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Tübinger Umweltberater machen Menschen und Unternehmen fit für eine klimaneutrale Welt
Vor der Solarwand an der Paul Horn-Arena: Stephan Schunkert und Odette Deuber sind Geschäftsführer von Klimaktiv.Bild: Faden
Beim CO2-Ausstoß geht es auch um die Wurst

Tübinger Umweltberater machen Menschen und Unternehmen fit für eine klimaneutrale Welt

Der CO2-Rechner hat sie bekannt gemacht, doch für die Umweltberater von Klimaktiv ist das kleine Programm nur ein Anfang. Die Geschäftsführer Stephan Schunkert und Odette Deuber wollen verstärkt Unternehmen fit machen für eine klimaneutrale Welt.

21.08.2016
  • ulrich janssen

Tübingen. Viele Menschen haben noch nicht wirklich begriffen, was die Beschlüsse der UN-Klimakonferenz von Paris eigentlich bedeuten. Bis zum Jahr 2060 müssen die Treibhausgas-Emissionen in der ganzen Welt komplett auf Null zurückgefahren werden, schon bis 2040 dürfen keine fossilien Energieträger mehr verbrannt werden. „Das ist“, sagt Stephan Schunkert, „ein sportliches Ziel.“

In der Wohnung mit 19 Grad hinkommen

Wenn jemand die Ergebnisse der Pariser Konferenz beurteilen kann, dann Schunkert. Im Jahr 2008 gründete der Rheinländer die gemeinnützige Gesellschaft „Klimaktiv“, die das Bewusstsein für Klimaschutz fördern will. Heute kennt sich der Informatiker und Diplom-Ingenieur mit CO2-Bilanzen aus wie kaum jemand sonst. So freute er sich zwar über Paris, gibt aber auch zu: „Wir brauchen eine grundlegende Transformation der Wirtschaft und Gesellschaft, um die Ziele zu erreichen.“

Diese Transformation wird jeden betreffen, das ist Schunkert klar. Jeden Staat, jede Institution, jedes Unternehmen, jeden einzelnen Menschen. Schon vor Paris hatte das Öko-Institut in verschiedenen Szenarien für das Bundesumweltministerium durchgespielt, wie der CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2050 um 80, 90 oder 95 Prozent (gegenüber 1990) gesenkt werden könnte. Heraus kam laut Schunkert, dass „jeder Bürger dann nur noch eine Tonne CO2 im Jahr verbrauchen darf“. Derzeit sind es knapp zwölf im Schnitt.

Um auf eine Tonne zu kommen, muss nicht nur der Energieverbrauch im Verkehr, beim Heizen und der Stromerzeugung komplett auf erneuerbar umgestellt werden. Das Öko-Institut fordert auch Veränderungen, die deutliche Auswirkungen auf den Komfort jedes Menschen haben. So müsste beispielsweise die durchschnittliche Raumtemperatur um ein Grad auf 19 Grad abgesenkt oder die beheizte Fläche reduziert werden.

Mit dem CO2-Rechner von Klimaktiv (der inzwischen auf vielen hundert Websites eingebaut ist), kann jede/r sehen, wie weit er oder sie jetzt schon ist. Das Programm berücksichtigt alles, was Auswirkung auf das Klima haben kann: Wie und was man einkauft, ob man einen Trockner benutzt und wie oft man Tiefkühlpizzas isst. Seit Paris stellt einem der Rechner auf Wunsch auch noch eine persönliche Vermeidungsstrategie vor und erklärt, wie sich das eigene Verhalten auf Andere auswirkt.

Das ist neu. Bislang sind die Umweltanstrengungen vieler Menschen und Firmen eher am Eigennutz interessiert, nicht an der gesellschaftlichen Wirkung. „Wir drücken unser Engagement in Euro aus“, beschreibt Schunkert das Prinzip. Tatsächlich aber komme es nicht nur darauf an, Benzin zu sparen, sondern das eigene Verhalten (oder das des Unternehmens) im Ganzen zu sehen und zu ändern. „Die Unternehmen“, erläutert Odette Deuber, „müssen die Wirkung der eigenen Geschäftstätigkeit anschauen.“

Odette Deuber ist promovierte Klimawissenschaftlerin. Sie hat beim Öko-Institut in Berlin gearbeitet und stieg vor zwei Jahren als geschäftsführende Gesellschafterin bei Klimaktiv ein. Heute berät sie Unternehmen, die ihre eigene Klimaschutzstrategie entwickeln, ihre CO2-Emissionen reduzieren oder sich durch den Kauf von Zertifikaten klimaneutral stellen wollen. Klimaktiv hat dafür weltweit Klimaschutzprojekte ausgesucht und geprüft, die sich für solche Kompensationen eignen. Auf der Liste stehen etwa der Kauf effizienter Kochtöpfe in Uganda oder die Gewinnung von Biogas in Vietnam.

Es müssen nicht immer Holzhackschnitzel sein

Dass sich Unternehmen mit Zertifikaten Klimaneutralität kaufen können, ist nicht unumstritten, Deuber hat sich für ihre Promotion mit dem Zertifikate-Handel im Flugverkehr beschäftigt und hält das Prinzip für vernünftig. „Wir können nicht alles von heute auf morgen ändern“, meint sie. Und: „Wir zeigen, was möglich ist, aber jeder muss seinen eigenen Weg finden.“ Es sind die pragmatischen Lösungen, nach denen Klimaktiv sucht, nicht die dogmatischen.

Klimaktiv selbst ist gerade dabei, sich neu zu erfinden. Die in der Nauklerstraße angesiedelte GmbH will „weg von der großen Förderung durch die Bundesregierung“ und mehr auf eigenen Beinen stehen. Seit 2014 gibt es deshalb parallel zur gemeinnützigen auch eine normale GmbH, die Firmen auf dem Weg zum klimaneutralen Unternehmen berät und damit auch Geld verdienen soll.

Für Unternehmen berechnen die Klimaktiv-Leute den CO2-Ausstoß über die gesamte Liefer-, Produktions- und Vertriebskette. „Wenn eine Firma beispielsweise Aluminiumdeckel verkauft“, erläutert Deuber, „beziehen wir in die Berechnungen auch die Herstellungsbedingungen und den Transport des Aluminiums ein.“

Denn Klimaschutz ist komplex. Unter Umständen, meint Deuber, ist es klimafreundlicher, die Lieferkette zu ändern und regionale Zulieferer zu engagieren, statt ein Holzhackschnitzel-Kraftwerk auf dem Werksgelände zu bauen.

Für solche Berechnungen sind die derzeit fünf Klimaktiv-Mitarbeiter/innen Spezialisten. „Wir bilanzieren fast alle Produkte, vom Sattelschlepper bis zum ätherischen Öl“, sagt Stephan Schunkert. Die Experten können den CO2-Fußabdruck einer Banane vom Pflücken in der afrikanischen Elfenbeinküste bis zum Verkauf in einem Supermarkt in Tübingen ausrechnen.

Interessant ist das laut Deuber für immer mehr Unternehmen. „Die Kunden fordern klimabewusste Firmen.“ Entsprechend groß ist die Hoffnung, den Consulting-Teil der GmbH kräftig weiter entwickeln zu können. Umsatzzahlen will Schunkert nicht nennen, aber „wir können auf eigenen Beinen stehen“.

Info Der CO2-Rechner steht unter: www.klimaktiv.de/de/199/

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21.08.2016, 14:30 Uhr
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