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Mal nicht mit rotem Schal: Dieter Kosslick. Foto: John MacDougall/afp




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22.02.2018

Von MAGDI ABOUL-KHEIR

Berlin. „Inzwischen könnte ich auch einen schwarzen Schal tragen, und trotzdem meint jeder, er wäre rot.“ So sprach Dieter Kosslick vor Beginn dieser 68. Berlinale über sein Markenzeichen – und setzte dann während der Eröffnung ein ganz eigenes Zeichen: Er trug tatsächlich einen schwarzen Schal.

Das mag man als eine zugewandt gemeinte Referenz an diejenigen verstehen, die wegen der #MeToo-Debatte einen schwarzen statt eines roten Teppichs gefordert hatten. Es kann aber auch als mehr oder minder liebevoller Gag verstanden werden – das wäre dem 69-Jährigen mit dem berüchtigten Humor zuzutrauen.

Es ist Kosslicks 18. Berlinale als Direktor, vor allem aber ist es seine vorletzte. In den vergangenen Jahren ist in der Filmbranche immer mehr und immer lauter an Programm und Ausrichtung des Festivals herumgekrittelt worden. Im vergangenen November hatten 79 Filmemacher in einem Offenen Brief einen Neuanfang der Berlinale gefordert, was Kosslick gar nicht anders nehmen konnte als auch persönlich. Ja, er sei sauer gewesen, hatte er eingeräumt.

Aber das lässt es sich jetzt während des Festivals natürlich nicht anmerken, dazu ist er viel zu sehr Profi. Gewiss liebt er die Berlinale auch viel zu sehr, um sie nun mit persönlichen Befindlichkeiten zu beschweren. Er trägt dieser Tage übrigens auch Schals mit ganz anderen Farben.

Es gibt ja noch immer genügend Menschen, die Lobesworte finden für den großen Kommunikator Kosslick, der vor seinen Berlinale-Jahren in der Filmförderung viel bewegt hat, der ein Händchen für Stars hat, dem man das Schwäbische viel mehr anhört, wenn er Englisch spricht, und der es sich auf die Fahnen schreiben kann, ein echtes Publikumsfestival zu leiten.

Mit der Entlassung des Journalisten Deniz Yücel aus türkischer Untersuchungshaft kam nun auch eine politische Nachricht für den engagierten Kosslick zu einer guten Zeit. Noch auf der Eröffnung hatte er sich für den Journalisten stark gemacht.

Auf Premieren und Galas beobachtet man einen witzelnden, lachenden, herzenden Kosslick. Wie es innen aussieht, sollte man sich nicht anmaßen zu beurteilen. Und vielleicht schafft er es ja, sich nicht jeden Schuh anzuziehen, den man ihm nun vor oder auf den roten Teppich stellt.

Die Nachfolge-Debatte läuft eh unaufhaltbar. Um was es den ernsthafteren Zeitgenossen unter den kritischen Geistern dabei geht? Der Regisseur Christian Petzold, für seinen neuen Film „Transit“ in Berlin gefeiert, ist in den Kosslick-Jahren viermal mit Filmen im Wettbewerb gewesen. Er dürfte kein Kosslick-Feind sein; zudem gilt er als feiner, differenzierten Zeitgenosse. Doch auch er hat zu den Filmschaffenden gehört, die im Herbst den Offenen Brief zur Berlinale-Zukunft unterschrieben haben. „Mir geht es darum, darüber nachzudenken, was ein Festival heute sein und wie die Zukunft aussehen kann“, sagte Petzold jetzt und spielte auf die Festivals in Cannes und Venedig an: „Wir sind hier nicht im Sonnenschein am Meer. Hier ist es kalt, der Potsdamer Platz ist scheiße, wir haben hier ein Labor. Wie soll das weitergehen? Darüber müssen wir doch mal reden.“

Für Kosslick geht es nur noch bis 2019 weiter, das wird seine letzte Berlinale. Natürlich wieder mit rotem Schal. Sein enormer Fundus stammt übrigens aus dem Jahr 2000, als der Schal zu den Berlinale-Souvenirs gehörte. Seither hat Kosslick die Restbestände aufgetragen: „Ich habe noch ungefähr fünf. Ich müsste schon noch über die Runden kommen damit.“ Magdi Aboul-Kheir

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Erstellt:
22. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Februar 2018, 06:00 Uhr

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