Stark gestiegen ist die Zahl der Unzufriedenen. Jeder vierte Handwerksunternehmer bewertete die Lage als mangelhaft (Vorjahresquartal: 3,6 Prozent). „Dass sich die Stimmung eintrübt, war angesichts der pandemiebedingten Maßnahmen nicht anders zu erwarten. Allerdings ist nicht jeder Betrieb gleich stark betroffen. Die Entwicklung fällt je nach Branche unterschiedlich aus“, sagt Präsident Harald Herrmann.

So verzeichnet das Bauhauptgewerbe nach wie vor einen positiven Auftragssaldo, auch wenn die Zuwächse geringer als im Vorjahr ausfallen. Deutlich schlechter lief es zuletzt für die Kfz-Werkstätten, bei denen 54 Prozent der Befragten weniger Bestellungen und Aufträge meldeten. Bei den Metall- und Elektrobetrieben liegt dieser Wert bei knapp 60 Prozent, im Gesundheitshandwerk gar bei 75 Prozent. Über alle Branchen ist der Auftragsbestand gesunken. Dieser beträgt durchschnittlich 8,8 Wochen (Vorjahresquartal: 10,2 Wochen). Während Maurer, Dachdecker und Zimmerer gegenüber dem Vorjahr nochmals um zwei Wochen zulegen konnten (17,6 Wochen; 2019: 15,7 Wochen), hat das Auftragspolster der Zulieferer stark abgenommen, es reicht noch sieben Wochen (Vorjahresquartal: 12,5).

Der Shutdown wirkte sich auch auf die Auslastung aus. Die Zahl der Betriebe mit bis zu 60 Prozent Auslastung hat sich im Jahresvergleich verdreifacht (35,9 Prozent; 2019: 11,1 Prozent). Bei den von der Schließung betroffenen Friseuren und Kosmetikern steigt der Anteil auf 75 Prozent. Im Vergleich zu den Dienstleistern arbeitet das Bau- und Ausbaugewerbe nach wie vor unter Volldampf. Jeder zweite Betrieb meldet volle Auslastung. 7 Prozent der Bauunternehmen gingen zuletzt über die 100-Prozent-Marke hinaus, bei Stuckateuren, Malern und Lackierern waren es sogar 14 Prozent.

Zuletzt dürfte sich auch die Beschäftigtenzahl im regionalen Handwerk verringert haben. 9,5 Prozent der Betriebe melden Einstellungen, 10,7 Prozent reduzierten ihre Belegschaften. Jeder Zehnte will zwar im Sommer zusätzliche Arbeitskräfte einstellen, ebensoviele wollen jedoch Personal abbauen. Mehr als drei Viertel der Befragten planen derzeit keine Veränderungen. „Bei Investitionen und Einstellungen fahren die Betriebe zurzeit angesichts der unsicheren Aussichten auf Sicht“, sagt Herrmann. Wie stark das Handwerk von der Pandemie betroffen sei zeige die Soforthilfen von Bund und Land – über 3600 Betriebe haben finanzielle Unterstützung erhalten. Allerdings blicken die Betriebe schon wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Lag der Erwartungsindex vor drei Monaten noch bei minus 4,0 Punkten, stieg er auf nunmehr plus 7,8 Punkte – fast so hoch wie im Vorjahr.

10 Milliarden Umsatz

Die 13 600 Handwerksbetriebe in den Kreisen Freudenstadt, Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalb erwirtschaften 10,1 Milliarden Euro Umsatz, beschäftigen 79 000 Mitarbeiter und bilden rund 4800 junge Menschen aus.

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Erstellt:
8. Juli 2020, 15:54 Uhr
Aktualisiert:
8. Juli 2020, 15:54 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Juli 2020, 15:54 Uhr

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