Roman

Sven Regener: Alte Kreuzberger Bekannte

Glitterschnitter heißt die Band, die im Fokus von Sven Regeners neuester Folge seines Kreuzberg-Epos steht.

28.09.2021

Von Andreas Heimann

Berlin. Sven Regener hat sich irgendwann entschieden, Romane nur über die wirklich wichtigen Themen zu schreiben: Freundschaft, Liebe, Kunst und Berlin-Kreuzberg zum Beispiel. Das ist in seinem jüngsten Werk „Glitterschnitter“ nicht anders, in dem langjährigen Lesern auch sonst vieles vertraut vorkommt. Dazu gehören die Wiener Straße und das „Café Einfall“ in Kreuzbergs rauerer Ecke SO36, die Aktionskunst der frühen 80er Jahre und viele der Figuren aus früheren Romanen wie „Herr Lehmann“, Regeners literarischem Debüt vor genau 20 Jahren.

Sein Kreuzberg-Epos ist mittlerweile auf viele hundert Seiten angewachsen. Ein bisschen kompliziert ist das, weil der 60-jährige Autor, ansonsten bekannt als Gründer, Sänger und Trompeter der Indieband Element of Crime, nicht einfach Roman für Roman chronologisch erzählt. Sein Erstlingswerk spielt im Mauerfalljahr 1989, „Der kleine Bruder“ (2008) im November 1980, „Magical Mystery“ (2013) Mitte der 1990er Jahre, „Wiener Straße“ (2017) wieder 1980. „Glitterschnitter“ knüpft direkt daran an.

Ohne Nostalgie in die 80er

Die Gestalten, die die „Glitterschnitter“-Welt bevölkern, sind überwiegend alte Bekannte: Frank Lehmann ist natürlich dabei, steht aber nicht im Mittelpunkt, dafür oft an der Kaffeemaschine und experimentiert mit verschiedenen Techniken, Milch aufzuschäumen. Und nebenbei rettet er das Leben eines einsamen Ex-Polizisten – mit Unterstützung von Chrissie, die genau wie Lehmann im „Café Einfall“ jobbt. Die beiden werden sich immer sympathischer.

Stress hat Chrissie dagegen mit ihrer Mutter Kerstin, deren Abstecher aus Schwaben nach Kreuzberg aus Sicht der genervten Tochter schon viel zu lange dauert. Auch Kerstins Bruder Erwin Kächele, der Besitzer des „Café Einfall“, ist erneut mit dabei, genau wie einige wohlbekannte Künstler-Charaktere.

Den Fokus legt Regener aber auf Glitterschnitter, die Band, die Karl Schmidt, Ferdi und Raimund gegründet haben und mit der sie nun groß rauskommen wollen. Ihr Ziel ist ein Auftritt beim Berliner Wannsee-Festival „Wall City Noise“ – und sie setzen dabei auf eine Bohrmaschine. Wenige Schriftsteller gehen mit ihren Figuren so liebevoll um wie Regener, auch wenn er ohne jede Nostalgie auf die frühen 80er Jahre zurückblickt.

Sven Regener: Glitterschnitter. Galiani Berlin, 469 Seiten, 24 Euro. Foto: Galiani

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Erstellt:
28. September 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
28. September 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. September 2021, 06:00 Uhr

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