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400 demonstrieren für den Schutz des Schutzgebiets

Angriff auf die lokale Trinkwasserversorgung: „Ein Grund, die Grünen nicht mehr zu wählen“

400 Menschen folgten dem Aufruf der Bürgerinitiative Au-Brunnen und bildeten in Tübingen eine Menschenkette um das Grünland zur Wasserversorgung.

17.04.2017
  • Miri Watson
Angriff auf die lokale Trinkwasserversorgung: „Ein Grund, die Grünen nicht mehr zu wählen“

Natürlich ging es um den Erhalt des Wasserschutzgebietes und des Reservebrunnens, aber es ging auch um Grundsätzlicheres beim Osterspaziergang der Bürgerinitiative Au-Brunnen gestern: Darum, wo die Grenzen vom Wachstum einer Stadt sind und wie zukunftsfähiges Wachstum aussehen kann. Und dann ging es auch noch um Deutungshoheit.

Etwa 400 Menschen kamen gestern trotz des klammen Wetters in der Eisenbahnstraße zusammen, um das Wasserschutzgebiet um den Au-Brunnen symbolisch mit einer Menschenkette zu schützen. Mit Drehorgelmusik, Transparenten mit Slogans wie „Grünen statt Grauen“ und einer Petition protestierten die Mitglieder und Sympathisanten der Bürgerinitiative für ihre Sache und sangen gemeinsam ein eigens umgedichteten Lied zum Erhalt des Au-Brunnens: „Lasst uns für gutes Brunnenwasser streiten, bevor wir Neckarwasser aufbereiten“. Mit Getränken und kleinen österlichen Snacks konnten sich die Demonstrierenden stärken.

„Das Wasser ist die Grundlage des Lebens“, sagte Bürgerinitiativen-Mitgründer und Stadtrat (AL/Grüne) Bruno Gebhart. Gegen die Bebauung des Wasserschutzgebietes zu sein, das sei eine Grundhaltung. „Wir meinen, dass ein Reservebrunnen wichtig ist, da die Trinkwasserversorgung auf vielen Beinen stehen muss“, so Gebhart. Die Bodenseewasserversorgung könne niemand garantieren; man könne mögliche Risiken wie ein Erdbeben oder einen Giftanschlag oder auch die Folgen des Klimawandels nicht einfach ausschließen.

Viele der Anwesenden äußerten, dass sie sich von Oberbürgermeister Boris Palmer verraten fühlten. „Wenn jemand so etwas Grundlegendes wie die lokale Trinkwasserversorgung angreift, ist das für mich ein Grund, die Grünen nicht mehr zu wählen“, sagte die Tübingerin Sylva Lauto.

Nachdem sich auf der Seite der Eisenbahnstraße entlang des Schutzgebiet-Zauns die Menschenkette gebildet hatte, kam Palmer selbst zu der Veranstaltung, um mit den Demonstrierenden zu diskutieren. „Es gibt gute Gründe, das Schutzgebiet zu erhalten“; sagte Palmer, „Es gibt aber auch gute Gründe, es nicht zu tun.“

Er argumentierte, dass Wachstum unerlässlich sei, damit die lokale Wirtschaft nicht abwandere. In den vergangenen zehn Jahren sei ausschließlich innerstädtisch in bereits bestehenden Gebieten gebaut worden und auch in Zukunft solle darauf geachtet werden, dass das so bleibe.

Allerdings sei es aus Palmers Sicht notwendig, zehn Hektar neues Gewerbegebiet zu erschließen. Neben dem Gebiet um den Au-Brunnen kämen dafür nur der Saiben bei Derendingen und die Traufwiesen am Waldrand vor dem Hornbach in Frage. Für den Au-Brunnen spräche die bereits bestehende Verkehrsanbindung durch die Eisenbahnstraße und die geplante Stadtbahn-Haltestelle dort. Warum die zehn Hektar überhaupt nötig seien, fragten hingegen Engagierte der Bürgerinitiative. „Ewiges Wachstum ist eine Sackgasse“, so Gebhart.

Auch Palmers Argumentationsführung wurde kritisiert: So sagte er beispielsweise, dass der Brunnen die schlechteste Wasserqualität von allen Tübinger Brunnen habe. Das sei zwar technisch richtig, aber irreführend, entgegnete Christina von Elm, Gründungsmitglied der Bürgerinitiative.

„Die Wasserqualität dort ist gut“, sagte von Elm. Zwar sei die Qualität des Wassers der anderen Tübinger Brunnen noch besser, aber trinkbar sei das Wasser aus dem Au-Brunnen allemal. Der Au-Brunnen sei allerdings der einzige Brunnen, der aufgrund seiner Tiefe auch im Fall von Überschwemmungen weiter betrieben werden könne. „Wir legen großen Wert darauf, nicht tendenziös zu berichten, sondern so, dass die Bürger es nachprüfen können“, sagte die Archäologin, die viele Informationen zum Brunnen auf der Website der Initiative (www.bi-aubrunnen.de) aufbereitet hat.

Not- oder Reservebrunnen?

Aktuell wird geprüft, ob das Gebiet um den 1905 erschlossenen Au-Brunnen im Rahmen des Flächennutzungsplans als Gewerbegebiet ausgeschrieben werden kann. Im Moment ist der Brunnen nicht an das Wassernetz angeschlossen, sondern wird als Reservebrunnen betrieben. Das bedeutet, dass er regelmäßig gewartet werden muss. Wenn im Schutzgebiet gebaut würde, könnte er als Notbrunnen weiterbetrieben werden. Dann aber wären die Auflagen andere und er könnte nicht mehr jederzeit sofort an das Wassernetz angeschlossen werden.

Mehr Infos gibt es am 24. Mai um 19 Uhr in der Turnhalle Feuerhägle in Derendingen bei einer Einwohnerversammlung, die der Gemeinderat einberufen hat.

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17.04.2017, 20:55 Uhr
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