Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Pogromnacht: Tübinger Universität entschuldigt sich

Die Gedenkveranstaltung hätten wir genehmigen müssen, erklärt Kanzler Andreas Rothfuß

Mit einer deutlichen Kehrtwende hat die Tübinger Universität auf die Kritik an dem Verbot einer Gedenkveranstaltung auf dem Geschwister-Scholl-Platz reagiert. Sie entschuldigte sich bei den Veranstaltern. „Wir haben einen Fehler gemacht“, erklärte Kanzler Andreas Rothfuß gegenüber dem TAGBLATT.

16.11.2018

Von uja

Symbolbild: Schweizer

Auf dem Platz vor der Neuen Aula wollten die Aktion Sühnezeichen und der Arbeitskreis Kritischer Juristen am 9. November daran erinnern, dass zahlreiche Uni-Dozenten den Aufstieg der Nazis nicht nur wohlwollend begleitet, sondern auch sehr bereitwillig jüdische Kollegen ausgeschlossen hatten. Der Geschwister-Scholl-Platz wurde zur Zeit der Nazi-Herrschaft als Platz für Aufmärsche genutzt.

Trotz dieses direkten Bezugs zur Geschichte der Tübinger Universität war die Gedenkveranstaltung von der Universität nicht genehmigt worden, die Veranstalter mussten auf den Gehweg ausweichen. „Wir haben da nicht sensibel reagiert“, räumte Kanzler Rothfuß ein.

Das Verbot hatte nicht nur bei den Veranstaltern Empörung ausgelöst. In sozialen Netzwerken wurde die Entscheidung ebenso kritisiert wie in Leserbriefen. Auch das TAGBLATT hatte in einem Kommentar eindeutig Stellung bezogen.

Als Grund für das Verbot hatte die Universität angeführt, dass die Kundgebung keinen Bezug zur Universität gehabt habe. Das ist seit einem Beschluss aus diesem Jahr die Bedingung für die Genehmigung von Veranstaltungen auf dem zentralen Platz. Grund für die Regelung war nach Angaben der Universität das große Interesse von Veranstaltern, die den Platz nutzen wollten – gemeldet hätten sich unter anderem Autofirmen. Wie viele Anfragen es genau waren, konnte Rothfuß gestern allerdings nicht angeben.

Der Kanzler versicherte, dass die Regelung inkraft bleibe, dass aber die Universität in Zukunft „sensibler reagieren“ werde. Die Kundgebung zur Pogromnacht habe jedenfalls nicht gegen die neuen Vorschriften verstoßen, da der Bezug zur Universität „ganz klar gegeben war“.

Die Entscheidung, das Gedenken nicht zu genehmigen, sei auf der Verwaltungsebene getroffen worden, letztlich aber vom Rektor abgezeichnet worden. Bernd Engler ist derzeit auf einer Reise in Asien unterwegs. Mit der Abwesenheit des Rektors erklärte Rothfuß auch, dass es solange dauerte, bis die Universität ihre Haltung überprüfte: „Wir können ja auch nicht immer vor Ort präsent sein.“

Zum Artikel

Erstellt:
16. November 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
16. November 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. November 2018, 01:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+