Coronavirus

Erste Person geimpft: Alles Wissenswerte zum Impfen in Tübingen

Am Montag informierten die Beteiligten über die Abläufe im Tübinger Impfzentrum in der Paul-Horn-Arena. Mobile Pflegeteams sind bereits gestartet, um erste Heime im Kreis aufzusuchen.

28.12.2020

Von Moritz Hagemann

Hans-Peter Lipp, Chefapotheker des Tübinger Uniklinikums, übergab am Montag den Impfstoff an Tübingens Pandemie-Beauftragte Lisa Federle. Bild: Ulmer

Am Sonntagabend wurde die Anmeldung zum Tübinger Impfzentrum freigeschaltet. „Nach fünf Minuten waren fast alle Termine für die ersten Wochen weg“, sagte Tübingens Landrat Joachim Walter. Nach der Freischaltung habe es eine Minute gedauert, ehe 20 bis 30 Termine vergeben waren, ergänzte Kreisbrandmeister Marco Buess, der sich um die Abläufe im Hintergrund kümmert. Termine kann man nur zentral über das Land entweder unter der Telefon-Hotline 116 117 oder der Homepage impfterminservice.de vereinbaren. Weder die Hotline des Tübinger Landratsamtes, noch gleich gar nicht die Notrufnummer 112 sollten dafür genutzt werden. Letzteres sei bereits passiert. Alle müssen sich aktiv um einen Termin kümmern, angeschrieben wird niemand.

Zunächst sieht die Impf-Verordnung des Bundes vor, dass eine spezielle gefährdete Personengruppe an erster Stelle den Impfstoff erhält. Das sind Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben, Involvierte in Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten und Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit hohem Infektionsrisiko arbeiten. Sowie Personen, die etwa in der Onkologie oder der Transplantationsmedizin tätig sind und somit Menschen pflegen, die bei einer Infektion schwere Folgen zu befürchten hätten.

Die Impfquote der über 80-Jährigen im Vergleich zum Rest in der ersten Priorisierungsgruppe sollte eigentlich bei 80 zu 20 liegen. Allerdings habe man darauf letztlich gar keinen Einfluss, weil die Terminvergabe das regelt, so Walter. Wann die weiteren Prioritätengruppen und der Rest drankommen, lasse sich aktuell noch nicht voraussagen. Ins Tübinger Impfzentrum dürfen auch Begleitpersonen der Impfwilligen hinein.

Die PK zum Impfbeginn (von links): DRK-Präsidentin Lisa Federle, Klinikumsdirektor Michael Bamberg, Kreis-Finanzchef Werner Walz, Landrat Joachim Walter, Bürgermeisterin Daniela Harsch und Rettungsdienstleiter Martin Gneitig. Bild: Anne Faden

Zunächst 2400 Dosen pro Woche

Ab dem 4. Januar wird in der Tübinger Paul-Horn-Arena geimpft. Dafür stehen zunächst theoretisch 4800 Impfdosen pro Woche zur Verfügung, von denen aber 2400 eingelagert werden müssen, um die Zweitimpfung (sie ist etwa 21 Tage nach der Erstdosis nötig) zu gewährleisten, „falls die Lieferkette mal versiegt“, sagte Buess. Also bleiben 1900 für das Impfzentrum und 500 für die mobilen Impfteams. Von den 18 Impfbahnen stehen beim Start am kommenden Montag drei zur Verfügung – schlicht, weil nicht mehr Impfstoff vorhanden ist.

Zunächst wird der mRNA-basierte Impfstoff von Biontech und Pfizer gespritzt, noch im Januar wird das Moderna-Präparat erwartet, dann kann die Zahl der Impfungen erhöht werden. „Wir können zu jeder Zeit den Schalter umlegen, wenn wir mehr Impfstoff bekommen“, sagte Walter. Sind alle Impfbahnen in Betrieb, können einmal maximal 2300 Menschen pro Tag in Tübingen geimpft werden.

Mobile Impfteams schon unterwegs

Die mobilen Impfteams des Roten Kreuzes (DRK) starteten am heutigen Mittag bereits, um die ersten beiden Heime in Tübingen und Nehren aufzusuchen. Dafür helfen Medizinstudierende mit. Wenn die mobilen Impfungen mal angelaufen sind, sind pro Team drei medizinische Hilfskräfte, ein Arzt und ein Fahrer vorgesehen. Von Zeit zu Zeit werde die Anzahl der Teams erhöht. Außerdem müsse man die Logistik regeln, weil alle Geimpften registriert werden müssen. Die Impfbereitschaft in den Heimen werde vorab abgefragt, etwa 60 Prozent könnten nicht mehr selbst einwilligen. Diese Entscheidung liegt dann bei den Angehörigen.

Die 92-jährige Wilhelmine Betz erhält im Nehrener Pflegeheim Bubengasse die erste Coronaimpfung im Kreis Tübingen. Bild: Klaus Franke

Weil der Kreis Tübingen ein Zentrales Impfzentrum (ZIZ) verantwortet, müssen auch die mobilen Impfteams in die Landkreise Reutlingen, Zollernalb, Calw, Sigmaringen und den Bodenseekreis fahren. Letzteren wäre man gerne losgeworden, sagte Landrat Walter, da die Distanz weit ist. Bislang ist das Tübinger ZIZ aber noch dafür verantwortlich. Die mobilen Impfteams fahren Pflegeheime oder Hospize an, nicht aber über 80-Jährige, die zuhause leben und betreut werden. Das stößt auf Kritik. Doch dies zu ändern, liege nicht in der Entscheidungsmacht des Landkreises, so Walter, und es sei logistisch gar nicht möglich, erklärte die Tübinger DRK-Präsidentin Lisa Federle, zugleich Pandemie-Beauftragte des Landkreises. Später sollen die Impfungen zu den Hausärzten verlagert werden.

Eigene Impfbahnen am UKT

Am Tübinger Uniklinikum wurden eigens zwei Impfbahnen eingerichtet, um die Beteiligten auch vor Ort impfen zu können. Die „Extraration“, wie sie Klinikumsdirektor Michael Bamberg nannte, umfasse rund 500 Dosen. Bamberg sprach auch davon, dass man im Impfzentrum am Anfang auch „ein bisschen Gerumpel“ erwarten müsse, das bei „solch einer gewaltigen Aufgabe“ nicht zu verhindern sei. Das UKT kümmert sich in der Paul-Horn-Arena um die medizinische Leitung, der Kreis um die Infrastruktur.

Die Beteiligten bestätigten auch, dass Ärzte im Impfzentrum 130 Euro pro Stunde verdienen werden. Das sei vom Landessozialministerium vorgegeben, sagte Walter. Federle, die in der Kommission der Pandemie-Beauftragten über die Verdienstfrage diskutierte, räumte ein, dass sie lieber etwas weniger Gehalt angedacht und die Differenz eher den Hausärzten für die Aufklärung zur Verfügung gestellt hätte. „Das wäre wesentlich sinnvoller“, sagte Federle. „Aber jetzt muss man das so hinnehmen.“

Apothekerin Marina Lehmann zeigt den Kühlschrank, in dem der Impfstoff bei minus 80,5 Grad gelagert wird. Bild: Ulmer

Im Impfzentrum werden insgesamt 300 Menschen arbeiten, jeweils im Vollbetrieb (7 bis 21 Uhr) sind 150 Personen pro Tag tätig (90 in der Verwaltung, 60 im medizinischen Bereich). Helfende werden nun keine mehr gesucht, in den kommenden Tagen beginne die Einteilung der Schichten. Insgesamt rechnet der Kreis mit Kosten von 12 Millionen Euro, die von Land und Bund getragen werden. Impflinge bezahlen nichts.

Harsch lobt Zusammenarbeit

Als das Land am 18. November beim UKT anfragte, ob es ein ZIZ übernehmen wolle, waren noch viele Fragen zu klären. Zunächst war das ZIZ in einem Zelt neben der Paul-Horn-Arena geplant, in der wiederum das Kreisimpfzentrum (KIZ) errichtet werden sollte. Doch mit der Zeit wurde immer klarer, dass beides unter einem Dach viel besser wäre, obwohl die Anforderungen eigentlich die dreifache Quadratmeterzahl dessen vorsehen, was man jetzt in der pinken Halle hat. Tübingens Bürgermeisterin Daniela Harsch stellte dabei die Zusammenarbeit aller Beteiligten heraus: „Das war ein Ausmaß an Rädchen, die ineinander gegriffen haben, das viele vorher nicht für möglich gehalten hatten.“ Ein gemeinsames Zentrum sei noch vor einem Monat „ganz weit weg gewesen“, so Harsch.

Landrat Walter übrigens beabsichtigt, sich auch selbst impfen lassen. Allerdings habe er erst seinen 60. Geburtstag gefeiert und sei deshalb noch gar nicht dazu berechtigt.

Wie läuft die Impfung ab? Welche Unterlagen braucht es?

Wer ab 4. Januar in die Paul-Horn-Arena kommt, braucht einen zwölfstelligen Termincode, den man bei der Anmeldung erhält. Außerdem ist der Personalausweis oder Reisepass sowie die elektronische Gesundheitskarte mitzubringen. Auf der Homepage www.tuebingen-impfzentrum.de, die voraussichtlich am Dienstag online gehen wird, kann dann ein Aufklärungsbogen heruntergeladen werden, der nach Möglichkeit ausgefüllt mitgebracht werden soll. Gegebenenfalls ist auch ein Arbeitgebernachweis vorzulegen, um die Impfberechtigung nachzuweisen.

Vor der Paul-Horn-Arena wird in einem Zelt kontrolliert, ob die jeweilige Person auch impfberechtigt ist. „Wer sich jetzt einen Termin erschleicht, wird dann wieder nach Hause geschickt und nimmt anderen einen wertvollen Impfplatz weg“, sagte Walter. Nach der Anmeldung erfolgt eine Registrierung in der Halle, dann wird ein sechsminütiger Aufklärungsfilm gezeigt. Nach einer individuellen Aufklärung durch einen Arzt erfolgt die Impfung. Im Anschluss folgt ein 30-minütiger Aufenthalt in einem Beobachtungsbereich, dabei sind auch Notfallkräfte vor Ort, die eingreifen könnten. Den Abschluss bildet eine Ausgangskontrolle. Ohne Anmeldung und Ausgangskontrolle sind etwa 60 Minuten an Zeitaufwand für die Impflinge vorgesehen.

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Erstellt:
28. Dezember 2020, 13:09 Uhr
Aktualisiert:
28. Dezember 2020, 13:09 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. Dezember 2020, 13:09 Uhr

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