Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Konjunkturbericht

Ein kleines Wirtschaftswunder

Die Reutlinger Industrie- und Handelskammer vermeldet in ihrer Herbstumfrage hervorragende Wirtschaftszahlen.

14.10.2017
  • Matthias Reichert

„Recht anständig“ würde der Schwabe laut Christian Erbe zur Stimmung in den Betrieben der Region Neckar-Alb sagen. Der Präsident der Reutlinger Industrie- und Handelskammer übersetzt das in „hervorragende Zahlen“. Dem gestern veröffentlichten Konjunkturbericht der Kammer zufolge spricht die IHK von einem „kleinen Wirtschaftswunder“ in der Region.

61 Prozent der 372 befragten Betriebe bewerten ihre Lage als „gut“, 35 Prozent als „befriedigend“. Unzufrieden sind in der aktuellen IHK-Umfrage nur fünf Prozent der Unternehmen. Auch die Erwartungen sind positiv. 52 Prozent der Firmen sehen ihre Aussichten als mindestens gleichbleibend. 40 Prozent erwarten sogar noch bessere Geschäfte im kommenden Jahr. Auch der Konjunkturklimaindex der Kammer bleibt mit 144 Punkten deutlich über der neutralen Marke von 100 und nähert sich dem Höchststand des Jahres 2011 an.

In der Region boomt laut Erbe vor allem die Baubranche. 92 dieser Betriebe sind vollauf zufrieden, 31 Prozent erwarten nochmals eine Steigerung. Zunehmend profitiere die Branche nicht nur von den Häuslesbauern, sondern auch von Wirtschaftsbauten: 48 Prozent der befragten Unternehmen haben in den vergangenen drei Jahren expandiert, davon fast ein Drittel vor Ort. Und weitere 28 Probleme wollen in den kommenden drei Jahren vor Ort erweitern.

Sehr gut gestimmt, so die IHK weiter, ist auch der Einzelhandel. Kein einziger der Betriebe, die geantwortet haben, bewertet seine Lage als schlecht. Rund die Hälfte der Händler schaut, auch mit Blick auf das anstehende Weihnachtsgeschäft, positiv in die Zukunft. Auch in der Industrie bewerten fast 60 Prozent der Unternehmen die Lage als „gut“, 42 Prozent erhoffen sich noch bessere Geschäfte für die kommenden Monate.

Sorgenkind ist hingegen das Gastgewerbe. Dort halten nur noch 35 Prozent der Betriebe die Lage für „gut , auch die Prognosen sind rückläufig. IHK-Konjunkturexpertin Beatrix Andriof führt das auf Mindestlohn und neue Dokumentationspflichten der Gastwirte zurück, welche die Ertragslage schmälerten – laut Erbe also „weniger eine Frage des Marktes als der Rahmenbedingungen“.

Annähernd jeder zweite Euro in der Region wird im Export erwirtschaftet. Im Außenhandel ist der Optimismus leicht gesunken. Das liege auch an der neuen US-Regierung. Deren Politik nennt Erbe etwas verklausuliert „eher stochastisch randomisiert als strategisch“, also in etwa: unberechenbar. Er fordert, die Russland-Sanktionen des Westens auslaufen zu lassen. Die richteten sich vornehmlich gegen Energieunternehmen, doch seien viele deutsche Betriebe als Zulieferer und Kunden betroffen. Erbe fordert, die politische Lage durch Verhandlungen zu verbessern: „Wir setzen klar auf Merkels Raute statt auf Trumps Rute.“

Außerdem verunsichere der bevorstehende Brexit die Unternehmen. Auch die Tübinger Erbe Elektromedizin GmbH des IHK-Präsidenten musste wegen des britischen EU-Ausstiegs bereits neue Copyright- und Markenrechte anmelden, was mit 50000 bis 60000 Euro zu Buche geschlagen habe. Christian Erbe fordert nun einen „weichen Brexit“, bei dem England weiterhin Zutritt zum Binnenmarkt hat und in der Zollunion bleibt.

Eine Herausforderung sei nach wie vor der Fachkräftemangel. Bis 2030 fehlen laut IHK rund 23000 Fachkräfte in der Region – davon nur 1000 Akademiker, die übrigen aus dualer Ausbildung. So seien die Betriebe auf arbeitsmarktorientierte Zuwanderung und transparente Gesetze angewiesen, sagt Erbe. Die neue Bundesregierung müsse für qualifizierte Zuwanderung sorgen. Es brauche in Berlin eine schnelle Regierungsbildung und keine Hängepartie.

Die nächste Krise kommt bestimmt

Im Zenit steht derzeit laut IHK die Konjunktur in der Region. Doch irgendwann komme auch wieder ein konjunkturelles Tief, sagt Präsident Christian Erbe voraus: „Wir sehen keine extreme Fortsetzung dieses positiven Trends, sondern eher eine Konsolidierung.“ Deshalb müssten die Unternehmen beizeiten vorsorgen. Sorgen machen in der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage für rund 45 Prozent der Unternehmen steigende Arbeitskosten, fast ebenso viele befürchten eine nachlassende Inlands-Nachfrage.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

14.10.2017, 01:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
 
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular