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Son of Saul

Son of Saul

Das Oscar-dekorierte Drama erzählt die Geschichte eines jüdischen Häftlings, der im KZ Auschwitz einen toten Jungen rituell beerdigen will.

Son Of Saul

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Saul fia
Ungarn 2015

Regie: Laszlo Nemes
Mit: Géza Röhrig, Levente Molnár, Urs Rechn

107 Min. - ab 16 Jahren

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21.02.2016
  • Klaus-Peter Eichele

Filme über den Holocaust gibt es viele, aber nur wenige wagen sich ins Herz der Finsternis, die Vernichtungslager. Zu groß ist die Gefahr, eine einschlägigen Genrefilmen ähnelnde Gewaltorgie oder ein den industriellen Massenmord verniedlichendes Rührstück abzuliefern.

„Son of Saul“ des Ungarn László Nemes, der den Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewonnen hat, begegnet der Gefahr durch eine radikal subjektive Perspektive, die sich schon an den Bildausschnitten zeigt. Die ersten zehn Minuten (und über weite Strecken des restlichen Films) klebt die Kamera auf dem Gesicht oder dem Hinterkopf des jüdischen Lagerinsassen Saul (Géza Röhrig), während er Neuankömmlinge zur Gaskammer von Auschwitz eskortiert. Das eigentliche Grauen bleibt verschwommen im Bildhintergrund oder erschließt sich indirekt durch das Gebrüll der Aufseher und die Angstschreie der Todgeweihten.

Saul ist Mitglied eines Sonderkommandos, das die Schmutzarbeit für die Deutschen erledigt: Leichen entsorgen, Gaskammern putzen, Wertsachen sortieren. Mitleid mit einzelnen Opfern kann er sich nicht erlauben, doch als in seinen Händen ein Kind stirbt, in dem er seinen Sohn zu erkennen glaubt, setzt Saul sich in den Kopf, es nach jüdischem Ritus zu bestatten. Seinen Plan verfolgt er mit einer Hartnäckigkeit, die womöglich wichtigere Aktionen seiner Mithäftlinge – die fotografische Dokumentation des Massenmords und einen Brandanschlag auf das Krematorium – behindert.

Dramatisiert wird dieser Konflikt allerdings kaum, und auch mit moralischen Handreichungen hält sich der Regisseur, ein Schüler des großen Avantgardisten Béla Tarr, zurück. Als Zuschauer bleibt man weitgehend allein mit Saul, in dessen Gesicht sich Leere und Entsetzen abzeichnen – aber auch die Entschlossenheit, einen Rest von Menschenwürde in einer entmenschlichten Umgebung zu bewahren.

Auschwitz aus radikal subjektiver Sicht eines Häftlings – das geht an die Grenze des Ertragbaren.

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21.02.2016, 12:00 Uhr
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Ein herausragender Film, zu Recht wird er als ein "deutscher Kaurismäki" bezeichnet. Als "Liebesfilm" würde ich ihn allerdings in keinster Weise bezeichnen, diese Szenen sind nur ein kleiner Teil. In erster Linie wird ohne viele Worte die aussichtslose Lage der prekär beschäftigen Menschen gezeigt, die beispielsweise trotz Verbots weggeworfene Lebensmittel direkt am Container im wahresten Sinne des Wortes "verschlingen". Sie versuchen, sich ihre Würde und auch ihren Humor zu bewahren. Interessant ist es, die Kurzgeschichte von Clemens Meyer zu lesen, sie umfasst nur 25 Seiten. Die Umsetzung im Film ist hervorragend gelungen, einige wenige Szenen wurden verändert bzw. hinzugefügt.
Elli Emann über In den Gängen
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