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Wohin mit den 630.000 Euro der Studierenden
Das Ract!-Festival ist neben dem altbewährten Clubhausfest die größte öffentlichkeitswirksame Aktion des Studierendenrats.Archivbild
Luxusproblem: Freibier oder Trampolinpark?

Wohin mit den 630.000 Euro der Studierenden

630.000 Euro haben Tübingens Studierendenvertreter auf ihrem Konto angesammelt. Sie würden das Geld gern ausgeben. Bloß wofür?

20.01.2017
  • Ulrich Janßen

Sechs Euro zahlen Tübingens Studierende pro Semester an ihre offiziellen Vertreter. Ein Zwangsbeitrag, der im Budget des einzelnen Studenten kaum auffällt, der allerdings, wenn 28.000 Studierende ihn regelmäßig entrichten, erstaunlich schnell zu einer stattlichen Summe anwachsen kann.

Vergangene Woche veröffentlichten die Studierendenvertreter erstmals einen Haushaltsplan. Danach warten auf den Konten des Studierendenrats stolze 630.000 Euro auf weitere Verwendung. Insgesamt nahmen die Studierenden laut Uni-Kanzler Andreas Rothfuß seit 2014 sogar 850.000 Euro an Beiträgen ein.

Versaufen geht nicht

Mit dem gebunkerten Geld könnte man, errechnete umgehend Constantin Pläcking, der gut informierte Betreiber des Blogs „Neckarstudent“, Christiano Ronaldo für lustige Ballkunststücke verpflichten oder die „Ärzte“ für ein Konzert. Oder 50 Brunnen in Afrika bohren. Weniger karitativ ist die Idee der Spaß-Studenten von der Liste „Die Liste“. Sie beantragten eine riesige Sause im „Bota“ – mit Freibier für alle.

Das aber, versichern die Mitarbeiter des studentischen AK Finanzen, wäre gar nicht erlaubt: „Versaufen geht nicht.“ Denn das Geld, so will es das Landeshochschulgesetz, muss für allgemeinbildende, kulturell oder zumindest sportlich ambitionierte Unternehmungen verwendet werden. Und so etwas zu finden und vor allem zu organisieren, ist, wie die Vertreter offen einräumen, gar nicht so einfach. Im Gespräch mit dem TAGBLATT erläuterten sie, warum sich die Studierendenschaft so schwer tut mit dem Ausgeben und Verwalten ihrer Einnahmen.

Das Hauptproblem ist, dass die meisten Studierenden zwar brav ihren Beitrag bezahlen, ansonsten aber auf maximalen Abstand zur zähen Gremienarbeit in der Selbstverwaltung achten. „Es gibt immer weniger studentische Gruppen, die Anträge stellen“, sagt die Finanzreferentin des Studierendenrats, Christin Gumbinger, „erschreckenderweise.“ Zwar engagierten sich uniweit noch immer ein paar hundert Studierende in der Selbstverwaltung, doch dieses Engagement, ergänzt Leon Nimow nüchtern, „ist von der Qualität her sehr unterschiedlich“. Der Fachschaftler selbst schätzt seinen persönlichen Zeitaufwand für die Selbstverwaltung auf immerhin 100 Stunden pro Monat: „Wenn wir dafür bezahlt würden, würde sich das lohnen.“

Tatsächlich gibt es keinen Cent für die fleißige Gremienarbeit. Dabei kümmern sich die Tübinger, anders als ihre Kollegen in Freiburg oder Karlsruhe, ehrenamtlich um fast alles. Darf man eine Examensfeier bezuschussen? Sind 500 Brötchen für eine Veranstaltung erlaubt, eventuell sogar belegte? Das sind Fragen, mit denen sich Gumbinger und ihre Mitstreiter herumschlagen. Extrem arbeitsaufwändig sei auch die Prüfung der Qualitätssicherungsmittelvergabe verlaufen, mit denen Stuttgart den Ausfall der Studiengebühren kompensieren wollte. Hier entschieden die Studenten über immerhin 12 Prozent der Landesmittel: „Da ging es um 1,68 Millionen Euro.“

Kritiker sind herzlich eingeladen

Schon lange wollten die Studierenden deshalb zumindest für die Aufstellung des Etats eine 450-Euro-Kraft mit betriebswirtschaftlichen Grundkenntnisse einstellen, doch das Projekt „Haushaltsbeauftragter“ scheiterte bislang an der aufwändigen Kommunikation zwischen den diversen Organen der Studierendenschaft, der Uni-Verwaltung und dem Kultus- und Finanzministerium. „Es läuft alles sehr viel langsamer als wir 2014 bei der Einführung der verfassten Studierendenschaft gedacht haben“, geben sie zu.

So ist es nicht verwunderlich, dass der jetzt vorgestellte Haushalt auch jenseits des verblüffenden 630.000 Euro-Guthabens einigen Anlass für hämische Kritik bietet: Der „Neckarstudent“ fand heraus, dass man von den 15.000 Euro, die im Etat allein für Kopien vorgesehen sind, einen Papierturm bauen könnte, der fast die Höhe der Stiftskirche erreicht. Das sei nur ein Ansatz, verteidigen sich die Finanz-Zuständigen: „Wieviel tatsächlich verbraucht wurde, wissen wir nicht.“ Im Übrigen seien alle Kritiker herzlich eingeladen, sich in die Diskussion (und die Arbeit) einzubringen: „Bei uns kann jeder mitmachen.“

Das gilt ganz besonders auch für den Umgang mit den 630.000 Euro. „Wir hoffen auf Ideen der Studierenden“, sagt Nimow. Denkbar sei vieles, von der Verpflichtung eines Wissenschafts-Stars oder einer Band bis hin zum „Trampolinpark“.

Dass die sechs Euro Beitrag pro Semester auf Dauer trotzdem zuviel sind, ist den Finanz-Zuständigen allerdings auch klar. „Fünf Euro reichen“, sagt der Liberale Brand, „vielleicht auch weniger.“ Die Grüne Hochschulgruppe hat für die Sitzung am kommenden Montag schon einen entsprechenden Antrag formuliert. Tübingens Studierende dürfen sich also, wenn schon nicht auf Freibier, so doch auf einen Ein-Euro-Nachlass pro Semester freuen.

Die Gremien der Studierendenschaft

Jenseits der Studierenden-Vollversammlung ist der Studierendenrat das oberste Organ der verfassten Studierendenschaft. Seine 17 Mitglieder werden von den Studierenden gewählt und entscheiden über aktuelle Themen. Der Rat genehmigt Anträgte, betreut diverse AKs, wählt die Finanzreferenten und kommuniziert mit den Fachschaften.

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20.01.2017, 01:00 Uhr
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20.01.2017

16:44 Uhr

LudeBo schrieb:

Die "aufwändige Kommunikation mit der Uni-Verwaltung und dem Kultus- und Finanzministerium." ist auch nur die StuRa-Variante von "Die EU ist schuld!".
Letztendlich hatte man fast drei Jahre Zeit und hat es jetzt das erste Mal geschafft, die aktuellen Zahlen offen zu legen. Vom rechtzeitigen Erstellen der Haushaltspläne, der Kontrolle selbigens, schnellen Antworten für Studenten mit Anliegen (regelmäßig wochenlange Wartezeiten für Studenten, die ihren Beitrag nach Exmatrikulation zurück wollen) und der Einstellung eines Haushaltsbeauftragten mal abgesehen.
Dabei hat man die Forderungen der Studenten und einiger Hochschulgruppen nach mehr Transparenz und Organisation entweder bewusst ignoriert oder war nicht in der Lage diese umzusetzen.
Am Ende ist es jetzt schwer zu sagen, ob GHG und Fachschaften extrem schlecht organisiert sind oder ob Gelder veruntreut wurden (wobei ja der extrem hohe "rumliegende" Betrag immerhin für Ersteres spricht).



 
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