4 Könige

4 Könige

Drama um vier Jugendliche, die Weihnachten freiwillig in der Psychiatrie verbringen.

11.11.2015

Von Klaus-Peter Eichele

4 Könige

Die vier Jugendlichen, die der Debütspielfilm von Theresa von Eltz zusammenführt sind charakterlich grundverschieden und entstammen, von proletarisch bis wohlhabend, unterschiedlichen sozialen Milieus. Was sie verbindet: Alle vier hassen Weihnachten, was sie veranlasst, die Feiertage lieber freiwillig in einer jugendpsychiatrischen Einrichtung zu verbringen als im Kreise ihrer offenbar nicht besonders Lieben.

Die Gründe, warum sie professionelle Hilfe suchen, offenbart der Film nur scheibchenweise und nicht vollständig – desolate familiäre Verhältnisse sind bei den meisten aber offensichtlich. Timo hat ein Gewaltproblem und wohl schon einiges auf dem Kerbholz. Der Georgier Fedja ist dagegen extrem ängstlich, sein Körper zeigt Spuren schwerer Misshandlung. Alex hat sich aus dem fahrenden Auto geworfen, weil sie den Druck, den ihre zerstrittenen Eltern auf sie ausüben, nicht mehr ausgehalten hat. Und die Psychiatrie-gestählte und entsprechend abgeklärte Lara („Fack ju Göhte“-Star Jella Haase) pumpt sich regelmäßig mit Drogen voll.

Anfangs bleiben die jungen Leute in ihren Psychosen gefangen und kapseln sich voneinander ab. Doch im Verlauf eines gruppendynamischen Experiments, das der diensthabende Arzt (Clemens Schick) im Schutzraum der Klinik anschiebt, bekommen ihre Seelenpanzer allmählich Risse – bis ein Unfall alle Bemühungen zunichte zu machen scheint.

Regisseurin von Eltz zeichnet ein (zumindest angesichts der einschlägigen Filmgeschichte) erstaunlich positives Bild der klinischen Psychiatrie, allerdings eher in einem utopischen Sinn. Denn der beinah wie ein Heiliger vorgeführte Psychiater ist erkennbar ein Einzelkämpfer. Er hat eine Phalanx von Bürokraten und Bedenkenträgern gegen sich, für Ruhe die erste Patientenpflicht ist.

Diese Gut-Böse-Schematik führt die Erzählung zum Ende hin allerdings auch in ein etwas konventionelles Fahrwasser.

Viel authentischer schildern von Eltz und ihre famosen Jungschauspieler den Prozess, wie die psychisch versehrten Jugendlichen mühsam Vertrauen zueinander fassen – und sich auf dieser gemeinschaftlichen Basis selbst in die Lage versetzen, ihren Problemen ins Auge zu sehen.

Ein ungewöhnlicher Weihnachtsfilm über Psychiatrie, wie sein könnte, nicht, wie sie ist.

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Erstellt:
11.11.2015, 20:11 Uhr
Lesedauer: ca. 1min 59sec
zuletzt aktualisiert: 11.11.2015, 20:11 Uhr

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