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Emotionaler Höhepunkt der Filmfestspiele Biberach: Applaus für den scheidenden Festivalmacher Adrian Kutter. Foto: Georg Kliebhan




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06.11.2018

Von ULI LANDTHALER

Ulm. Es war ein „Familienfest der Deutschen Filmemacher“, das der Kinobesitzer Adrian Kutter da 1979 in seinem Lichtspielhaus in der oberschwäbischen Kleinstadt Biberachder ins Leben gerufen hatte. Autorenfilmer wie Hans Wilhelm Geißendörfer, Wim Wenders und Alexander Kluge hatten ihn in den 1970er Jahren zur Gründung eines solchen Festivals ermuntert, nachdem ihre Filmpräsentationen in Biberach stets von anregenden Publikumsgesprächen begleitet waren. Seither ist das 30 000 Einwohner große Biberach eine Marke im Festival-Kalender: Aus der dreitägigen Cineasten-Filmschau mit einigen hundert Kartenkäufern wurde im Lauf der Zeit eine Großveranstaltung mit zuletzt 16 000 Besuchern und vielen ausverkauften Vorstellungen.

Die meisten Besucher sind tatsächlich zahlende Kinofans aus Oberschwaben. Denn eines wollte Kutter auf seinem Festival nie haben: Die akkreditierten Badget-Träger aus den Kultur- und Unterhaltungsredaktionen, „die sich zwischen Künstler und Publikum drängen“ und regulären Kinobesuchern die Plätze wegnehmen. Die werden nicht eingeladen – was aber auch zur Folge hat, dass Biberach trotz satter Zuschauerzahlen in der medialen Aufmerksamkeit wie auch in der Promi-Dichte hinter Festivals wie jenem im nordbayerischen Hof zurückstehen muss.

Dafür sind der Gebrauchswert fürs Publikum in Biberach hoch und die Publikumsgespräche mit den Filmschaffenden äußerst authentisch. Eine halbe Stunde Zeit müssen die Organisatoren nach jeder Vorstellung ungefähr einplanen, damit neben den Frage-Klassikern „Was hat der Film gekostet?“ und „Wann kommt er ins Kino?“ auch alle möglichen Einzelheiten zu Musik, Drehort oder Besetzung erörtert werden können. „Das gibt es so nur in Biberach“, sagt Adrian Kutter, der nach eigenen Worten alle wichtigen europäischen Festivals kennt und seinen Platz in der Berlinale-Jury für den Gilde-Filmpreis beibehalten will.

Es füllt den Saal

Um die Frequenz hoch zu treiben, hat Kutter auch Fernsehfilme ins Festival-Programm genommen. Film-Crews von ARD Degeto, ZDF und SWR bringen ausgewählte Produktionen einige Wochen vor der TV-Ausstrahlung zum Testlauf nach Biberach, diesmal etwa den neuesten Freiburg-„Tatort“ des SWR „Für immer und dich“. Das ist dann kein Autorenkino mehr, aber es interessiert die Leute, füllt den Saal und macht das Festival zum Stadtgespräch.

In Zukunft werden auch reine Online-Produktionen von Netflix & Co. zum Festivalprogamm gehören, prophezeit Kutter. Dafür wird er dann aber nicht mehr zuständig sein. Am Ende der 40. Auflage der Biberacher Filmfestspiele erklärte der 75-jährige bei der Abschlussgala am Sonntagabend seinen Rücktritt als Programm-Macher. Der war eigentlich schon früher erwartet worden, die Weichen für einen Wechsel sind seit langem gestellt: Das Festival-Kino hat Kutter an den Kinoketten-Betreiber Heinz Lochmann verkauft. Und das Filmfest, früher Kutters Privatveranstaltung, wird nun von einem Verein unter städtischer Obhut organisiert.

Einziges Problem war, als Nachfolger einen Film-Experten mit Adrian Kutters Kontakten und Kenntnissen zu finden, der diesen Job zu bezahlbaren Konditionen macht und die Biberacher Philosophie mitträgt. Der ist nun gefunden: Seine Frau Helga Reichert (44) soll auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Januar zur neuen Intendantin der Biberacher Filmfestspiele gewählt werden. Und es soll ein Ehrenamt bleiben.

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Erstellt:
6. November 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
6. November 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 6. November 2018, 06:00 Uhr

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