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Nordkorea

Trump irritiert die Welt

Der US-Präsident sagt das Treffen ab und hält es keine 24 Stunden später erneut für möglich. Ein Experte sagt: Seine Regierung ist nicht vorbereitet.

26.05.2018
  • FELIX LEE UND MATHIAS PUDDIG

Washington. Die Südkoreaner sind zutiefst besorgt. Am Tag, nachdem US-Präsident Donald Trump das Gipfeltreffen mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un platzen ließ, ziehen sie in Seoul vor die amerikanische Botschaft und demonstrieren für Frieden – durchaus mit klaren Worten: „Halt’s Maul, Trump“, steht auf einigen Plakaten. Etwas diplomatischer drückte sich ihr Präsident aus: Moon Jae In sprach in einer ersten Reaktion von einem „schockierenden und sehr bedauerlichen Schritt Trumps“. Sein Land wolle sich trotzdem weiter für bessere Beziehungen mit dem Norden einsetzen. An der Diplomatie führt – trotz des ausgefallenen Gipfels – kein Weg vorbei.

Gut zwei Wochen vor dem Treffen mit Kim, bei dem die atomare Abrüstung Nordkoreas besprochen werden sollte, hat Trump den Gipfel am Donnerstag abgesagt. Stattdessen kündigte er eine Fortsetzung seiner Politik des „maximalen Drucks“ und der Sanktionen gegen Pjöngjang an. Trump begründete den Schritt in einem Brief an Kim mit der „offenen Feindseligkeit“, die Pjöngjang zuletzt zum Ausdruck gebracht habe.

Korea-Experte Eric Ballbach sieht das anders. „Die USA waren diplomatisch auf dieses Treffen nicht vorbereitet“, sagt der Politikwissenschaftler von der Freien Universität Berlin. „Es hätte in einem Fiasko enden können.“ Denn zahlreiche Fragen waren noch offen: Was genau verstehen beide Seiten unter Denuklearisierung? Was soll Nordkorea als Gegenleistung bekommen? Wie wird der Abrüstungsprozess überwacht? Alles unklar.

Trumps Beratern ist das wohl in den vergangenen Tagen immer klarer geworden. Den Präsidenten selbst interessierte es offenbar nicht. In Washington wird sogar gemunkelt, Trump habe ausschließlich nach dem ganzen Pomp gefragt, den ihm Gastgeber Singapur für den Gipfel bescheren wollte. Für die Details, wie ein Abrüstungsdeal mit Nordkorea aussehen könnte, interessierte er sich nicht.

Für Ballbach kommt die Absage deshalb auch wenig überraschend. „Diese Fragen konnten ja über die vergangenen Dekaden nicht beantwortet werden“, sagt er. Seiner Meinung nach hätte es durchaus schlimmer werden können. „Ein gescheiterter Gipfel hätte von den Hardlinern in den USA ausgenutzt werden können, um das Ende der Diplomatie zu erklären. Das wäre weitaus dramatischer.“

Die Frage ist nun aber, wie es stattdessen weitergehen soll. Wenn man genauer hinsieht, dann haben beide Seiten diplomatische Hintertüren offen gelassen. Zwar drohen die Hardliner in der Trump-Regierung unverhohlen mit einem Militäreinsatz. In dem Brief an Kim schreibt Trump aber auch: „Sollten Sie Ihre Ansicht im Zusammenhang mit dem äußerst wichtigen Gipfel ändern, zögern Sie bitte nicht, mich anzurufen oder mir zu schreiben.“ Der nordkoreanische Vize-Außenminister Kim Kye Gwan, einer der erfahrensten Diplomaten des kommunistischen Landes, erklärte im Gegenzug, Pjöngjang bedaure die Absage, sei aber weiterhin „jederzeit“ zu Gesprächen bereit.

Auch international wurde Trumps Entscheidung mit Bedauern aufgenommen: UN-Generalsekretär Antonio Guterres, der russische Präsident Wladimir Putin, sein französischer Kollege Emmanuel Macron und der deutsche Ex-Botschafter in Washington – sie alle zeigten sich besorgt. Nur: Sie werden den Konflikt nicht lösen können. Ohne die USA wird es nicht gehen, erklärt Korea-Experte Ballbach. „Für das Regime in Nordkorea ist die nukleare Rüstung eine Frage des Überlebens.“ Während Nordkorea für die USA nur eines von vielen Problemen sei, seien andersherum für Pjöngjang die Beziehungen zu den USA „das zentrale außenpolitische Thema“.

Europa ist nicht gefragt

Die Europäische Union und Deutschland spielten dagegen eine untergeordnete Rolle. „Wir können nur die Räume schaffen für diplomatische Interaktionen“, sagt Ballbach. Deutsche Politiker sind offenbar bereit dazu: „Jetzt schlägt die Stunde der geduldigen Diplomatie abseits der Weltöffentlichkeit“, sagte der außen- und sicherheitspolitische Sprecher der CSU im Bundestag, Reinhard Brandl. „Auch wenn schnelle, medienwirksame Erfolge nicht zu erwarten sind.“ Gestern ruderte Trump zurück: Weniger als 24 Stunden nach seiner Absage erklärt er, das Treffen könne womöglich doch am 12. Juni stattfinden. (mit afp)

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26.05.2018, 06:00 Uhr
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