Oper

Aida in der Rokoko-Welt der Bücher

In der Reihe „Met Stars Live in Concert“ singt Sonya Yoncheva im Bibliothekssaal des Klosters Schussenried.

02.03.2021

Von JÜRGEN KANOLD

Sony Yoncheva in der Klosterbibliothek. Foto: Metropolitan Opera

Bad Schussenried. Es ist ein Festsaal des Wissens: der prächtig verzierte und verstuckte Bibliothekssaal des Prämonstratenserklosters in Bad Schussenried. Sehr katholisch, sehr rokoko, herrliche Bücherschränke und ein Deckenfresko mit der bunt verklärten göttlichen Weisheit. Weshalb dort vor einigen Jahren der Großschriftsteller Martin Walser für das Fernsehen seinen Roman „Muttersohn“ in einer Urlesung vorstellte. Früher bespielte auch das Festival „Schwäbischer Frühling“ diesen Ort, unvergessen etwa das Konzert des legendären Guarneri Quartet aus New York.

Aber jetzt ist dort große Oper zu erleben – was mal keine Floskel ist und wieder viel mit New York zu tun hat. Die Metropolitan Opera, die in der Pandemie geschlossen ist, hat die Online-Reihe „Met Stars Live in Concert“ aufgelegt: weltweit als Livestream gesendete Konzerte von besonderen Schauplätzen, und zwar in HD-Qualität. Anfang Februar etwa sang Anna Netrebko in der Wiener Hofreitschule. Und am Samstag war die Sopranistin Sonya Yoncheva im grandios ausgeleuchteten und von den Kameras inszenierten Bibliothekssaal des Klosters Schussenried zu erleben – und die Bulgarin ist es noch fast zwei Wochen lang (das Video kann abgerufen werden zum Preis von 20 Dollar über die Seite metopera.org).

Die große Arie „Ritorna vincitor!“ der Aida, Rusalkas „Lied an den Mond“, die „Habanera“ der Carmen – es ist ein eineinhalbstündiges Best-of-Programm. Ganz große Oper ist es natürlich nicht, denn es begleitet nur der Pianist Julien Quentin. Die Met selbst macht die schmerzliche Abwesenheit des Orchesters bewusst: Sie blendet im Stream zwei Szenen mit der Yoncheva aus Originalproduktionen ein, das Ave Maria der Desdemona und das Duett Tosca/Scarpia. Was man aber auch sagen muss: Die Top-Sopranistin besitzt eine Diven-Stimme, funkelnd, farbenreich, emotionale Tiefe. Ein Weltstar in Oberschwaben: ein starkes Konzert. Jürgen Kanold

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Erstellt:
2. März 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
2. März 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. März 2021, 06:00 Uhr

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