Tübingen · Vorstandsgehälter

Tübinger Studie: Chefinnen bekommen im Durchschnitt 1,2 Millionen Euro weniger Gehalt

Geschlechter-Stereotype beeinflussen bis heute die Höhe des Gehalts, so eine Tübinger Studie.

28.11.2023

Von Ulrich Janßen

Symbolbild: Sven Weber - Fotolia

Symbolbild: Sven Weber - Fotolia

Eine aktuelle Studie von Forschern der Universitäten Tübingen, Paderborn und der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe zeigt, dass Frauen in europäischen Vorstandsetagen pro Jahr im Durchschnitt 1,2 Millionen Euro weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Die Untersuchung anhand von 84 Unternehmen, darunter 16 deutsche, beleuchtet zudem, dass die Bezahlung stark von Geschlechter-Stereotypen abhängt. Die durchschnittliche Gesamtvergütung für männliche Vorstände in den untersuchten Konzernen liegt bei vier Millionen Euro im Jahr, die für weibliche Vorstände dagegen bei 2,8 Millionen Euro.

Vermeintlich „männliche“ Ressorts, wie der IT-Bereich, würden generell besser vergütet als „weiblich“ wahrgenommene, etwa Personal oder Unternehmenskommunikation. Trotzdem verdienten Frauen, die „männlichen“ Ressorts vorstehen, auch dort weniger Geld als Männer.

Prof. Kerstin Pull von der Universität Tübingen erklärt das damit, dass stereotype Vorstellungen in der Gesellschaft stark ausgeprägt sind und mit den tatsächlichen Gehältern korrelierten. „Frauen stehen vergleichsweise häufig Ressorts vor, die als ,eher weiblich‘ wahrgenommen werden und die im Durchschnitt weniger gut bezahlt sind“, sagte Pull, die den Lehrstuhl für Personal und Organisation der Universität Tübingen leitet. Die Studie ergab auch, dass Frauen in „männlichen“ Ressorts oft als unpassende Besetzung wahrgenommen werden, was zu einem klaren Gehaltsnachteil führe. Das Autorenteam hat eine Reihe möglicher anderer Ursachen für die Einkommensunterschiede untersucht und ausschließen können. Die Qualifikation der Vorstände beispielsweise – im Fachjargon „human capital“ genannt – könne die Unterschiede nicht erklären, denn die Qualifikation von Frauen in den Vorständen europäischer Konzerne sei mindestens ebenso hoch wie die der Männer. Das ergab die Auswertung von LinkedIn-Profilen und Jahresberichten der Firmen. Das Forscherteam schlägt vor, die Gehaltsunterschiede zu verringern, um die Kooperationsbereitschaft im Top-Management zu stärken.

Die Studie unterstreicht nach Einschätzung der Wissenschaftler auch die Bedeutung der Gender-Pay-Gap-Forschung, die durch die diesjährige Verleihung des Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften an die Ökonomin Claudia Goldin von der Harvard University ebenfalls betont wurde. Goldin ist erst die dritte Preisträgerin in der Geschichte dieses renommierten Preises.

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Erstellt:
28.11.2023, 19:00 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 00sec
zuletzt aktualisiert: 28.11.2023, 19:00 Uhr

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