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In Pfäffingen baut Hoerbiger Elektronik innovative Mess- und Prüftechnik
Die Geschäftsführer Ralf Knura (links) und Anton Gleich.Bild: Beißwenger
Ein versteckter Weltmarktführer

In Pfäffingen baut Hoerbiger Elektronik innovative Mess- und Prüftechnik

Das eine Kästchen blinkt rot, das andere blau – und zack sind die Daten übertragen. Das sogenannte HS Kairo ist eines der hoch innovativen Produkte, die Hoerbiger Elektronik in Pfäffingen entwickelt und baut. Bei der schnellen Datenübertragung mittels LED-Licht sind die Pfäffinger sogar Weltmarktführer. „Wir sind die einzigen Hersteller“, sagt Geschäftsführer Anton Gleich.

17.07.2018
  • Mario Beißwenger

Die GmbH hat diese Woche Medien zur Besichtigung geladen. Die Botschaft sollte wohl sein: Hier sind richtig tolle Arbeitsplätze und es sollen mehr werden. Die nächsten beiden Jahren investiert die Firma allein 300 000 Euro in drei neue Maschinen, und zur gleichen Zeit soll die Beschäftigtenzahl von 60 auf 66 wachsen.

100 Steuergeräte in einem Auto

Zu bieten hat die Firma definitiv keine Standardware. Etwa 50 Prüfstände verlassen die Justinus-Kerner-Straße im Jahr und 3000 Prüfgeräte. Außer den Standardkomponenten wird alles im Hause entwickelt und zusammengefügt. Auch die Hauptplatinen designen die Techniker und Ingenieure im Hause. „Wir müssen Hard- und Software zusammen anbieten, sonst kommen wir nicht in den Markt“, sagt Gleich.

Dabei sind die Anbieter für diese Prüfeinrichtungen, die am Ende der Produktion die verbauten elektronische Bauteile prüfen und ihr Zusammenspiel testen, überschaubar. Eine Handvoll Mitbewerber habe Hoerbiger Elektronik weltweit. Die Konkurrenz sitzt in Ostasien, Nordamerika und Europa.

Mit dem System HS Kairo sieht sich Hoerbiger ganz vorne. Es erreicht die Datenübertragungsrate eines schnellen Ethernet-Kabels, braucht aber keine Steckkontakte. Geschwindigkeit ist wichtig, wenn große Datenpakete, etwa die digitale Betriebsanleitung aufgespielt werden sollen. Eine kabellose Verbindung zum getesteten Fahrzeug auf einem Rollenprüfstand ist sogar vorgeschrieben. Auf das störanfällige WLAN braucht Hoerbiger auch nicht zu setzen. Mit Laser ließe sich das leicht machen. „Aber das geht nicht wegen der Augen der Worker.“ So nennt Gleich die Beschäftigten, die am Band die Autokomponenten durchtesten.

Kann ja nicht so viel sein, was da geprüft gehört, denkt der technik-unerfahrene Besucher. Doch Mit-Geschäftsführer Ralf Knura korrigiert. „In einem besseren Mittelklasse-Fahrzeug kommunizieren ständig etwa 100 Steuergeräte miteinander.“ Vor einem aktuell gerade in der Fertigung stehenden Testgerät erklärt er, dass dieses 768 Messkanäle hat. Allein der Stecker dafür ist 30 mal 30 Zentimeter groß und glänzt mit hunderten goldgefertigten Kontakten. Auch das ein Eigenbau aus Pfäffingen, der einmal den Anschluss zum Armaturenbrett – oder besser Cockpit – eines modernen Lkws schafft.

Mit dem „Norm-Popo“ getestet

Gleich, wie Knura ausgebildeter Techniker mit anschließendem Ingenieurstudium, kann selbst den Steuerungskomponenten eines Fahrzeugsitzes viel abgewinnen. „Der Sitz ist eines der komplexesten Teile des Fahrzeugs.“ Mit einem „Norm-Popo“ werden die Funktionen durchgecheckt. Das nachgeführte Luftpolster im Sitz etwa, das einen bei Tempo 200 noch elegant in der Kurve hält, um sich beim Geradeausfahren zum sanften Sitzen zu entspannen. Oder die Kommunikation mit dem Airbag, damit der weiß, wie stark er sich aufzublasen hat – je nach Gewicht des Lenkenden, um bei einem Unfall mit dem richtigen Druck abzufangen, ohne dass die Rippen knacken.

Gleich begeistert sich so an der Messtechnik, dass die Investition am Standort fast ins Hintertreffen gerät. Hoerbiger hat sich nämlich auch die Steuerung vorgenommen, mit der Fahrzeuge mit Wasserstoff betankt werden. Wasserstoff, der im Fahrzeug via Brennstoffzelle Strom für den Antrieb erzeugt, gilt als Alternative zur Batterie-Technik.

Allerdings ist das Tanken nicht ganz einfach. Bislang braucht es rund eine halbe Stunde. Ganz voll wurden die Tanks, die mit bis zu 700 Bar gefüllt sind, auch nicht. „Wir schaffen es in drei Minuten zu 100 Prozent“, verspricht Gleich. Um die Gerätschaften dafür zu bauen, braucht Hoerbiger in Pfäffingen die neuen Maschinen für Ultraschall-Schweißen und Vergusstechnik. Und einen Markt, der auf Wasserstoff als Treibstoff setzt. Und natürlich Beschäftigte, die auf dem leergefegten Arbeitsmarkt schwer zu finden sind.

Ein buntes Angebot an Lösungen

Die Hoerbiger Elektronik in Pfäffingen ist nur ein kleiner Teil eines unter einer Holding zusammengefassten Firmengeflechts. In Pfäffingen arbeiten gerade 60 Beschäftigte, weltweit aber sind rund 7300 Mitarbeiter tätig. Sie erwirtschafteten 2017 einen Umsatz von etwas über einer Milliarde Euro. Die Angebotspalette geht vom Explosionsschutz über Komponenten für Kompressoren bis zum Antriebsstrang für Autos.

Gerade hat Hoerbiger etwa eine platzsparende Lösung für Fahrzeuge mit Hybridmotor entwickelt.

Auch in Pfäffingen werden nicht nur Prüf- und Diagnostiksysteme für Lastwagen, Landmaschinen und Autos gebaut. Entwickelt wurde etwa auch die Regelelektronik fürs hydraulische Bedienen großer Cabrio-Dächer. Die Fertigungstiefe geht dabei bis zu Entwicklung und Bau der Hauptplatinen für die Rechner in den Geräten.

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17.07.2018, 20:12 Uhr
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