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Of Fathers and Sons

Of Fathers and Sons

Die Doku begleitet Clan-Chef Abu Osama und seine Familie über einen Zeitraum von zwei Jahren im salafistischen Nordwesten Syriens.

Of Fathers and Sons
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Deutschland, Syrien, Libanon 2017

Regie: Talal Derki


98 Min.

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20.03.2019

Von Madeleine Wegner

„Papa, ich habe den Vogel geschlachtet!“ Der Junge ist so klein, dass er noch gar nicht richtig sprechen kann. „Mit einem Messer?“, fragt der Vater stolz nach. „Wir haben seinen Kopf heruntergedrückt und ihn dann abgeschnitten. So wie du das mit dem Mann gemacht hast, Vater“, erzählt der ältere Bruder.

Zwei Jahre verbringt der Dokumentarfilmer Talal Derki bei einer radikal islamistischen Familie. Ihr Vertrauen gewinnt er, indem er sich als Kriegsfotograf und Dschihad-Sympathisant ausgibt. In Damaskus geboren, lebt Derki mittlerweile in Berlin. Für den außergewöhnlichen Dokumentarfilm „Of Fathers and Sons“, für den er sein Leben riskiert hat, ist Derki in sein Heimatland zurückgekehrt – ein Land, das er kaum wiedererkennt.

Die Familie lebt in einem kleinen Dorf im Norden Syriens, in einer Provinz, die von der al-Nusra-Front kontrolliert wird. Auch der Familienvater ist ein erbitterter al-Nusra-Kämpfer. Seine Söhne tragen Namen wie Osama, Mohammad-Omar oder auch Aymar – sie sind nach den Terrornetzwerkanführern benannt, aus Liebe zu den Taliban, wie der Vater strahlend verkündet: „Wenn ich all meine Liebe für diese Männer auf der Erde aussäen würde, müsste es nicht mehr ‚Planet Erde‘, sondern ‚Planet Liebe‘ heißen“, sagt er über seine Idole. Nicht ohne Grund hat Derki den Film „Of Fathers and Sons“ genannt (der deutsche Alternativtitel lautet übrigens „Kinder des Kalifats“): Das Herz des Vaters scheint an seinen acht Jungen zu hängen. Sie sollen in seine Fußstapfen treten. Osama und einer seiner Brüder wird in ein Scharia-Camp geschickt, wo er zusammen mit andern kleinen Jungen gedrillt und auf den Kampf gegen die Ungläubigen vorbereitet wird.

Frauen tauchen in diesem Milieu nur indirekt auf und sind in den Augen der Männer dann eine Belästigung – man hört das Klagen der Ehefrau im Hintergrund, als der Vater schwer verletzt, mit nur noch einem Bein nach Hause zurückkehrt. Er verscheucht seine laut weinende Ehefrau schimpfend, um sich von seinem weinenden Sohn trösten zu lassen. Nur einmal sind in dem Film Mädchen zu sehen: Sie rezitieren in der Schule stolz und ausgelassen ein Gedicht: Die Szene wirkt wie eine surreale Gegenwelt zur Welt der al-Nusra-Familie. Der Vater hat seinen Söhnen längst verboten, in die Schule zu gehen. Die Jungen werfen stattdessen mit Steinen auf die Schulkinder im Hof und machen sich über sie lustig.

Überraschend sind diese sehr seltenen Einblicke in das Leben einer islamistischen Familie nicht. Beunruhigend dafür freilich umso mehr.

Der Film lief in Tübingen bereits im Rahmen des Arabischen Filmfestivals 2018.

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Erstellt:
20. März 2019, 13:06 Uhr
Aktualisiert:
20. März 2019, 13:06 Uhr
zuletzt aktualisiert: 20. März 2019, 13:06 Uhr

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