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Kommentar

Abenteuer unterwegs nach Ofterdingen (13)

01.04.2016
  • Hans-Joachim Lang

„Grüßet mir uns eigentlich oder ned?“ Diese Frage, die der hiesige Kulturwissenschaftler Utz Jeggle vor Jahren aufgeworfen hat, ist von zeitloser Aktualität. Dabei war er es nicht selbst, der diese Frage gestellt hat. Es war vielmehr eine Nachbarin von ihm, die im täglichen Begegnungsverkehr in der der Tübinger Neckarhalde klare Verhältnisse herbeiführen wollte. „Die Frage ist die Garantie, dass die Nachbarin bereit ist, meinen Gruß zu erwidern“, vertiefte sich Jeggle in einem Aufsatz in die Untiefen komplizierter Beziehungsmechanismen des alltäglichen Straßenbiotops. „Ich muss nur Ja sagen und das nächste Mal Grüßgott.“

Die Hintertür, durch die man entweichen kann, liegt in dem diplomatischen „oder ned“. Unausgesprochen scheint dieses „oder ned“ gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln die hauptsächliche Kommunikationsform zu sein. Wer nur selten mit Bahn oder Bus unterwegs ist, dem fällt das nicht weiter auf. Denn für ihn oder sie hebt sich kaum jemand aus dem Grau der Mitreisenden. Es sei denn, man trifft auf Freunde oder Bekannte.

Anders dagegen, wer regelmäßig auf der selben Strecke mit dem ÖPNV zur Arbeit fährt. Im Pendelverkehr schälen sich auf dem begrenzten Raum selbst für extrem personenblinde Passagiere allmählich unterscheidbare Mitpendler heraus. Beispielsweise im Bus zwischen Ofterdingen und Tübingen eine schmale, stets ernst dreinblickende Frau mit streng wirkender Brille und dunklen kurzen Haaren, die niemanden anschaut und sich stets an den selben Fensterplatz setzt. Eine andere Passagierin, die schon mit dem Bus vorgefahren kommt, weil sie eine oder zwei Haltestellen vorher eingestiegen ist und sich gleich hinter einem dicken Buch vergraben hat. Oder ein junger Mann, beide Ohren verstöpselt und verkabelt, mit einem ins Leere starrenden Blick und beängstigend knietief hängenden Jeans.

Sie alle, und noch viele mehr, die zu- und aussteigen, sind sich unausgesprochen einig: Mir grüßet uns ned. Würden sie sich im Wald begegnen, wo sich wie selbstverständlich alle Wanderer und Spaziergänger einen guten Tag wünschen, würden auch die strenge Brille, das dicke Buch und die verstöpselten Ohren einander grüßen. Wahrscheinlich, um sich zu versichern, dass man nicht zu der Gattung wilder Tiere gehört, die sich am liebsten zerfleischen würden. Doch im Bus bleiben sie grußlos.

Bemerkenswert die Anführer des täglichen Begegnungsmobils, die Busfahrer. Im Überlandverkehr kann man nicht einfach hinten einsteigen, man muss an ihnen vorbei. Nicht dass dieser Berufsstand keine freundlichen Zeitgenossen kennte, sie sind aber im Verhältnis zur Durchschnittsbevölkerung unterrepräsentativ vertreten. Manche beherrschen nicht einmal Vorformen des dezenten Nichtgrüßens, oder es handelt sich, wohl eher zutreffend, um gezielte Unfreundlichkeit. Das bringt zwar niemanden um, aber Morgenstund könnte eigentlich auch Gold im Mund haben. (Fortsetzung folgt)

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01.04.2016, 01:00 Uhr
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