Weiber-Wirtschaft

Chefin statt Ballerina

Daniela Schlotz leitet gemeinsam mit ihrer Schwester Stefanie als Geschäftsführerin die Geschicke des Hakawerks in Waldenbuch. Von Haus aus Juristin, ist sie vor 15 Jahren ins Familienunternehmen gekommen. Frauenpower ist nicht nur in der Geschäftsleitung angesagt: Sechs von neun Führungskräften sind weiblich.

17.12.2021

Von TEXT: Simone Maier|FOTOs & Illustration: Unternehmen

Daniela Schlotz an ihrem Schreibtisch in Waldenbuch – dass sie keinen nine-to-five-Job hat, liegt auf der Hand.

Es ist wahrlich nicht ganz einfach, eine Verbindung zwischen der Geschäftsleitung eines mittelständischen Unternehmens und dem Dasein einer Balletttänzerin hinzubekommen. Muss man aber auch nicht. Daniela Schlotz – mit langem O ausgesprochen – ist heute da angekommen, wo sie sein will. Auch wenn sie in jungen Jahren so gerne Ballerina geworden wäre.

Geboren in Stuttgart, hat die 53-jährige Unternehmerin vieles im großelterlichen Unternehmen verändert. Angefangen von der Führungsriege, die unter ihrem Großvater und ihrem Vater noch ausschließlich männlich war. Eine Mitarbeiterin schwärmt regelrecht von den familienfreundlichen Strukturen im 115 Mitarbeiter großen Hakawerk in Waldenbuch. Es seien viele Mütter hier tätig, einige in Führungspositionen und wenn mal was mit den Kindern sei, wäre dies für die beiden Geschäftsführerinnen gar nie ein Problem.

Liegt bestimmt auch daran, dass die beiden selbst Kinder haben. Die drei Töchter von Daniela Schlotz sind allerdings schon groß, haben jedoch jeher guten Einblick ins Unternehmen gehabt, ob dank eines Praktikums oder eines Ferienjobs als Schülerinnen oder heute als junge Studentin zur aktuellen Social-Media-Beratung.

Weil sie selbst jeden Tag von Waldenbuch nach Stuttgart zur Schule und zum Ballettunterricht fahren musste, lebt sie heute mit Mann und Töchtern im Stuttgarter Westen. Mit ihrer Jugendliebe aus der 11. Klasse ist sie mittlerweile verheiratet. Die beiden haben gemeinsam Jura studiert, erst in Augsburg, dann in Tübingen. „Mit 20 habe ich mich dann ein Jahr nach Paris abgesetzt“, schmunzelt sie. „Das Praktikum in der Pariser Anwaltskanzlei war super. Noch besser aber war, dass ich wusste, ich will auf jeden Fall eine Familie mit Kindern und nicht in einer Großstadt wie Paris leben“, so Daniela Schlotz. Auch wenn sie zugibt, ab und zu den Geruch der Métro in der Nase zu haben und dieses Auslandsjahr nicht missen möchte, ist sie in Stuttgart sehr happy.

Mit 26, und einem ziemlich guten zweiten Staatsexamen in der Tasche, machten sie und ihr Mann sich mit einer eigenen Kanzlei selbstständig. Als die erste Tochter zur Welt kam, nahm sie diese jeden Tag mit ins Büro. „Dank damaliger Telefonkonferenzen ohne Bild konnte ich sie sogar während der Telefonate stillen. Da wusste ich ganz sicher, dass man keinen Mucks von ihr hört“, lacht die Powerfrau. Schnell wird klar, dass Daniela Schlotz keine ist, die irgendwas auf die lange Bank schiebt. Sie zieht die Dinge durch. Sie knipst sich in Themen rein und trifft gerne und schnell Entscheidungen. Deshalb hat sie auch nicht lange gezögert, als der Familienrat sie 2006 bat, quasi als Schwangerschaftsvertretung für ihre Schwester ins Unternehmen nach Waldenbuch zu kommen. Zuerst war sie noch part time in ihrer Kanzlei in Stuttgart, doch war schnell klar, dass das nicht lange so funktionieren würde. Als sie ihrem Vater kurz nach Firmeneintritt eröffnete, dass sie sich künftig um sein Steckenpferd Frankreich, einen der wichtigsten Exportmärkte für Hakawerk-Produkte, kümmern würde, meinte dieser „Das geht doch nicht, Du hast doch kleine Kinder.“ Entschlossen war ihre Antwort. „Hattest Du doch auch und es ging.“ Fortan war auch das geklärt. Alles ging, es war lediglich eine Frage der Organisation und der Aufteilung der Zuständigkeiten innerhalb der Familie.

Mit dem Eintritt der Schwestern in das Familienunternehmen hat sich vieles im Unternehmen verändert. Das Einschneidenste war mit Sicherheit die Produktpolitik. Optik, Design, Marketing bekamen plötzlich eine andere Gewichtung. Das Thema Nachhaltigkeit stand ganz oben auf der Agenda. Hochwertige Inhaltsstoffe aus zuverlässigen Quellen, um unter anderem lange Transportwege und Qualitätsschwankungen zu vermeiden, das sei wichtig, so Schlotz. „Dass dies der einzig richtige Ansatz ist, hat gerade das Jahr 2020 gezeigt“, so die Geschäftsführerin. Der Online-Shop wurde mit dem Eintritt der dritten Generation implementiert, doch werden lediglich zwei Prozent des Gesamtumsatzes damit verbucht. Neben online ist die komplette Produktpalette nach wie vor nur über den Direktvertrieb erhältlich. 2000 Außendienst-Mitarbeiter sind tagtäglich unterwegs, um zehn Länder zu bedienen. Ganz neu dazugekommen: die erste Lieferung erst kürzlich nach Japan. Bleibt abzuwarten, wie der asiatische Markt auf die schwäbischen Produkte anspringt. Als Daniela Schlotz in Kindheitstagen von einem Bekannten der Familie auf ihre blonden Haare und die ihrer Schwester angesprochen wurde, sagte sie ihm scherzhaft: „Wahrscheinlich sind wir im Neutralseife-Eimer geboren.“

Das wohl bekannteste Produkt der Hakawerke ist die Neutralseife.

75 Jahre HAKAWERK Waldenbuch

Die HAKAWERK W. Schlotz GmbH ist ein mittelständisches Familienunternehmen, das seine Produkte überwiegend selbst herstellt und direkt an den Endverbraucher vertreibt. Mit der Erfindung der Neutralseife wuchs das Unternehmen schnell und bietet heute eine komplette Haushaltsversorgung mit Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegemitteln an. Gegründet wurde das Unternehmen 1946. Der Jahresumsatz betrug im letzten Geschäftsjahr 17 Millionen Euro.

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Erstellt:
17. Dezember 2021, 07:50 Uhr
Aktualisiert:
17. Dezember 2021, 07:50 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2021, 07:50 Uhr

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