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Ausbildung

Beste Chancen für Bewerber

Arbeitsagentur, IHK und Handwerkskammer vermelden noch jede Menge freie Stellen. Immer mehr junge Flüchtlinge machen eine Lehre.

15.11.2017
  • Thomas de Marco

Die Botschaft von Wilhelm Schreyeck, dem Geschäftsführer der Reutlinger Arbeitsagentur, ist eindeutig: „Jetzt im Herbst gilt die Devise ‚Lehrstelle frei!‘ so stark wie noch nie“, sagte er gestern bei einer gemeinsamen Pressekonferenz seiner Agentur mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer.

Bei den Handwerkern seien derzeit noch 256 Ausbildungsstellen nicht besetzt, erklärt Karl-Heinz Goller, bei der Handwerkskammer Reutlingen für Ausbildung zuständig. Seien schon in den vergangenen Jahren nicht genügend Bewerberinnen und Bewerber für die Stellen gefunden worden, so sei es dieses Jahr extrem. Jahrelang seien hunderte von Anfragen eingegangen, jetzt werde nur noch ein Bruchteil davon registriert, höre er von größeren Betrieben. „Kleinere Betriebe bekommen oft gar keine Auszubildenden mehr“, sagt Goller.

Das Handwerk tue sich am schwersten, betont Schreyeck. Das liege auch am ungebrochenen Trend zum Studium. Kamen früher 70 Prozent der Lehrlinge von den Hauptschulen, wie Goller sagt, so hätten heute nur 15 bis 20 Prozent im vergleichbaren Alter Interesse an einer Ausbildung. „80 Prozent dagegen wollen auf eine weiterführende Schule“, sagt Schreyeck.

Die IHK verzeichnet seit Jahren einen sehr stabilen Lehrstellenmarkt, diesmal mit einem leichten Plus von 0,8 Prozent auf 2591 abgeschlossene Ausbildungsverträge (Kreise Tübingen und Reutlingen siehe Extra-Artikel). Dennoch, so die bei der IHK für Ausbildung zuständige Petra Brenner, seien noch mehr als 500 Stellen unbesetzt. „Ein Viertel der Unternehmen erklärt, sie könnten nicht alle Stellen besetzen.“

Zwei Drittel dieser Firmen beklagen laut Brenner, dass sie keine geeigneten Bewerberinnen und Bewerber finden. 60 Prozent monieren schlechtes Deutsch, 42 Prozent fehlende Mathe-Kenntnisse. „Wir hoffen, dass Kultusministerin Susanne Eisenmann das Rad wieder zurückdreht. Vielleicht waren die traditionellen Methoden in den Schulen doch nicht so schlecht“, sagt die Leiterin der IHK-Abteilung Ausbildung. 50 Prozent der Betriebe würden außerdem registrieren, dass die Jugendlichen nicht mehr so stark belastbar seien.

Geflüchtete Jugendliche kommen zunehmend in Ausbildungsverhältnisse, sagt Schreyeck. Er führt das auch darauf zurück, dass sie mehr ins Schulsystem integriert werden. Die Handwerkskammer berichtet von 103 Flüchtlingen, die meisten von ihnen kommen aus Syrien (35), Gambia (33) und Afghanistan (17). Die IHK berichtet von 64 Auszubildenden aus Fluchtländern, 37 Verträge seien neu abgeschlossen worden, sagt Brenner.

5,5 Millionen Euro investiert die Arbeitsagentur jährlich in Förderungen wie Einstiegsqualifizierung, berufsvorbereitende Maßnahmen oder ausbildungsbegleitende Hilfen. Schreyeck betont, dass dieses Geld sehr, sehr gut angelegt sei: „Drei Viertel der Geförderten haben hinterher eine Ausbildung begonnen oder eine weiterführende Schule besucht.“

Der Ausbildungsmarkt in Zahlen

Die Arbeitsagenturregistrierte zum 30. September für den Kreis Reutlingen 1948 Bewerberinnen und Bewerber (+ 6 Prozent gegenüber 2016), für Tübingen 1056 (+ 11,7). Unversorgt blieben in Reutlingen 36 Bewerber, in Tübingen 20. Von den 2158 Reutlinger Ausbildungsstellen (+ 5,7 Prozent) blieben 265 unbesetzt. In Tübingen wurden 1105 Stellen angeboten (+ 4,9), für 194 wurde niemand gefunden. Die Handwerkskammer hat folgende Zahlen: Im Kreis Reutlingen wurden 645 neue Handwerksausbildungen begonnen (- 5,8 Prozent), im Kreis Tübingen 420 (- 3,9). 256 Stellen blieben unbesetzt, vor allem im Baugewerbe und im Bereich Nahrung. Die IHK schließlich registriert im Kreis Reutlingen 1157 neue Ausbildungsverträge zum 31. Oktober (- 1,7 Prozent), im Kreis Tübingen 647 (+6,1). Für 2018 sind in der Lehrstellenbörse der IHK noch mehr als 500 freie Stellen im Angebot.

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15.11.2017, 01:00 Uhr
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