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Beuys

Beuys

Materialreiches Doku-Porträt des 1986 gestorbenen Künstlers und Teilzeit-Politikers Joseph Beuys.

Beuys

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Deutschland 2017

Regie: Andres Veiel
Mit: Joseph Beuys

107 Min. - ab 0 Jahren

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17.06.2017
  • Peter Ertle

Einmal zitiert Beuys zustimmend Picassos Diktum, Kunst sei nicht dazu da, unsere Wohnzimmer zu dekorieren, vielmehr sei sie eine Waffe gegen den Feind. Und er kommentiert: „Die Frage ist: Wer ist der Feind?“ Keine Antwort. Ein andermal spricht ihn eine Interviewerin auf seinen Flugzeugabsturz 1943 an, auf die Pflege durch die Tataren, die ihn, so will es die Legende, mit Fett einrieben und in Filzdecken hüllten, und sie fragt Beuys: „Haben Sie sich das gerade ausgedacht?“ Wieder keine Antwort.

Vermutlich ist das jeweils nur ein Produkt der Schnitttechnik, sie zeigt: Andres Veiel ist mehr an Fragen interessiert. Und schafft so immer wieder fast poetische Hallräume. Das würde aber nicht so gut funktionieren, würde die Frage, das Schweigen, das Rätsel nicht auch bei Beuys eine große Rolle spielen. Obwohl er ja, und das ist das eigenartige, auch eine große Aussprechwut hatte und - auch das zeigt der Film - alles andere als ein Wirrkopf war, sondern durchdacht, klar, konsequent mit seinem ins Soziale erweiterten Kunstbegriff: Kunst als soziale Plastik, als Stoff gewordener Gedanke, entworfen hin auf ein neues politisch-ökonomisches System, das Geld als falschen Motor abschafft - nichts weniger sollte es sein. Verstiegen? Vielleicht. Klingt heute aber wieder aktuell. Ah: Und Spaß machen sollte es auch.

Schön das laute, gelegentlich in Stills eingefrorene Lachen, die Flapsigkeiten. „Idioooot!, Aaaaschloch!“ brüllt er und zeigt, was er am Telefon zu hören kriegt, wenn er wieder mal in den Medien war.

Beuys, wie er mit seinen Studenten das Sekretariat der Düsseldorfer Akademie besetzt. Beuys vor Politikern, seine Äh-äh-äh-äh-Rede haltend. Beuys, wie er Eichen pflanzt. Beuys, wie er sich in eine Filzdecke gewickelt in eine New Yorker Galerie tragen lässt, alle Interviewwünsche ablehnt, in seiner Performance als Filzgestalt mit einem Koyoten kommuniziert - der steht in der amerikanischen Geschichte als Tiersymbol für den Abschaum. Beuys als Gründungsmitglied der Grünen.

Und immer durch die Brille eines sanften, staunenden, empathischen, ja: liebenden Filmemachers. Neue Hintergründe, kritische Ansätze, Beleuchtung seiner anthroposophischen Seite, Beuys privat - alles nicht Veiels Thema.

Vielleicht mit einer Ausnahme: Einer der wenigen zu Wort kommenden Weggefährten des - hauptsächlich aus historischem Dokumentarmaterial bestehenden und ohne Erzähler auskommenden - Films berichtet über Beuys‘ depressive Phase in den 1950-er Jahren, als er oft kein Wort sprach. Vielleicht das größte Geheimnis dieses Films, dieser Person: Der Kontrast aus dem charismatischen, sozialen Dauerkommunikator mit gesellschaftspolitischem Anliegen - und dieser immer wieder erlittenen oder gesuchten und künstlerisch funktionalisierten Verweigerung (Arsenal, ab 0).pme

Biographisches Schnittkunstwerk gesammelter Fotos, Film- und Tonaufnahmen zu einem Faszinosum.

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17.06.2017, 12:36 Uhr
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